BVB: Marco Reus verpasst Meisterschaft - eine Welt ohne Farbe

SID
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© getty

Marco Reus steht als Sinnbild für das Scheitern des BVB im Angesicht des greifbaren Titels. Sein Leiden hat eine besondere Tragik.

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Marco Reus weinte und weinte. Er weinte in der Nähe des Mittelkreises, als der grausame Abpfiff seine Träume zerriss, er weinte später in sein Trikot, vor der Südtribüne, die sich voller Empathie um Trost bemühte - und er weinte in den Armen von Mahmoud Dahoud, der ihn schließlich vom Platz in jenes kalte Trauerzimmer führte, das die Kabine war.

Inmitten des Meister-Kollapses von Borussia Dortmund hatte das Leiden des Kapitäns noch mal eine herausragende Tragik. Es sollte doch sein Tag werden! Endlich, nachdem er viele Jahre lang dieser vermaledeiten Meisterschale hinterhergejagt war. Seine Vollendung, seine Party auf dem Borsigplatz. Das Ende des Geredes.

Es wurde nichts daraus. "Was wir alle gerade spüren, ist nicht zu beschreiben. Das ist eine riesige Leere", sagte Sportdirektor Sebastian Kehl, der als einer von wenigen überhaupt schon fähig war, seinen Schmerz zu artikulieren. Reus hingegen war weg, weg, nur weg. Er redete nicht, wie fast alle Spieler, ihm war auch noch nicht nach den leblosen Worthülsen von Instagram-Durchhalteparolen der Marke "stärker zurückkommen".

Borussia Dortmund, das hat er vorab gesagt, sei für ihn das ein und alles: "Heimat. Verbundenheit. Das Leben." Er ist Dortmunder durch und durch, im Stadtteil Körne aufgewachsen. Seine Eltern wohnen in Wickede, er spielte beim Postsportverein an der Lissaboner Allee und mit sechs Jahren für den BVB: Auf einem Foto als Bub zieht er sich die Hose fast bis zu den Brustwarzen hoch. Doch in der U17 wurde er aussortiert: zu schmächtig, zu klein.

Marco Reus beim BVB: "Dachte: 'Wow, du hast noch so viel Zeit'"

Umso prachtvoller wollte er nach dem Umweg über Rot Weiss Ahlen und Mönchengladbach, der Rückkehr nach Dortmund und zehn Jahren quälender Bayern-Dominanz ein finales "Feuerwerk abbrennen". In einem Moment, in dem er trotz Kapitänsbinde mit fast 34 Jahren kein Stammspieler mehr ist. Er hatte sich alles ausgemalt: Und dann das.

In der Stille nach dem Abpfiff schien aus der Welt des Marco Reus die Farbe gewichen. Er war nach vielen bitteren Rückschlägen in seiner Karriere auch noch das Sinnbild des BVB-Scheiterns im Angesicht des Titels geworden. Am Sonntag, sagte Kehl, wollten sie sich "alle noch einmal in den Arm nehmen".

Marco Reus kann das wohl gebrauchen. "Ich habe Bilder vor Augen, als ich Anfang 20 war und dachte: Wow, du hast noch so viel Zeit", hat er in einem YouTube-Format nach seiner erneuten Vertragsverlängerung vor einigen Wochen gesagt. "Aber die Zeit, die fliegt." Es war prophetisch.

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