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Fussball

RB Salzburg - Matthias Jaissle im Interview: "Es geht um Achtsamkeit oder Empathie - nicht nur um Restverteidigung"

Matthias Jaissle mit Karim Adeyemi

Mit zehn Siegen in Folge in die Liga gestartet, auch in der Champions League noch ungeschlagen: Matthias Jaissle hat einen Traumeinstand als Chefcoach bei RB Salzburg gefeiert. Vor dem Duell mit dem VfL Wolfsburg (18.45 Uhr bei DAZN und im LIVETICKER) spricht der erst 33-Jährige über seinen bemerkenswerten Karriereweg und Topstürmer Karim Adeyemi.

Außerdem erklärt Jaissle, warum sein Mentor Ralf Rangnick alles schon drei Jahre früher wusste, warum er aktuell ein Buch über das Thema Hirnforschung liest und welcher Gegenspieler früher besonders eklig war.

Dazu spricht Jaissle über seine junge Mannschaft und erklärt die Definition einer erfolgreichen Champions-League-Saison.

Herr Jaissle, Karim Adeyemi ist aktuell in aller Munde und steht gefühlt bei allen Topklubs auf dem Zettel. Wie haben Sie seine Entwicklung erlebt, seit Sie sein Trainer in Salzburg sind?

Matthias Jaissle: Karim ist auf einem super Weg, das kann man nicht anders sagen. Er hat sich gerade in den letzten Monaten super entwickelt, auch wenn er natürlich trotzdem noch Luft nach oben und sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat. Ich freue mich, dass er sich so einen Namen macht und jetzt auch wieder bei der Nationalmannschaft dabei war - er hat gezeigt, dass er völlig zurecht in dem Kreis dabei ist. Wenn er weiter so fleißig bleibt und mit der richtigen Einstellung weitermacht, hat er eine große Karriere vor sich.

Es ist für keinen Verteidiger aktuell ein Spaß, gegen Adeyemi spielen zu müssen. Sie waren selbst Verteidiger. Gegen wen war es für Sie eigentlich besonders hart?

Jaissle: Da gab es einige. Spontan muss ich an Mario Gomez, Miroslav Klose oder Edin Dzeko denken, aber ganz besonders hart war es gegen Luca Toni. Gegen ihn zu spielen, war echt eklig. Die Körpergröße, die Cleverness, der Torriecher - Toni war schon eine Nummer.

Jaissle: "Ralf Rangnick wusste alles schon drei Jahre früher"

Wenn man sich Ihre Karriere als Spieler anschaut, ragt natürlich die Zeit in Hoffenheim heraus. Vor allem die Saison 2008/09 mit der Herbstmeisterschaft.

Jaissle: Das war eine geile Zeit. Plötzlich standen Reporter aus der ganzen Welt in diesem kleinen Dorf, das die Fußballwelt durcheinandergewirbelt hat. Das war einzigartig. Ich erinnere mich vor allem an so Highlights wie das Spiel bei den Bayern in der großen Arena zurück, aber auch an viele tolle Heimspiele damals noch in Mannheim. Und vor allem haben wir ja eine Art offensiven Fußball gespielt, der zu der Zeit noch recht neu und besonders war. Es war in jeglicher Hinsicht eine grandiose Phase in meinem Leben und das hatte viel mit Ralf Rangnick zu tun.

Rangnick ist so etwas wie ein Mentor für Sie geworden. Wie kam es dazu?

Jaissle: Ralf Rangnick hat mich mit 18 Jahren vom VfB verpflichtet und ist eine ganz entscheidende Figur für mich geworden. Ich weiß es noch, als ob es gestern gewesen wäre, wie ich beim Abendessen mit ihm saß und er mir aufgemalt hat, was seine Mission ist. Wie er meine Entwicklung sieht, aber auch wie er die Entwicklung des ganzen Projekts sieht. Dass ich Junioren-Nationalspieler werden würde, dass wir mit der Mannschaft in die Bundesliga durchmarschieren und mit unserem Fußball für Furore sorgen würden, das wusste er alles schon drei Jahre früher. Und es ist wirklich alles genauso eingetroffen, wie er es mir skizziert hatte. Das hat mich sehr beeindruckt.

Heißt, Sie profitieren auch jetzt als Trainer sehr von dieser Erfahrung?

Jaissle: Auf jeden Fall. Ralf Rangnick war auch ein Trainer, der die Fähigkeit hatte, aus Mannschaften, gerade aus sehr jungen Mannschaften, das Maximale herauszuholen. Er hat einem die Dinge mit einer maximalen Überzeugung vermittelt, du wusstest als Spieler zu jeder Sekunde, dass er an das glaubt, was er dir sagt. Zu tausend Prozent. Das hat mich natürlich auch beeinflusst für meine heutige Idee vom Fußball und für meine Idee, wie ein Trainer eine Mannschaft führen sollte.

Jaissle: "Scheiße, ich würde auch noch gerne mitkicken"

Während der grandiosen Zeit mit Hoffenheim stand Ihnen eigentlich eine große Karriere bevor, es kam aber anders. Schwere Verletzungen machten Ihnen einen Strich durch die Rechnung. Mit 26 war Schluss.

Jaissle: Es ging mit einem Kreuzbandriss los und hörte dann nie mehr auf. Ich hatte danach immer mit Folgeverletzungen zu kämpfen bis hin zu großen Problemen an der Achillessehne, die ein Karriereende unumgänglich machten. Als mir ein Arzt eines Tages zum ersten Mal ins Gesicht sagte, dass das nichts mehr wird mit meiner Profikarriere, war ich wie vor den Kopf gestoßen. Es war ein Schock. Das war auch die schlimmste Phase, weil es dir den Boden wegzieht. Ich wollte es auch anfangs nicht akzeptieren und ich habe versucht, trotzdem am Ball zu bleiben und am Comeback zu arbeiten. Aber irgendwann musste ich für mich realisieren, dass mein Körper es nicht mehr packt.

Welche Gedanken sind Ihnen zu dem Zeitpunkt gekommen?

Jaissle: Es war hart. Wenn du jeden Tag acht Stunden in der Reha bist, hast du immer noch die Hoffnung und ein Ziel. Aber beides war dann weg. Natürlich denkst du dir: Und jetzt? Was ist jetzt mit dem schönen Karriereplan, den dir dein Berater gemacht hat? Den kannst du zerreißen. Wenn meine Verletzungsgeschichte etwas Gutes hatte, ist es die Erfahrung, die ich meinen Spielern dadurch weitergeben kann. Ich versuche wirklich oft Ihnen zu erklären und es zu betonen, was für einen tollen Job sie haben. Dass sie das wertschätzen und dankbar sein müssen. Ich habe durch meine Geschichte auch hier und da vielleicht einen anderen Zugang. Früher hätte ich jeden, der mir mit dem Spruch "warte ab, wofür es mal gut sein wird" gekommen wäre, weggeschickt, aber jetzt muss ich feststellen, dass doch etwas Wahres dran ist. Trotzdem denke ich mir manchmal noch: Scheiße, ich würde auch noch gerne ein bisschen mitkicken. (lacht)

Wie lange hat es gedauert, bis Ihnen klar wurde, dass Sie Trainer werden wollen?

Jaissle: Mir war zwar schon klar, dass ich gerne im Fußball bleiben will, aber ich war überhaupt nicht darauf fixiert, eine Trainerlaufbahn einzuschlagen. Mir war es erstmal wichtig, die Fußballbranche aus jedem möglichen Blickwinkel kennenzulernen, auch aus der Management-Schiene heraus. Ich wollte das gesamte Business verstehen lernen. Erst als ich durch Ralf Rangnick die Chance hatte, in Leipzig zu hospitieren und meine Anfänge im Trainerbereich zu gehen, hat es sich langsam herauskristallisiert. Ich war Co-Trainer der U16 unter Sebastian Hoeneß und da habe ich für mich gespürt, dass es genau das ist, was ich will. Ich will auf dem Platz stehen und jungen Burschen Dinge an die Hand geben, sie entwickeln. Ich habe gemerkt, dass mich das erfüllt. Also bin ich dabei geblieben.

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