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Fussball

Julian Nagelsmanns Trainerteam beim FC Bayern München: Fragezeichen und Kinder der Berge

Mit Benjamin Glück (34) und Timmo Hardung (31) folgen Julian Nagelsmann (33) zwei Assistenten von RB Leipzig zum FC Bayern München. Wer sind sie? Und was passiert mit Hansi Flicks bisherigem Trainerteam?

Als sich Jupp Heynckes im Oktober 2017 von seinen Kumpels Uli und Kalle zu einem "Freundschaftsdienst" überreden ließ, stellte er eine Bedingung an die beiden Bosse des damals strauchelnden Rekordmeisters: Er rettet den FC Bayern nur, wenn er das gemeinsam mit seinem Lieblingsassistenten Peter Hermann machen darf. Das Problem: Dieser stand damals bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag.

Der FC Bayern bezahlte für Hermann also die Co-Trainer-Weltrekord-Ablösesumme von zwei Millionen Euro, das Duo nahm die Arbeit auf und führte die von Carlo Ancelotti hinterlassene Mannschaft zum Meistertitel. Dreieinhalb Jahre später stellte der FC Bayern dann auch die Cheftrainer-Weltrekord-Ablösesumme auf und verpflichtete - für 20, 25 oder wie viele Millionen auch immer - Julian Nagelsmann von RB Leipzig.

In diesen Preis inkludiert sind aber immerhin gleich zwei Assistenten: Videoanalyst Benjamin Glück und Teammanager Timmo Hardung. Je nachdem welchen Anteil sie in der Gesamt-Ablösesumme ausmachen, haben sie Hermanns Weltrekord vielleicht sogar gebrochen, ohne dass es irgendjemand mitbekommen hat. Genau wie Heynckes und Hermann zuvor jahrelang zusammengearbeitet haben, sind auch Nagelsmann, Glück und Hardung ein eingespieltes Team.

Wie Nagelsmann, Hardung und Glück zusammenfanden

Mit jeweils Mitte 20 trudelten sie einst nacheinander bei der TSG Hoffenheim ein und übernahmen zunächst unterschiedliche Aufgaben im Nachwuchsbereich. Der gebürtige Heidelberger Hardung sammelte während seines BWL-Studiums erste Erfahrungen als Co-Trainer der U14 und U15, ehe er 2015 zum Teammanager der Profis aufstieg.

Dort übernahm kurz darauf der vormalige U19-Trainer Nagelsmann das Amt des Cheftrainers. An seiner Seite als Videoanalyst schon damals: Benjamin Glück. Er stammt wie Nagelsmann aus Oberbayern - genauer: dem Dorf Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen - und war recht zufällig in Hoffenheim gelandet.

Als Sportstudent musste er ein Praktikum bei einem Klub absolvieren, sein in der Nähe von Sinsheim lebender Onkel schlug die TSG vor. "Das hat tatsächlich geklappt und ich habe mir fünf Wochen angeschaut, wie im Nachwuchsleistungszentrum gearbeitet wird", erzählte Glück 2019 im Interview mit SPOX und Goal. "Damals habe ich aber im Vergleich zu heute wenig Videoanalyse betrieben, sondern eher Bälle aufgepumpt oder Garagen aufgeräumt."

Glück blieb mit dem damaligen NLZ-Leiter und heutigen Direktor Profifußball Alexander Rosen in Kontakt und kehrte nach seinem abgeschlossenen Studium für ein weiteres Praktikum zurück, diesmal in der Abteilung Scouting und Spielanalyse bei den Profis. Anschließend bekam er eine Festanstellung als Videoanalyst bei Nagelsmanns U19, später stieg er mit ihm zu den Profis auf. Da waren aus Kollegen längst Freunde geworden.

Nagelsmann und Glück: "Wir sind Kinder der Berge"

"Wir kommen beide aus Bayern, sind Kinder der Berge, im gleichen Alter und haben viele gemeinsame Interessen und Hobbys", sagt Glück. "Zusätzlich sind wir beide ähnlich verrückt und haben recht schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind." Überstanden hat die Freundschaft sogar ein Vorfall, bei dem Nagelsmann Glück krankenhausreif verletzte.

Passiert ist es bei einem Trainingsspiel 2019, gemeinsam mit Hardung waren die beiden da schon zu RB Leipzig weitergezogen. Nagelsmann traf seinen Assistenten so unglücklich mit dem Ball, dass dieser eine Quetschung des sogenannten Vagus-Nervs erlitt und im Krankenhaus behandelt werden musste. Die Verletzung sei laut Nagelsmann durch einen "sehr harten Schuss von mir entstanden, den er mit dem falschen Körperteil geblockt hat: mit dem Hals und Gesicht statt mit dem Fuß. Dann ging's ihm nicht mehr so gut." Mittlerweile scheinen aber alle Verletzungen wieder verheilt zu sein.

Im Alltag kümmert sich Glück bei Leipzig hauptsächlich um Videoanalysen, stellt Clips zur Vor- und Nachbereitung der Spiele und auch zur Präsentation in den Halbzeitpausen zusammen. Er gilt als innovativ, experimentierte bei seiner Arbeit bereits mit Drohnen und Virtual Reality. Hardung übernimmt als Teammanager unterdessen hauptsächlich Planungsaufgaben.

Ähnlich werden ihre Betätigungsfelder auch beim FC Bayern aussehen, wohin dem Trio womöglich auch noch Co-Trainer Moritz Volz (einst Spieler von 1860 München, seit 2019 an Nagelsmanns Seite) folgt und wo die Zukunft von Hansi Flicks aktuellem Trainerteam noch unklar ist. Es gibt einige Fragezeichen.

FC Bayern München: Die Zukunft von Hansi Flicks Trainerteam

Beschlossene Sache ist bisher nur der Abgang von Flick selbst, der vermutlich Joachim Löw als Bundestrainer beerben wird. In diesem Fall ist es denkbar, dass ihm seine bisherigen Co-Trainer Danny Röhl (32) und Miroslav Klose (42), der bereits von 2016 bis 2018 für den DFB arbeitete, folgen. Während Röhls Vertrag beim FC Bayern noch bis 2023 läuft, endet Kloses Kontrakt in diesem Sommer.

Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung wurden noch nicht geführt. Genau wie Flick und die derzeit schwanger pausierende Teammanagerin Kathleen Krüger (35) soll auch er Differenzen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic haben. "Was mich wirklich nachdenklich macht, ist, wie hier gerade miteinander kommuniziert wird", klagte Klose neulich in der Bild.

Dem FC Bayern erhalten bleiben wird dagegen aller Voraussicht nach Klubikone Hermann Gerland (66): als Co-Trainer der Profis, als Campus-Mitarbeiter oder einfach nur als Tiger. Zu rechnen ist auch mit einem Verbleib von Fitnesschef Holger Broich sowie von Torwarttrainer Toni Tapalovic (40), der nicht nur wegen derselben Geburtsstadt Gelsenkirchen als großer Vertrauter von Kapitän Manuel Neuer gilt.

Das Trio arbeitete bereits vor Flicks Ankunft für den FC Bayern und hat in all den Jahren etliche Cheftrainer kommen und gehen sehen: Unter anderem Jupp Heynckes mit seinem Lieblingsassistenten Peter Hermann, der den Klub 2019 rund eindreiviertel Jahre nach seinem Zwei-Millionen-Wechsel ablösefrei wieder verließ.

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