Fussball

1. FC Union Berlin - Hertha BSC 1:0: Später Elfmeter entscheidet erstes Berliner Stadtderby

Von Max Schrader
Sebastian Polter erzielte das entscheidende Tor für Union Berlin.
© getty

Der 1. FC Union Berlin hat das Berliner Derby der Bundesliga-Geschichte am 10. Spieltag gegen Hertha BSC mit 1:0 (0:0) für sich entschieden. Dabei musste die Partie aufgrund von Pyro-Chaoten für mehrere Minuten unterbrochen werden. Am Ende verhalf den Eisernen ein später Foulelfmeter zum Sieg.

Pyrotechnik, Raketen auf dem Rasen, dazu eine gerade noch verhinderte weitere Eskalation nach Abpfiff: Die "Berliner Stadtmeisterschaft" geriet zum Skandalspiel.

"Ich verstehe die Emotionen, aber das geht über die Grenzen hinaus", sagte Hertha-Coach Ante Covic bei Sky über die Randale: "Das darf nicht sein. Der Sport muss nach wie vor im Vordergrund bleiben." Union-Trainer Urs Fischer erklärte, er habe versucht, einer Leuchtrakete in seine Richtung auszuweichen: "Der Schiedsrichter hat seinen Teil dazu beigetragen, dass es ohne Zwischenfälle ablief."

Referee Deniz Aytekin erklärte nach Abpfiff, dass er die Partie "in Kontakt mit der Polizei" zu Ende gebracht habe: "Das Wichtigste ist, dass keiner verletzt wurde." Oberste Priorität sei es gewesen, "das Spiel nach Hause zu bringen": "Es ging mir um die Sicherheit der Spieler und der Verantwortlichen, weil auch eine Rakete Richtung Union-Trainerbank kam. Wir wollten eine Lösung finden, das habe ich dann auch nochmal kommuniziert."

In der Tabelle sind die Eisernen dank des Siegtreffers von Sebastian Polter jetzt vorerst 13., können am Sonntag aber noch vom Sieger des Rheinderbys zwischen Köln und Düsseldorf überholt werden. Die Hertha hat elf Punkte und damit einen Zähler mehr auf dem Konto als die Eisernen.

Union Berlin vs. Hertha BSC: Die Analyse

Im Vergleich zum Pokal-Spiel in Freiburg wechselte Union-Coach Urs Fischer auf fünf Positionen. Friedrich, Andersson, Bülter, Gentner und Kapitän Trimmel kamen für Parensen, Ujah, Mees, Schmiedebach und Ryerson in die Anfangsformation. Gäste Trainer Ante Covic nahm zur Pokal-Partie gegen Dynamo Dresden sogar sechs Wechsel vor. Jarstein, Boyata, Skjelbred, Mittelstädt, Ibisevic und Klünter ersetzten Kraft, Rekik, Plattenhardt, Duda, Darida und Kalou in der Startelf.

Die Anfangsphase ging an Union. Bereits nach drei Minuten wurde es zum ersten Mal vor dem Herthaner Tor brenzlich, Lenz traf den Pfosten, auch Ingavartsen hatte eine gute Gelegenheit. Danach kam Hertha besser ins Spiel: Vor allem Grujic versuchte immer wieder, das Spiel anzukurbeln. Durch das kompakte Verschieben der Eisernen ergaben sich Räume für Wolf und Dilrosun. Über die linke Seite kam Hertha so zur ersten Chancen (14.), als Lukebakio frei zum Kopfball kam.

Die Hertha stand sehr tief und überließ den Hausherren den Ballbesitz. Die Mannschaft von Urs Fischer verlagerte ihrerseits gut, ließ aber die Torgefahr vermissen. Hertha dagegen hatte Probleme mit den früh angreifenden Hausherren, Boyata und Stark konnten sich oft nur mit langen Bällen befreien. Dazu unterbrachen viele Zweikämpfe im Mittelfeld den Spielfluss. Erst in der 36. Minute kam Hertha durch einen Kopfball von Grujic wieder zu einer Chance.

Zum Seitenwechsel wechselten beide Trainer einmal: Löwen ersetzte Skjelbred, Mees kam für Bülter in die Partie. Kurz nach der Pause musste das Spiel für mehrere Minuten unterbrochen werden, weil aus dem Herthaner Block Feuerwerkskörper aufs Spielfeld flogen und abbrennende Pyrotechnik aus beiden Lagern für dichte Rauchschwaden sorgte. Referee Aytekin schickte die Spieler zwischenzeitlich in die Kabine.

Nach der Spielunterbrechung war Union wieder sehr engagiert, doch wie zuvor spielten die Köpenicker ihre Angriffe nicht genau genug aus. Hertha schaffte es langsam, mehr Kontrolle zu übernehmen. Besonders über den schnellen Lukebakio ging bei Hertha viel. Doch auch wie bei Union war der letzte Pass zu ungenau.

Hertha stellte weiter zu, sodass die Hausherren nicht spielerisch zu Möglichkeiten kamen, lediglich aus der zweiten Reihe wurden Schüssen abgegeben. Am Ende entschied der Strafstoß das Spiel: Boyata rauschte im eigenen Sechzehner in Gentner, nach Ansicht der TV-Bilder entschied Aytekin auf Elfmeter.

Auch nach Abpfiff waren Teile beider Fanlager nicht zu beruhigen: Während weiter Raketen aus dem Hertha-Block auf den Rasen flogen, gingen mehrere Union-Spieler in die eigene Kurve, um vermummte Anhänger davon abzubringen, den Platz zu stürmen.

Die Daten des Spiels 1. FC Union Berlin gegen Hertha BSC

Tor: 1:0 Sebastian Polter (90.)
Bes. Vorkommnis: Schiedsrichter Aytekin musste das Spiel unterbrechen, da aus dem Herthaner Block Feuerwerkskörper aufs Spielfeld flogen.

  • Erstmals seit der Saison 1976/77 fand wieder ein Berliner Derby in der Bundesliga statt. Damals spielte die Hertha gegen Tennis Borussia, beide gewannen ihr Heimspiel jeweils mit 2:0.
  • Neun der zehn Punkte in dieser Bundesliga-Saison holte Union Berlin zu Hause, zudem gelangen sieben der neun Saisontore im eigenen Stadion.

Der Star des Spiels: Marko Grujic (Hertha BSC)

Der Dreh-und Angelpunkt in der Hertha-Offensive. Extrem ruhig am Ball und mit gutem Auge. Grujic war es auch, der in der 36. Minute mit einem Kopfball für Gefahr sorgte. In der zweiten Halbzeit wurde er zwar besser zugestellt, gab aber dennoch weiter den Takt an. Der Serbe bestritt die meisten Zweikämpfe im Spiel.

Der Flop des Spiels: Marius Bülter (1. FC Union Berlin)

Unauffälliger Auftritt des Linksaußen, der gegen Klünter nicht zum Zuge kam. Gewann keinen seinen vier Zweikämpfe. Wurde daher folgerichtig zur Halbzeit ausgewechselt.

Der Schiedsrichter: Deniz Aytekin

Wie immer eine sehr ruhige und souveräne Spielleitung. Andrich hätte für sein Foul an Grujic (12.) Gelb sehen können. Richtig war es, das Spiel aufgrund der Chaoten im Hertha-Fanblock zu unterbrechen. Richtig war es ebenfalls, auf Elfmeter zu entscheiden: Boyata kam klar zu spät und traf mit seiner Grätsche Gentner, auch wenn dessen Abschluss nicht mehr beeinträchtigt wurde.

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