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Fussball

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke exklusiv: "Es gibt keinen Alternativplan zu Erling Haaland"

Von SPOX / DAZN
Hans-Joachim Watzke ist mit der Bundesliga-Saison des BVB unzufrieden.

Hans-Joachim Watzke ist vor dem Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale von Borussia Dortmund bei Manchester City (Di., 21 Uhr live auf DAZN) nicht ohne Hoffnung. Bei DAZN und SPOX sprach der BVB-Geschäftsführer über die Duelle mit Pep Guardiola, die bislang so turbulente Saison der Dortmunder und seine Vertragsverlängerung.

Der 61-Jährige äußerte sich außerdem zu RB Leipzig, den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den BVB sowie zur Zukunft von Erling Haaland und Jadon Sancho.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über ...

... seine Vertragsverlängerung beim BVB bis zum 31. Dezember 2025: Ich hatte schon im Hinterkopf, 2022 aus der Position auszuscheiden, aber jetzt kam dieses Corona-Debakel und das Ende ist nicht mal ansatzweise absehbar. Und wenn ich das ganze Management betrachte, habe ich auch nicht das Gefühl, dass das so schnell zu Ende ist. Jedenfalls gab es einfach den Wunsch des Klubs und meine klare Erkenntnis, dass ich in diesem Moment nicht von der Brücke gehen kann. Dann ging es auch relativ schnell.

... die Auswirkungen der Corona-Pandemie für den BVB: Wir sind relativ stabil. Beim BVB geht es nicht um existenzielle Themen, aber wir wollen den BVB in den nächsten Jahren wieder zu der Stärke bringen, wie es vor Corona der Fall war. Da haben wir noch ein bisschen Arbeit vor uns.

... das Bild, das der BVB 2025 abgeben soll: Wir sind jetzt ein Jahrzehnt lang die zweite Kraft im deutschen Fußball und wollen das aufrechterhalten. Wir werden von den Leipzigern, die das sehr gut machen, sportlich attackiert. Nichtsdestotrotz wollen wir uns den Leipzigern erwehren, auch 2025 noch die zweite Kraft im deutschen Fußball sein, was sich an einer Zeit von zwei, drei, vier, fünf Jahren oder vielleicht noch länger bemisst. Und wir wollen wirtschaftlich wieder dahin kommen, wo wir vorher waren, idealerweise irgendwann wieder komplett schuldenfrei sein, unseren Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze bieten. Wir haben jetzt keinen einzigen in Kurzarbeit geschickt, worauf wir stolz sind. Und wenn bis 2025 ein Titel dabei rauskäme, fänden wir das auch ganz cool.

Watzke über RB Leipzig: "Sie machen es schon sehr gut"

... RB Leipzig: Sie machen es schon sehr gut, haben jetzt speziell in der Corona-Zeit den Vorteil, durch den Background von Herrn Mateschitz eine ganz andere Risikoposition zu haben als wahrscheinlich jeder andere Klub in Deutschland. Wenn Sie sich mal angucken, wie die Vermögensverhältnisse sind, ist das schon cool. Auf der anderen Seite sind wir erlösstärker, der BVB macht deutlich mehr Umsatz. Aber in einer Situation wie jetzt ist es nicht ganz dumm, einen großen Getränkekonzern oder ein großes Automobilwerk hinter dir zu haben. Das hilft, da kannst du ab und zu etwas ruhiger schlafen.

... die Entwicklung des BVB während Watzkes bislang 16 Jahren: Als ich im Februar 2005 gekommen bin, befand sich die Mannschaft in der Auflösung. Wir haben danach erstmal ein paar Jahre gebraucht, bis wir wieder eine richtige Mannschaft hatten. Die richtig guten Spieler wie Tomas Rosicky, Jan Koller oder Ewerthon wollten alle weg und waren auch schnell weg. Wir hatten den Vorteil, dass wir in der Trainerwahl großes Glück hatten und uns mit Jürgen Klopp für den Richtigen entschieden haben. Ansonsten sind wir immer größer und ambitionierter geworden. Wir sind in den letzten zehn Jahren zweimal Meister geworden und fünfmal Vizemeister, wofür du dich mittlerweile ja fast schon entschuldigen musst. Das war vor 16 Jahren völlig anders.

... den BVB-Profi, der es ihm am meisten angetan hat: Einen hervorzuheben, wäre Wahnsinn. Wir haben unfassbar viel Glück mit Transfers gehabt. Wenn ich daran denke, als wir damals diese junge Innenverteidigung mit Mats Hummels und Neven Subotic mit 19 Jahren verpflichtet haben. Da wurde vom Kinderriegel gesprochen. Oder was Marcel Schmelzer, Manni Bender und Robert Lewandowski für eine Entwicklung genommen haben. Dann haben wir Pierre-Emerick Aubameyang und Erling Haaland entdeckt. Es sind so viele. Das hat schon ganz gut funktioniert.

... den Einfluss des künftigen BVB-Trainers Marco Rose darauf, dass Spieler bleiben: Das ist vielleicht noch etwas zu früh, erst einmal müssten sie ihn als Trainer erlebt haben. Aber die Spieler tauschen sich ja viel aus und ich weiß auch, dass unsere Spieler aus Gladbach die letzten Monate sehr viel Positives gehört haben. Demzufolge kann ich mir vorstellen, dass es das Ganze schon ein bisschen befördert.

Watzke: "Es gibt keinen Alternativplan zu Erling Haaland"

... einen möglichen Abgang von Erling Haaland und Alternativpläne: Wir haben keinen Parallelplan. Wir werden das mit Erling, seinem Vater und seinem Berater Mino Raiola in Ruhe besprechen. Wir wollen ja auch, dass er gerne bei uns bleibt, dass er mit Überzeugung nächstes Jahr für den BVB Tore schießt. Es gibt da keinen Alternativplan.

... die Wahrscheinlichkeit, dass Haaland und Jadon Sancho 2021/22 beide beim BVB spielen: Ich lasse mich da nicht auf Wahrscheinlichkeiten ein, es hat keinen Zweck. Jadon Sancho ist deutlich länger bei uns als Erling Haaland. Auch mit Jadon werden wir sprechen müssen. Sollte da ein außergewöhnliches Angebot kommen, dann werden wir das mit dem Spieler und dem Berater diskutieren, wie immer. Nichtsdestotrotz bin ich sehr sicher, dass der Transfermarkt auch in diesem Sommer nur sehr eingeschränkt laufen wird. Gerade bei den ganz großen Klubs sieht man, was Corona für Wunden geschlagen hat - und es sind keine kleinen, die innerhalb von zwei Wochen abheilen.

... die Aussage von Präsident Dr. Reinhard Rauball, wonach die nahe BVB-Zukunft unabhängig von einer Champions-League-Teilnahme durchfinanziert sei: Aufgrund unserer bestehenden Kreditlinien können wir sagen: Egal, was diese und die nächste Spielzeit passiert, wir müssen keinen Kredit beantragen, keine Notverkäufe machen oder Entlassungen vornehmen. Wir haben da keinen Druck, was eine gute Ausgangsposition in der heutigen Zeit ist.

... die laufende Saison in der Bewertung: Wir müssen die drei Wettbewerbe differenzieren. Bundesliga: unzufrieden, keine Frage. DFB-Pokal: bis jetzt sehr zufrieden. Wir sind die letzten drei Jahre immer im Achtelfinale rausgeflogen, jetzt sind wir im Halbfinale. Sollten wir ins Finale kommen und das auch gewinnen, ist der Wettbewerb top gelaufen. In der Champions League haben wir jetzt schon das erreicht, was wir uns als ambitioniertes Ziel gesetzt hatten: zu den besten Acht in Europa gehören. Jetzt haben wir allerdings das Problem, dass ManCity unser Gegner ist. Bayern und City wollte keiner haben, die Lose waren ja total kontaminiert. Da sind wir natürlich in der klaren Außenseiterposition, aber daraus hat der BVB auch oft schon mal was gemacht. Das wird Pep Guardiola auch wissen. Unter normalen Umständen ist das sehr schwer, aber wir sind in der Champions League im Soll. Sollten wir in der Bundesliga die Champions League und das DFB-Pokal-Finale erreichen, können wir dann auch mit dem Champions-League-Viertelfinale von einer guten Saison sprechen. Mit einem Titel am Ende wäre sie erfolgreich.

Watzke: Manchester City? "Es wäre eine Weltsensation"

... Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City: Ich hatte nie das Gefühl, dass unsere Mannschaft besonders demütig ist. Ich denke, dass die Mannschaft sich darauf sehr freut. Es ist eine ganz interessante Konstellation, denn du kannst eigentlich nur gewinnen. Wenn du ausscheidest, sagt jeder, dass es klar war. Wenn du sie aber rausschmeißt, ist es natürlich eine Weltsensation. Demzufolge hast du als Spieler an sowas Spaß. Für uns ist das größere Problem: Dann hast du gegen City gespielt und musst danach nach Stuttgart. Das ist die eigentliche Herausforderung, denn wir können uns in der Bundesliga keine weiteren Misserfolge erlauben. Wenn wir gegen City ausscheiden, denke ich, dass es nicht daran liegen wird, dass wir zu ängstlich spielen und glauben, dass wir überhaupt keine Chance haben.

... Verbesserungspotential bei der Mannschaft: Luft nach oben ist bei uns bei der Konstanz, das ist klar. Wir müssen es schaffen, dass sich die Mannschaft kontinuierlich so unter Feuer setzt, dass wir in der Lage sind, innerhalb von vier Wochen drei Englische Wochen erfolgreich zu bestehen. Das ist der Unterschied zu absoluten Top-Klubs in Europa.

BVB: Die Bundesliga-Platzierungen seit 2010

SaisonPlatzPunkte
2010/11175
2011/12181
2012/13266
2013/14271
2014/15746
2015/16278
2016/17364
2017/18455
2018/19276
2019/20269
2020/215 (7 Spiele offen)43 (21 offen)
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