Kommentar zum BVB: Der Rücktritt von Edin Terzic kommt für alle genau richtig

Von Justin Kraft
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Edin Terzic ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Die Entscheidung kommt eigentlich zu spät - und trotzdem könnte der Zeitpunkt für alle Beteiligten kaum besser sein. Ein Kommentar.

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Als Nuri Sahin und Sven Bender im Winter als Co-Trainer zu Borussia Dortmund dazu kamen, wirkte das Handeln des BVB wie eine Notlösung. In der Bundesliga stand man nach 16 Spieltagen mit 27 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz - mit weniger Siegen auf dem Konto als Unentschieden und Niederlagen (6/3).

In der Mannschaft machten sich erste, schwergewichtige Stimmen breit, die Edin Terzic in Zweifel zogen. Die offensivste Stimme: Jene von Mats Hummels. Wie er jüngst selbst erklärte, wurde er im Trainerbüro vorstellig, um die defensive Spielweise zu hinterfragen. Laut verschiedenen Medien sollen auch andere Führungsspieler wie Marco Reus auf seiner Seite gewesen sein.

Eine Situation, die Trainern häufig den Job kostet. Die berühmte Phrase, dass der Coach die Kabine verloren habe, findet dann ihre Anwendung. Beim BVB entschied man sich für den zweiten Weg, der ebenfalls sehr beliebt ist: Veränderungen im Trainerteam, ohne den Chefsessel anzurühren. Mit durchwachsenem Erfolg.

Dortmunds Bundesliga-Saison blieb schwach. Retrospektiv könnte man also zu Recht sagen, dass man sich viel zu spät auf ein Ende der Zusammenarbeit geeinigt hat. Unter Terzic gab es keine spürbare Weiterentwicklung im fußballerischen Bereich.

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BVB wankte unter Edin Terzic, weil ein klar erkennbares Konzept fehlte

Dortmund wankte in seiner gesamten Amtszeit immer wieder zwischen Phasen, in denen das Spielglück und die individuelle Klasse des Teams zu guten Ergebnissen geführt haben und Phasen, in denen gut organisierte Gegner mehrfach offenbart haben, was Dortmund fehlt: Ein klar erkennbares Konzept.

Vermutlich hätte man im Winter aus sportlichen Gründen einen Schlussstrich ziehen müssen, um sich in der Rückrunde neu aufzustellen und die Probleme angehen zu können. Es wäre zu diesem Zeitpunkt die konsequenteste Entscheidung gewesen, womöglich sogar einfach die richtige. Doch im Sport und im Fußball gibt es so viele Zufallselemente, dass Rationalität und Konsequenz nicht immer zum besten Verlauf führen.

Es gibt keine alternative Zeitleiste, auf der man überprüfen kann, wie es ohne Terzic in der Rückrunde gelaufen wäre. Klar ist: Die Borussia hat die Mindestziele erreicht und sich in der Champions League bis ins Finale gekämpft, um dort gegen das beste Team der Welt höchst unglücklich zu verlieren.

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BVB vermeidet bei Edin Terzic den größtmöglichen Fehler

Dadurch entstand eine Situation, in der der BVB geneigt zu sein schien, den größtmöglichen Fehler zu machen: Die Dinge einfach weiterlaufen zu lassen. Doch stattdessen hat man die Kurve jetzt bekommen und gemeinsam eine schwierige, aber vollkommen richtige Entscheidung getroffen.

Paradoxerweise zu einem jetzt noch richtigeren Zeitpunkt als dem eigentlich richtigen Zeitpunkt im Winter. In der Champions League gewann der BVB reihenweise Spiele, in denen die Chancenverteilung eigentlich für den Gegner sprach. In der Bundesliga mühte man sich zu einem fünften Platz, der durch den Erfolg der deutschen Mannschaften international zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.

Mit einer Mischung aus Spielglück, dadurch gesteigertem Selbstvertrauen und dem Gefühl, das die Champions League im Team entfachte, entstand eine Ausnahmesituation. Eine Dynamik, die Dortmund durch das Saisonfinale getragen hat.

Umso wichtiger war es, nach der Euphorie realistisch auf die letzten Monate und Jahre zu blicken. Nachdem man die sportliche Führung rund um Lars Ricken aufgestellt hatte, ist es nun der logische Schritt, auch auf der Trainerposition einen Neuanfang zu starten.

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BVB hat eine sehr erwachsene Entscheidung getroffen

Der BVB unterstreicht mit dieser Entscheidung, dass er Ambitionen hat und dass diese wechselhafte wie auch wirre Saison nicht ausreicht. Gleichzeitig gelingt es dem Klub, den Konflikt zwischen Champions-League-Euphorie und realistischer Selbsteinschätzung so zu lösen, dass alle Parteien gesichtswahrend aus der Nummer herauskommen.

Terzic konnte nach außen hin selbst bestimmt gehen. Es ist davon die Rede, dass er den Rücktritt angeboten habe. Sicherlich wird er das getan haben, weil ihm in Gesprächen klar geworden ist, wohin die Reise alternativ gehen könnte. Er geht aber als Champions-League-Finalist. Ein deutlich würdigerer Abschied als er es noch im Winter gewesen wäre.

Es dürfte auch kein Zufall sein, dass Nuri Sahin überspitzt formuliert in jedem zweiten Interview seine Ambitionen dargestellt hat, BVB-Trainer zu werden. Noch ist unklar, wer auf Terzic folgt. Doch Sahin war beim Meeting am Donnerstag dabei und ist die naheliegendste Option.

So oder so: Borussia Dortmund hat eine sehr erwachsene und rationale Entscheidung getroffen. Eine, die unter Watzke zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. Es scheint aber, als würde unter Ricken nun ein anderer Wind wehen. Genau das, was der über viele Jahre viel zu ambitionslose BVB gebraucht hat.

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BVB: Die Statistiken von Edin Terzic als Cheftrainer von Borussia Dortmund

WettbewerbSpieleSiegeUnentschiedenNiederlagen
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DFB-Pokal1210-2
Champions League251177
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