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Fussball

FC Bayern München kassierte einen Korb: Tom Bischof - der Götze-Nachfolger beim DFB?

Von Justin Kraft

Dem FC Bayern München verpasste er einen Korb, Julian Nagelsmann sagte er sogar zweimal ab. Tom Bischof ist eines der größten deutschen Talente - und sorgt nach Mario Götze und Mesut Özil vielleicht für eine Renaissance der klassischen Zehn im deutschen Fußball.

Der 19. März 2022 könnte ein Datum sein, auf das viele Fußball-Fans schon bald zurückblicken werden. Im Berliner Olympiastadion durfte sich Tom Bischof beim 0:3 seiner TSG Hoffenheim zum ersten Mal auf der großen Bundesliga-Bühne beweisen. Viele Talente haben diese in den letzten Jahren betreten und sie dann recht schnell wieder verlassen. Der 16-Jährige aber ist gekommen, um zu bleiben.

Er ist Teil einer sehr starken Generation beim DFB, die wahrscheinlich viele gute Spieler hervorbringen wird. Paul Wanner, Arijon Ibrahimovic (beide FC Bayern München), Nelson Weiper (1. FSV Mainz 05) und Laurin Ulrich (VfB Stuttgart) sind nur vier weitere Namen, die sich Fans merken sollten.

Gemeinsam mit Wanner sticht Bischof heraus. "Er hat sehr viele Ideen, einen richtig guten linken Fuß und steht für Spielfreude", sagt Marc-Patrick Meister im Gespräch mit SPOX und GOAL. Der 41-Jährige ist beim DFB für die U17 zuständig und darf somit die Entwicklung dieser außergewöhnlichen Talente begleiten und beeinflussen.

"Er ist ein Kreativspieler, eine hängende Spitze oder Zehn", analysiert Meister den Hoffenheimer. Seine Qualitäten konnte er jüngst auch bei der U17-Europameisterschaft in Israel unter Beweis stellen. Bischof ist ein sehr aktiver Spieler, der im Zentrum immer auf der Suche nach Zwischenräumen ist.

DFB-Trainer Meister: "Tom löst Dynamik aus"

Für Spieler wie ihn wird gern der Begriff "Nadelspieler" verwendet. Also jemand, der sich bewusst in engen Räumen anbietet, um die Situation dann unter höchstem Druck aufzulösen, indem beispielsweise das Spiel verlagert wird. Mario Götze war ein solcher Nadelspieler, international ist vermutlich Andres Iniesta derjenige, der die Messlatte am höchsten hängte.

Bis dahin hat Bischof noch einen weiten Weg vor sich, aber seine Anlagen sind beeindruckend. "Tom ist jemand, der das Spiel vor allem über Zuspiele beschleunigt", sagt sein Trainer bei der U17-Auswahl des DFB. Deshalb harmoniert er auch so gut mit Wanner, dem anderen großen deutschen Talent auf der Zehnerposition.

"Paul ist der viel raumgreifendere Spieler, der mit seinem linken Fuß und einer sehr engen Ballführung übers Tempodribbling kommt. Er bringt mit dem Ball am Fuß viel Dynamik ins Spiel", erklärt Meister: "Während Tom die Dynamik auslöst über Steckpässe oder Spielverlagerungen im letzten Drittel."

DFB: Nachfolger für Mario Götze und Mesut Özil gefunden?

Beide sind auf unterschiedliche Art und Weise torgefährlich. Die Torgefahr ist auch der Grund, weshalb Bischof meist auf der Zehn oder als hängende Spitze eingesetzt wird. "Wegen seines guten Torabschlusses finde ich ihn umso spannender und gefährlicher, desto näher er am gegnerischen Tor ist", erzählt Meister.

Bei der Europameisterschaft war der 16-Jährige nach seinem Tor gegen Italien an keinem weiteren Treffer direkt beteiligt. Für den DFB-Trainer ist das kein großes Problem: "Er will seinen Anteil am Job haben, den die Mannschaft als Ganzes verrichtet. Ich nehme ihn als sehr uneitel wahr, weil er sich komplett in den Dienst des Teams stellt."

Das gilt auch für die Defensivarbeit. Bischof sei dort "total bereit und beteiligt sich aktiv am Gegenpressing, macht die Passwege gut zu und versucht, Bälle zu erobern". Deshalb hat der Hoffenheimer in seiner noch jungen Karriere bereits mehrere Positionen gespielt - unter anderem die Acht.

Meister sieht den Mittelfeldspieler perspektivisch aber "eher auf der Zehn". Eine Position, die nach dem Formeinbruch von Götze und dem Ende von Mesut Özil in der Nationalmannschaft lange vakant war und jetzt mit Wanner und Bischof bald wieder Renaissance feiern könnte.

Julian Nagelsmann kassierte zweimal einen Korb von Tom Bischof

Nicht umsonst war der FC Bayern an Bischof interessiert. Trainer Julian Nagelsmann wollte ihn zuvor schon zu RB Leipzig lotsen, scheiterte somit also gleich doppelt. Zehner mit Weltklassepotenzial sind in den letzten Jahren selten geworden. Im modernen Fußball haben sich die klassischen Aufgaben des Spielmachers auf die Achter und Sechser verteilt, für Torgefahr sorgen neben den Sturmspitzen schnelle Außenstürmer.

Deshalb sind Spieler wie Bischof auch so begehrt. Mit 15 Torbeteiligungen in 16 Einsätzen war der Linksfuß mit nur 16 Jahren einer der besten Spieler in der U19-Bundesliga Süd/Südwest.

Lange wird er dort nicht mehr spielen. Nach seinen 13 Bundesliga-Minuten im März will er in der kommenden Saison angreifen. "Er hat eine sehr gute Einstellung, er hat klare Ziele, die er verfolgt und gleichzeitig ist er sehr unaufgeregt", sagt Meister. Deshalb gibt es auch viele Stimmen aus seinem Umfeld, die Bischof eine große Karriere zutrauen.

In einem Interview mit Talento Today hat der Hoffenheimer verraten, dass er hart an sich arbeitet: "Nicht nur auf dem Platz, sondern auch neben dem Platz." Athletik, Beweglichkeit und die Ernährung wären für ihn wichtige Faktoren.

FC Bayern? "Gibt nicht wenige Stimmen, die ihm zugetraut hätten ..."

Seine Karriere wird er zunächst bei der TSG Hoffenheim fortsetzen. Dort hat er trotz des Bayern-Interesses seinen Vertrag bis 2025 verlängert. "Es gibt nicht wenige Stimmen, die ihm zugetraut hätten, seinen Weg an anderer Stelle fortzuführen", bewertet Meister die Entscheidung: "Er spielt aber schon sehr viele Jahre in Hoffenheim Fußball. Ich glaube, dass Tom dort für seine nächsten Ziele und Schritte alles vorfindet und alles hat, was er benötigt."

Dazu würden vor allem "Ansprechpartner im sportlichen Bereich, die ihn sehr gut kennen und die ihm die weitere Entwicklung zutrauen" zählen. Die Entscheidung gegen die Bayern oder RB Leipzig ist somit letztlich eine für eine Entwicklung in einem ruhigeren Umfeld.

Selbstbewusst ist Bischof allemal. Seine Vorbilder sind nach eigener Aussage Lionel Messi, Kevin de Bruyne und Joshua Kimmich. Mit dem Bayern-Star hat sich das Top-Talent sogar verglichen. "Kimmich ähnelt mir sehr", sagte er im Gespräch mit Talento Today, obwohl dieser in München deutlich defensiver agiert. Vor allem die Mentalität des Nationalspielers imponiere ihm.

Noch ist der Weg nach oben für Bischof sehr weit. Allerdings scheint bei ihm vieles zu passen. Dass er ein besonderes Talent ist, steht außer Frage. Offenbar ist er aber auch neben dem Platz sehr engagiert, zielstrebig und vor allem bodenständig. Unter diesen Voraussetzungen könnte sein Bundesliga-Debüt am 19. März tatsächlich der Anfang einer großartigen Zukunft sein.

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