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Fussball

"Wir können ganz oben mitspielen"

Von Interview: Florian Regelmann
Marica wechselte für 8 Millionen Euro zum VfB. Er ist der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte
© Getty

Als Ciprian Marica im Juli 2007 aus Donezk zum VfB Stuttgart wechselte, schienen die Schwaben eines der größten europäischen Stürmertalente verpflichtet zu haben. Doch die Bilanz ist bislang ernüchternd - in 58 Liga-Spielen hat der Rumäne nur sechs Tore erzielt.

Im SPOX-Interview erklärt der 23-Jährige, warum seine Zeit in Stuttgart noch kommen wird. Außerdem spricht Ciprian Marica über den rumänischen Fußball, seinen Freund Adrian Mutu und seine Abitur-Prüfung.

SPOX: Herr Marica, erstmal noch herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur. Aber erklären Sie mir mal, warum Sie in Englisch besser waren als in Rumänisch?

Ciprian Marica: Das ist ganz einfach zu erklären. Englisch ist kein großes Problem, da musst du ein bisschen was übersetzen, dann passt das. Aber in Rumänisch muss man alles Mögliche wissen. Dann habe ich noch ein Thema bekommen, über das ich nicht viel wusste und dann habe ich wohl ein paar Fehler gemacht (lacht). Aber das heißt nicht, dass mein Englisch besser als mein Rumänisch ist. Ich bin einfach froh, dass ich das Abitur noch nachgemacht habe und ich später studieren kann, wenn ich will.

SPOX: Wenn Sie Ihrer Zeit beim VfB bislang eine Schulnote geben müssten, was würden Sie sich geben?

Marica: Das ist eine schwierige Frage. Befriedigend ist die Situation für mich natürlich nicht. Ich war mit 16 Jahren schon Profi, mit 17 habe ich zum ersten Mal in der Nationalmannschaft gespielt - ich habe immer viele Tore geschossen. Beim VfB hat es leider noch nicht optimal geklappt, aber ich bin noch jung. Ich bin mir sicher, dass ich auch in Stuttgart noch viel erreichen werde. Es liegt an mir, zu zeigen, was ich kann.

SPOX: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass es für Sie noch nicht so gut gelaufen ist?

Marica: Es gibt viele Gründe dafür, aber darüber will ich nicht mehr sprechen. Ich schaue nur nach vorne und ich weiß, was ich kann. Dass ich mich in Stuttgart richtig durchsetze, dauert etwas länger als erhofft, aber das heißt nicht, dass ich aufgebe. Viele Leute fragen mich, wann ich den VfB verlasse. Ich will den VfB nicht verlassen. Ich bin mit meinem Kopf zu hundert Prozent in Stuttgart.

SPOX: Also bereuen Sie Ihren Wechsel nach Stuttgart nicht? Sie hätten auch nach Italien oder England gehen können.

Marica: Das stimmt. Aber ich bereue den Wechsel trotzdem nicht. Ich bereue nichts, was ich in meinem Leben bisher gemacht habe. Ich bin zwar schon zwei Jahre in Stuttgart, aber ich bin davon überzeugt, dass meine Zeit kommen wird.

SPOX: Viele VfB-Fans sind enttäuscht über Ihre Leistungen. Auch weil Sie viel Geld gekostet haben - acht Millionen Euro...

Marica: Ich weiß. Ich verstehe, dass die Fans mich kritisch sehen. Ich kann nur sagen, dass unsere Fans den wahren Ciprian Marica noch nicht gesehen haben und dass ich alles dafür gebe, dass ich bald öfter das Tor treffe.

SPOX: Wie sehr belastet Sie die Situation?

Marica: Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mich nicht unter Druck setzen würde. Ich weiß, dass ich gute Leistungen zeigen muss, aber ich habe auch immer noch genug Selbstvertrauen. In der Nationalmannschaft habe ich bewiesen, dass ich es kann. Es ist wichtig, dass ich weiterhin Spaß am Spiel habe, wenn ich auf dem Platz bin.

SPOX: Im Moment könnte Ihnen der Spaß aber schnell vergehen. Hinter Pogrebnjak, Cacau und Schieber sind Sie aktuell nur Stürmer Nummer vier.

Marica: Ich finde, dass wir vier gute Stürmer haben, die alle ihre Qualitäten haben. Der Trainer muss entscheiden, wer spielt - dann liegt es an uns. Ich freue mich aber genauso über die Tore meiner Sturmpartner. Wenn Julian wie in Frankfurt zweimal trifft, dann gönne ich ihm das. Es geht um den Erfolg der Mannschaft.

SPOX: Der VfB hatte zuletzt eine schwere Phase. Ist die Krise nach dem Sieg in Frankfurt überwunden?

Marica: Raus aus dieser schwierigen Phase sind wir erst, wenn wir auch in der Champions League in Bukarest gewinnen. Wenn wir das schaffen, geht es wieder in die richtige Richtung. Wir haben nach wie vor hohe Ziele.

SPOX: Ist die Mannschaft gut genug, um diese Ziele zu erreichen?

Marica: Auf jeden Fall. Wir haben das Potenzial, um ganz oben mitzuspielen. Wir Spieler glauben weiter an unsere Stärke und wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen können. In der letzten Saison haben wir das schon bewiesen, als wir uns auf Rang drei nach vorne gespielt haben.

SPOX: Sie haben das Champions-League-Spiel schon angesprochen. Wie stark ist Unirea Urziceni?

Marica: Ich schaue mir immer die Spiele der rumänischen Liga an und kann sagen, dass es keine schlechte Mannschaft ist. Sie haben mit Dan Petrescu vor allem einen sehr guten Trainer. Ich würde sagen, dass der Trainer ihre größte Stärke ist. Aber ich sage Ihnen auch eines.

SPOX: Bitte.

Marica: Ich will gar nicht viel über Unirea reden. Wir haben mehr Qualität als sie und wir müssen das Spiel gewinnen.

SPOX: Eine Frage hätte ich zu Unirea aber noch. Der Verein war 50 Jahre in der Amateurklasse. Wie kann es sein, dass so ein Verein plötzlich große Erfolge feiert und beispielsweise Steaua Bukarest überflügelt hat?

Marica: Die Erklärung ist eine ähnliche wie bei Hoffenheim in der Bundesliga. Urziceni ist eine kleine Stadt in der Nähe von Bukarest - irgendwann ist ein Mäzen (Dumitru Bucsaru, Anm. d. Red.) gekommen, hat den Verein gekauft und eine Menge Geld investiert. Jetzt sind sie Meister. Urziceni ist das Hoffenheim Rumäniens.

SPOX: Sie sind schon in sehr jungen Jahren ins Ausland gegangen. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen?

Marica: Es war am Anfang eine sehr schwierige Zeit für mich in der Ukraine. Wenn man mit 18 Jahren allein im Ausland und ganz auf sich allein gestellt ist, weit weg von der Familie, dann ist das erstmal hart. Aber ich habe in dieser Phase sehr viel gelernt und möchte die Zeit nicht missen. Es hat meiner Entwicklung gut getan.

SPOX: Sie sind wie viele Jungs in Rumänien durch die früher so starke rumänische Nationalmannschaft zum Fußball gekommen. Was haben Sie für Erinnerungen an Hagi und Co.?

Marica: Die rumänische Nationalmannschaft hat mich sehr begeistert damals. Hagi war der Größte, aber auch Popescu war ein Wahnsinns-Spieler, der es sogar zum Kapitän beim FC Barcelona schaffte. Jeder Junge in Rumänien wollte ihnen nacheifern und eine ähnliche Karriere starten.

SPOX: In der WM-Quali sieht es leider ganz bitter für Rumänien aus. Was ist los?

Marica: Das ist in der Tat sehr bitter für uns. Wir haben vor allem sehr viele Punkte zu Hause verloren, beispielsweise gegen Litauen oder Österreich. Wenn du solche Spiele nicht gewinnst, dann reicht es eben nicht. Aber wir haben mit Razvan Lucescu einen neuen jungen Trainer, der eine neue Mentalität in die Mannschaft gebracht hat. Ich hoffe, dass wir in Richtung EM 2012 wieder eine gute Mannschaft haben werden. Bei der WM im nächsten Jahr drücke ich natürlich dann euch Deutschen die Daumen.

SPOX: Einen guten Sturm hat Rumänien ja. Mutu/Marica.

Marica: (lacht). Ich verstehe mich mit Adrian Mutu wirklich sehr gut. Er ist ein guter Freund von mir. Wir telefonieren oft und tauschen uns aus, wie es bei unseren Vereinen läuft. Zdravko Kuzmanovic ist auch ein guter Freund von Adrian, zu ihm habe ich auch einen sehr guten Kontakt, seitdem er aus Florenz zu uns gekommen ist.

SPOX: Letzte Frage: Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal über sich lesen?

Marica: Ich hätte jetzt schon einige im Kopf, aber ich will bescheiden bleiben und behalte das lieber für mich.

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