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CL-Finale, FC Liverpool - Real Madrid: Welche Garage hat die besseren Ferraris?

Champions League, FC Liverpool, Real Madrid, Carlo Ancelotti, Jürgen Klopp

Wenn der FC Liverpool und Real Madrid im Champions-League-Finale aufeinandertreffen, werden auch die beiden Bänke wohl wieder eine wichtige Rolle spielen. Real lebte regelrecht von seinen Jokern, aber Jürgen Klopp ist auch beseelt von seinen "Ferraris in der Garage". Einer, der sich mit beiden Mannschaften auskennt, ist Rafael Benitez. Die Trainer-Legende erklärt, welche Ersatzbank die besseren Optionen bietet.

Als wäre der Rahmen nicht ohnehin schon traurig genug gewesen, sank die Stimmung an der Anfield Road am Sonntagabend so richtig in den Keller. Die Spieler und Mitarbeiter des FC Liverpool standen Spalier für Divock Origi, der die Reds nach Ablauf seines Vertrags nun verlassen wird.

Da Origi noch an einer Verletzung laboriert, fand die Verabschiedung nicht auf dem Platz statt, sondern mit Geschenk und Applaus nach einem Spiel gegen die Wolverhampton Wanderers, das Liverpool zwar gewann, aber den Titel Manchester City überlassen musste, das nach einem 0:2 noch zurückkam und Meister wurde.

Als sich die Reds sehr schwertaten, gegen starke Gäste aus Wolverhampton das Spiel zu drehen, hätte man davon ausgehen können, dass Origi eingewechselt werden würde. Der Belgier hat in seiner Karriere beim FC Liverpool, die 2015 begann und nur durch einen Leihwechsel zum VfL Wolfsburg 2017/18 unterbrochen wurde, für sogenannte Clutch Goals gesorgt.

Er traf dann, wenn es besonders eng wurde und man unbedingt ein Tor brauchte. Unvergessene Tore gegen Everton, Wolverhampton oder Barcelona. Aber vor allem das alles entscheidende 2:0 im Champions-League-Finale 2019 gegen Tottenham Hotspur. Damals - wie so oft - nach einer Einwechslung.

FC Liverpool - Real Madrid: Die Bänke werden entscheidend sein

Jürgen Klopp sagte mal, dass es fast "lächerlich" sei, "dass ein Spieler wie er nicht immer im Kader zu finden sei", da er "immer da ist, wenn wir ihn brauchen". Fußball-Trainer schmieden ihre Matchpläne, sie tüfteln ihre Startaufstellungen aus und beziehen dabei wichtige Faktoren ein. Wie können wir das eigene Spiele durchziehen? Wie können wir das Spiel des Gegners nicht zur Entfaltung kommen lassen? Welche Spielertypen werden gebraucht?

Und dabei schauen sie eben nicht nur, welche Elf sie auf die Reise schicken, sondern auch welche Optionen auf der Bank zur Verfügung stehen, um auf entsprechende Spielsituationen reagieren zu können. Auch wenn am Samstag in Paris Real Madrid und der FC Liverpool aufeinandertreffen, werden die beiden Bänke womöglich eine wichtige Rolle für den Ausgang der Partie spielen. Es wird entscheidend sein, wer nicht nur zu Beginn auf dem Platz steht, sondern auch beim Schlusspfiff.

Das beweist auch der bisherige Lauf beider Mannschaften in dieser Champions-League-Saison. Die Bilder der erfahrenen Spieler von Real Madrid an der Seite von Trainer Ancelotti im Rückspiel gegen Manchester City sind noch allgegenwärtig. Toni Kroos, Marcelo und Co. konferierten mit dem Italiener, wer auf den Platz kommen könnte, um das Ergebnis zu drehen und später auch zu halten.

"Der Trainer hatte selbst ein paar Zweifel, wen er noch bringt und wen nicht. Wir selbst haben auch alle ein paar Fußballspiele gesehen. Dann kann man sich ein bisschen austauschen", sagte Kroos damals.

FC Liverpool - Real Madrid: Wird Rodrygo zum X-Faktor?

Gekommen war in jenem Spiel beispielsweise Rodrygo, der mit zwei Toren das Ergebnis drehte und für den Finaleinzug sorgte. Kein Torschütze, aber ein belebendes Element war Marco Asensio. Genauso wie Youngster Eduardo Camavinga, der sogar am 1:1 entscheidend beteiligt war. Natürlich wurden beim 3:1 Karim Benzema und Luka Modric zurecht gefeiert, aber die Wechsel hatten fast genauso großen Einfluss.

Es war nicht das erste Mal für Real in dieser Champions-League-Saison, dass das Spiel von der Bank derart beeinflusst wurde. Schon gegen Paris Saint-Germain im Viertelfinale war es wieder Rodrygo, der im Rückspiel reinkam und frischen Wind reinbrachte und unter anderem ein Tor von Benzema vorbereitete. Es waren Spiele von großer Bedeutung, die auch viele Zweifel an den 45 Millionen Euro, die Real für den Brasilianer investierte, beseitigten. Klar, er hatte auch vorher gute Spiele, aber das waren Momente, die bei einem so großen Klub wie Real Madrid Wirkung erzielen.

Selbst der große Pele fühlte sich damals berufen, seinem Nach-Nachfolger beim FC Santos zu gratulieren: "Ich wusste immer, dass der Tag kommen würde, an dem ich dir gratulieren muss, mein Freund." Wahrscheinlich wird Rodrygo am Samstag nicht in der Startelf stehen, aber Ancelotti (und seine vielen Co-Trainer in Stollen) hat die Gewissheit, dass er einen Joker auf der Bank hat, der Einfluss nehmen kann.

Könnte das sogar das Zünglein an der Waage für Real sein? Diese Vermutung hat einer, der beide Mannschaften gut kennt: Rafael Benitez. Er trainierte zwischen 2004 und 2010 den FC Liverpool und wurde mit den Reds 2005 Champions-League-Sieger. Real Madrid dagegen ist sein Stammverein, bei dem er groß geworden ist und 2015/16 ein Intermezzo als Cheftrainer hatte.

FC Liverpool - Real Madrid: Der Vorteil mit den fünf Wechseln

Benitez meint: Die Unterschiede der beiden Bänke könnten "entscheidend" sein, sagte er der AS. "Real Madrid hat Erfahrung im Mittelfeld, die Qualität von Karim Benzema oder Vinicius, aber auch Rodrygo oder Camavinga haben der Mannschaft Energie und Ausgeglichenheit verliehen, wenn sie gespielt haben."

Benitez erklärt die Wichtigkeit der Kadertiefe in Spielen dieser Art: "Der Trainer spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung, bei der Erstellung des Matchplans und bei der Auswahl der am besten geeigneten Mannschaft. Und dann kann er das, was er gut gemacht hat, noch verstärken oder etwas ändern, wenn während des Spiels etwas schiefläuft."

Dass sich seit der Pandemie die Zahl der Spielerwechsel u.a. auch in der Champions League erhöht hat, sieht er als mitentscheidenden Faktor: "Da nun mehr Auswechslungen möglich sind, ist die Qualität auf der Bank entscheidend. Der Vorteil für den Trainer, insbesondere bei großen Mannschaften, ist, dass er gute Wechsel vornehmen kann, wenn er bessere Spieler auf der Bank hat."

Für Jürgen Klopp ist es übrigens auch ein Segen, dass er im Gegensatz zur Liga fünfmal wechseln darf. Ein Streitthema in der Premier League, weswegen er sich auch mit Kollegen wie dem längst entlassenen Sean Dyche angelegt hatte. Ex-Burnley-Coach Dyche war ein erklärter Gegner von fünf Wechseln und brachte das sehr klar zum Ausdruck. Klopp sagte damals: "Ich bin mir nicht sicher, wie viele seiner Spieler Nationalspieler sind und sich ausruhen, wenn unsere Spieler drei Spiele spielen."

FC Liverpool - Real Madrid: Klopp hat an Kadertiefe gewonnen

Wenn Klopps Truppe am Samstagabend das St. Denis betritt, wird es das 63. Pflichtspiel des FC Liverpool in dieser Saison sein. Ein unfassbares Pensum, das ohne Kadertiefe eigentlich nicht möglich ist. Als Klopp zuletzt gegen den FC Southampton seine Startelf auf neun Position veränderte und der LFC dennoch gewann, empfand der Deutsche es als "rührend", weil seine zweite Reihe funktionierte.

"Einfach wow, diese Jungs. Es ist, als hättest du Ferraris in der Garage. Du lässt sie raus und sie machen so was", sagte Klopp. Die Namen, die er damals aufzählte, wie Harvey Elliott, Curtis Jones oder Takumi Minamino haben vielleicht nicht das höchste Champions-League-Format, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Liverpool auch an der Spitze an Tiefe gewonnen hat. Ob Diogo Jota oder Luiz Diaz in der Offensive, Ibrahima Konate in der Abwehr oder Thiago Alcantara haben für mehr Kadertiefe gesorgt und lassen Klopp auch Spielraum, wenn er im Spiel neue Ansätze finden muss.

Klopp sagt: "Was dieses Jahr auch immer passiert, passiert wegen dieser Gruppe." Auch Ancelotti hört man oft seine Kadertiefe loben, seine Spieler aus der zweiten Reihe. So liegt es am Ende des Tages an ihnen, welche Mischung sie finden und wie sie reagieren, wenn es in die Crunchtime geht.

Einer, der beide Teams in seinem Herzen trägt, hat das Finale schon durchgespielt: "Ich vermute, dass viel davon sehen werden, was wir bei der Reise der beiden Mannschaften ins Finale gesehen haben. Ein Real Madrid, das in den entscheidenden Momenten reagiert hat, um die Qualität seiner Spieler auszunutzen. Und ein aggressives Liverpool, das seine Qualität und Intensität durchsetzen will", sagt Rafael Benitez.

Er selbst weiß wie es geht, in Champions-League-Endspielen gut zu wechseln: 2005 brachte er für die verletzten Harry Kewell und Steve Finnan die Joker Vladimir Smicer und Dietmar Hamann. Sie hatten nachhaltigen Einfluss auf eines der größten Comebacks der Fußballgeschichte.

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