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Fussball

FC Bayern München: Initiator der Anti-Salihamidzic-Petition spricht im Interview über die Hintergründe

Von Stanislav Schupp
Hasan Salihamidzic steht bei den Fans des FC Bayern München stark in der Kritik.

Die Petition gegen Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic sorgte jüngst für Aufsehen. Nun spricht der Initiator über die Hintergründe der Bewegung.

Der Konflikt zwischen Hasan Salihamidzic und Hansi Flick schlägt in der Fanszene weiter hohe Wellen. Nun sah sich auch die Familie des Bayern-Sportvorstands zahlreichen Hasskommentare in den sozialen Netzwerken ausgesetzt. Während Sohn Nick auf Instagram reagierte und forderte, den Hass zu stoppen, sprach Präsident Herbert Hainer von einer "Hetze" und veruteilte die Äußerungen aufs Schärfste.

Bereits Ende März gründeten Anhänger der Münchner die Gruppierung "Pro Hansi Flick, Brazzo raus!" und starteten eine Petition für den sofortigen Rücktritt Salihamidzics.

Im Gespräch mit SPOX und Goal äußert sich Michael Frohsz, Sprecher der Gruppierung, zu den Anfeindungen gegen die Familie des früheren FCB-Profis sowie zu den Zielen der Organisation.

Außerdem richtet er einen Appell an den deutschen Rekordmeister und bezieht Stellung zum öffentlichen Umgang mit Flick sowie den Aussagen von Hainer.

Initiator der Anti-Salihamidzic-Petition erklärt die Hintergründe

Herr Frohsz, in Ihrer Petition heißt es, die Organisation "missbilligt die schädlichen Handlungen des Vorstandes, insbesondere Herrn Hasan Salihamidzic, bezogen auf die Zusammenarbeit mit Herrn Flick". Welche Handlungen meinen Sie damit konkret?

Michael Frohsz: Damit sind öffentliche Statements und Handlungen von Salihamidzic gemeint. Der größte Fauxpas war die Art und Weise, wie das Ende der Zusammenarbeit mit Jerome Boateng kommuniziert wurde. Dies in Form eines Alleingangs und zu diesem sensiblen Zeitpunkt derart in der Öffentlichkeit zu äußern, ist nicht tolerierbar. Das war nicht die erste öffentliche Provokation gegenüber dem Trainer, erneut ließ der Verein dies unkommentiert zu. Als Fans hatten wir nie das Gefühl, dass der Vorstand hinter dem Trainer steht und um ihn kämpft. Flick hat sicherlich nicht immer fehlerfrei gehandelt, dennoch ist die Art und Weise, wie hier gegen den Trainer gearbeitet wurde zu missbilligen.

Zuletzt sah sich Salihamidzcis Familie zahlreichen Hasskommentaren ausgesetzt. Sehen Sie Ihre Petition als mögliche Initialzündung für Angriffe dieser Art?

Frohsz: Natürlich mache ich mir als Initiator dieser Petition Gedanken darüber, was die Menschen antreibt, so weit zu gehen, allerdings können wir nicht die Verantwortung für sämtliche Leute im Netz übernehmen. Wir distanzieren uns ganz klar von jeglicher Art von Hasskommentaren und persönlichen Anfeindungen. In unserer Facebookgruppe und der Petition wird jede Beleidigung umgehend gelöscht und strafrechtlich verfolgt. Da mittlerweile publik wurde, dass es bei uns viele Menschen mit Migrationshintergrund gibt, haben wir selbst viele Drohungen und rassistische Anfeindungen erhalten. Leider ist dies mittlerweile sehr in Mode. Salihamidzic war ein sehr guter Spieler und hat mit dem Verein viel erreicht, für uns war er eines der größten Vorbilder beim FC Bayern. Deswegen würden wir uns nie erlauben, Anfeindungen gegen ihn auszusprechen. Bei unserer Petition geht es ausschließlich um das Amt des Sportvorstandes, niemals um den Menschen.

Gespräch mit FC Bayern? "Es geht um das Wohl aller"

Spielen Sie mit dem Gedanken, die Petition zurückzuziehen, sollten bestimmte Grenzen überschritten werden?

Frohsz: Eher nicht, da wir keineswegs Antreiber dieser schäbigen Aktionen gegen Salihamidzic und seine Familie sind. Wie Hainer bereits verlauten ließ, ist "sachliche Kritik selbstverständlich immer zulässig". Hinter jeder Unterschrift der Petition steht ein Fan des FC Bayern der mit der Arbeit - und ausschließlich der Arbeit - des aktuellen Sportvorstandes unzufrieden ist. Wir müssen aufpassen, dass wir das Recht der freien Meinungsäußerung in unserer Demokratie nicht beschneiden. Da wir im Netz sehr präsent sind, werden wir entschlossen gegen jene vorgehen, die die sachliche Debatte um den Sportvorstand missbrauchen, um Beleidigungen und Anfeindungen gegenüber Salihamidzic und dessen Familie zu rechtfertigen.

Welches Ziel verfolgen Sie in naher Zukunft?

Frohsz: Da wir derzeit unsere Meinung nicht im Stadion kundtun können, mussten wir auf anderem Weg Gehör beim Verein finden. Unser Ziel ist es, ein konstruktives Gespräch zwischen Mitgliedern und Vereinsführung zu führen, bei der über das Amt des Sportvorstands abgestimmt wird. Wir möchten, dass der Verein die Stimmen der Fans wahrnimmt und sich der geäußerten Kritik annimmt. Wir hoffen, dass der Verein in nächster Zeit auf uns zukommt. Wir kämpfen für die Zukunft des Vereins und lassen nichts unversucht, damit sie in die richtige Richtung geht. Allerdings gibt es bislang keine Reaktion von Seiten des Vereins. Wir Fans sind diejenigen, die den Verein durch Merchandise und Stadionbesuche finanziell unterstützen. Seit dem Abgang von Matthias Sammer sind die Kommunikation nach außen und der Zusammenhalt stark verloren gegangen. Uns fehlt das "Mia san mia"-Gefühl, was vom Verein vorgegeben wird und sich immer mehr zum Werbeslogan statt zum Identitätsnachweis entwickelt.

Flick selbst hat sich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz klar hinter Salihamidzic gestellt. Haben Sie sich in Ihrer Zielsetzung ein zeitliches Limit gesetzt?

Frohsz: Wir haben uns vorgenommen, so lange weiterzumachen, bis der Verein Gesprächsbereitschaft signalisiert, egal, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt. Wir haben gute Nerven und viel Ausdauer. Wenn am Ende die Mehrheit der Mitglieder für eine weitere Zusammenarbeit mit Salihamidzic als Sportvorstand stimmt, werden wir das gerne akzeptieren.

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