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Fussball

Erkenntnisse zum Relegationshinspiel: HSV reif für die Bundesliga - Herthas Heldenfußball fehlen Helden

Von Justin Kraft
Hertha, Magath

Der Hamburger SV gewinnt bei Hertha BSC mit 1:0. Felix Magath zeigt sich dennoch zufrieden - doch warum eigentlich? Während sein Team Heldenfußball ohne Helden zeigt, präsentiert sich der HSV in Bundesliga-Form. Die Erkenntnisse aus dem Hinspiel der Relegation.

"Wir sind aufgetreten wie ein Bundesligist", analysierte Magath nach 90 Minuten Relegationsfußball bei Sky. Wenn er damit die Fans meinte, hatte er wohl recht. Die Kulisse mit 75.500 Zuschauerinnen und Zuschauern, darunter auch um die 20.000 HSV-Fans, war sogar Champions-League-reif. Die Leistung der Herthaner auf dem Platz hatte mit der Bundesliga allerdings nicht viel zu tun.

Es ist geradezu ein Euphemismus, diesem Team erstklassigen Fußball zu unterstellen. Die Alte Dame wirkte altbacken, wie aus der Zeit gefallen und schien selbst keine konkrete Idee zu haben, wie sie ein Tor erzielen kann.

Hamburg wirkte dagegen modern, frisch, jung und vor allem vorbereitet. "Mit Leidenschaft und Kampf, zurück zu altem Glanz", stand es in der Choreografie der Gästefans vor Anpfiff geschrieben. Von altem Glanz ist der HSV zwar noch weit entfernt, doch der Sieg in Berlin ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

"Ein Ball rutschte ab, senkte sich ins Tor und das war der Unterschied heute Abend", sagte Magath, als wäre es ein Duell auf Augenhöhe gewesen. Doch die Unterschiede waren auf viel mehr Ebenen zu erkennen. Und das sollte sich Hertha so langsam eingestehen.

Hertha BSC: Für Heldenfußball braucht es Helden

Der Trainer gab sich nach der enttäuschenden Leistung seines Teams wie ein Boxer, der sich die deutliche Niederlage nach Punkten nach dem Kampf nicht eingestehen will. Auf Verdacht jubeln, sich selbst positiv zureden und hoffen, dass die Punktrichter sich davon irgendwie überzeugen lassen.

Er wirkte bei dem Versuch jedoch eher hilflos. "Wir werden ab morgen daran arbeiten, dass wir am Montag hoffentlich noch besser spielen", sagte Magath. Noch besser? Es wäre ja ein erster Schritt, würden die Berliner zumindest mal gut spielen. Oder mit Konzept. Der Noch-Bundesligist verteidigte von Anfang an tief. Will man dem Spiel der Blau-Weißen eine Idee unterstellen, so war diese wohl komplett auf Zweikämpfe ausgelegt.

Im Mittelfeld wurde durchaus aggressiv verteidigt. In vielen Phasen gelang es Hertha auch, Hamburg vom eigenen Tor fernzuhalten. Keinesfalls aber ausreichend. Zumal es im Spielaufbau nur ein Motto gab: Hoch und weit. Fast jeder fünfte Ball flog lang nach vorn. Auch in der Offensive versuchte man es vor allem über Flanken. Abnehmer gab es jedoch bei beiden Stilmitteln nur selten. Für Heldenfußball braucht es Helden. Diese hat Hertha aber nicht.

Felix Magath: Ohne Offensivkonzept ins Verderben?

Und so bräuchte es mehr als hohe Bälle und heldenhafte Flügelläufe in eine Traube aus Gegenspielern. Gut erklären lässt sich das kopflose Offensivspiel der Hertha anhand des besten Angreifers: Ishak Belfodil. Der 30-Jährige hatte bis zu seiner Auswechslung (80.) 42 Ballkontakte, eine Passquote von 70,6 Prozent und nur zwei Abschlüsse. Sieben Dribblings probierte er, nur zwei waren erfolgreich.

Kurz vor der Pause erzielte er das vermeintliche Führungstor, das wegen knapper Abseitsentscheidung zurückgepfiffen wurde. Allenfalls ein durchschnittlicher Arbeitsnachweis. Doch Belfodil war viel unterwegs, machte viele Tiefenläufe und bot sich auch im Mittelfeld an. Die große Frage war nur, für wen er das machte.

Kaum eine Flanke fand den Weg zu ihm, kaum jemand unterstützte ihn im Strafraum. Ständig fand er sich im Einzelkampf gegen mehrere Hamburger wieder. Mit der Einwechslung von Stevan Jovetic (46.) wurde es etwas besser, aber auch der musste schnell feststellen, dass er auf sich alleine gestellt ist. Wenn Hertha am Ende tatsächlich absteigt, muss sich niemand darüber wundern. Diesem Team wird gern fehlende individuelle Qualität unterstellt. Von der Trainerbank kam jedoch sowohl von Magath als auch von seinen Vorgängern viel zu wenig.

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