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Fussball

VfB Stuttgart - Neuzugang Ömer Faruk Beyaz von Fenerbahce: Zeig' der Welt, dass du besser bist als Emre Mor

Ömer Beyaz wechselt zur neuen Saison von Fenerbahce aus Istanbul zum VfB Stuttgart.

Ömer Beyaz ist 17 Jahre alt und hat erst 228 Spielminuten im Profibereich auf dem Buckel, dennoch ist der Mittelfeldspieler in der Türkei in aller Munde. Zur neuen Saison wechselt Beyaz von Fenerbahce aus Istanbul zum VfB Stuttgart.

Es ist beileibe keine neue Erkenntnis, dass die Fußballwelt in der Türkei noch etwas chaotischer, emotionaler und aufgeregter tickt als im Rest Europas. Dort herrscht stets so ein bisschen Super-League-Flair, könnte man dieser Tage sagen. Allein, wie viele Spieler schon als neuer "türkischer Messi" bezeichnet worden sind!

Der nächste in dieser zweifelhaften Reihe ist der 17-jährige Ömer Faruk Beyaz, der im Sommer von Fenerbahce aus Istanbul zum VfB Stuttgart wechseln wird. Nur die übliche Ausbildungsentschädigung müssen die Schwaben berappen, die Beyaz mit einem Vierjahresvertrag ausstatten. Sportdirektor Sven Mislintat bezeichnet den Mittelfeldspieler als "außergewöhnliches Talent", der in seinem Jahrgang "zu den begehrtesten Spielern in ganz Europa" zählt.

Beyaz' Wechsel hat in der Türkei für viel Aufruhr gesorgt, der Teenager ist in aller Munde. Das war vor fünf Jahren bei Emre Mor ganz ähnlich, als dieser mit 18 überraschend für die türkische Nationalmannschaft debütierte und einen Monat später mit zur EM 2016 fuhr. Um den zuvor kaum bekannten Mor, der anschließend zu Borussia Dortmund wechselte, entstand ein großer Hype, die türkischen Fußballfans lagen ihm im Nu zu Füßen.

Mor, man kann es mittlerweile nicht mehr anders sagen, stürzte in seiner Karriere anschließend - angesichts der frühen Vorschusslorbeeren vielleicht auch folgerichtig? - ab. Weder bei Celta Vigo, noch auf den Leihstationen bei Galatasaray und in Piräus brachte er seine zweifelsfrei vorhandenen Anlagen konstant auf den Rasen.

VfB-Neuzugang Ömer Beyaz "ein riesengroßes Fragezeichen"

Beyaz ist nun eines der nächsten türkischen Versprechen und man darf gespannt verfolgen, ob er eines Tages einen besseren Verlauf seiner Karriere hinkriegt als Mor. "Er ist ein riesengroßes Fragezeichen", sagt SPOX-Kolumnist und Türkei-Experte Fatih Demireli. "Nicht, dass man ihm den Seniorenbereich nicht zutraut. Von seinen Anlagen her ist er eine Granate, ein technisch sehr feiner Spieler und bärenstark mit dem Ball. Doch er hat noch keinerlei Wettkampfpraxis und -härte."

Zwar sprächen in der Türkei alle über Beyaz, doch als Spieler bleibt er für den Moment ein Phantom, "weil ihn nur ganz wenige Leute bisher spielen gesehen haben", sagt Demireli. Der türkische Jugendfußball wird kaum konsumiert, doch genau dort verbrachte Beyaz freilich den Großteil seiner bisherigen Laufbahn.

Auf 228 Profiminuten, aufgeteilt auf fünf Liga- und drei Pokalspiele sowie vier Startelfeinsätze bringt es Beyaz bislang im Seniorenbereich. Im vergangenen September debütierte er in der U21-Nationalelf, in der er seitdem fünfmal eingesetzt wurde. Rekorde sind trotzdem schon gepurzelt: Mit 16 Jahren, zehn Monaten und acht Tagen avancierte Beyaz zum zweitjüngsten Profi-Debütanten in Feners Vereinsgeschichte, kurz darauf war er der Jüngste, der jemals in der Startelf stand. Als am letzten Spieltag der Saison 2019/20 auch noch Emre Belözoglu bei der finalen Auswechslung seiner Karriere die Kapitänsbinde an Beyaz weiterreichte, war dieser 13 Minuten lang der jüngste Fenerbahce-Spielführer der Historie.

Beyaz verlängert auslaufenden Vertrag bei Fenerbahce nicht

In dieser Szene steckte damals natürlich eine Menge Symbolik, denn Beyaz sollte in die Fußstapfen von Legende Belözoglu treten und dem seit 2014 titellosen Fenerbahce zu altem Glanz verhelfen. Doch nur fünf Monate später stand im vergangenen Januar fest: Beyaz wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und dem Traditionsverein den Rücken kehren.

Als Beyaz vor rund zwei Jahren bei einem Turnier in der Türkei von mehreren englischen Klubs gescoutet wurde, war man dort unisono der Meinung, dem Zehner fehle es am nötigen Instinkt, sich im richtigen Moment vom Ball zu trennen und seine Mitspieler in Szene zu setzen. Die Insel-Klubs verfolgten die Personalie nicht weiter, doch gerade deutsche Vereine sahen dieses Defizit nicht als Problem an, was sich nicht im Training begradigen ließe.

So waren Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim bis zuletzt an Beyaz interessiert, Schalke 04 hatte dem Türken bereits einen Vertrag vorgelegt. Schon im Januar wurde Beyaz' Berater Mehmet Eser, der auch die Stuttgarter Orel Mangala und Darko Churlinov vertritt, beim Portal GazeteFutbol wie folgt zitiert: "Ömer wechselt zum VfB Stuttgart. Wir haben uns auf einen Vierjahresvertrag geeinigt."

Beyaz nicht das erste Talent, das die Türkei verlässt

Eser gab an, dass Mislintat "ein entscheidender Grund für die Zusage beim VfB" gewesen sei, da dieser zu seiner Zeit beim BVB Spieler wie Ousmane Dembele und Jadon Sancho entdeckt hat. Kurz darauf ruderte der Berater jedoch wieder zurück und verkündete, diese Aussagen nie getätigt zu haben - eine weitere Episode, die wunderbar zum anekdotenreichen türkischen Fußball passt.

Recht behielt Eser dennoch. Fenerbahce hatte Beyaz einen Fünfjahresvertrag angeboten, doch die Spieler-Seite sah aufgrund seiner geringen Einsatzminuten keine derartige Perspektive wie in Stuttgart, wo sich der VfB unter Mislintat zu einer interessanten Adresse für junge Talente entwickelt hat. Dort wird Beyaz künftig quasi unter Seinesgleichen sein. Doch auch unabhängig von der Altersstruktur des künftigen Arbeitgebers entscheiden sich vielversprechende türkische Spieler nicht erst seit diesem Jahr dafür, ihr Heimatland frühzeitig zu verlassen.

Beim VfB wird Ömer Beyaz Zeit brauchen

Der 18-jährige Ali Akman wird künftig bei Eintracht Frankfurt spielen, wie der einst bei Freiburg gelandete Caglar Söyüncü wechselt der Stürmer aus der zweiten türkischen Liga in die Bundesliga. Ozan Kabak, heute beim FC Liverpool, ging zunächst nach Stuttgart, in Lille hat sich Zeki Celik zu einem heißen Eisen entwickelt, wie es Merih Demiral mittlerweile bei Juventus Turin ist. Ein Grund für die Talente-Flucht sind die enormen Kadergrößen der zu Großteilen schlimm verschuldeten Süper-Lig-Klubs, 16 ausländische Spieler sind bei einer Maximalgröße von 35 Akteuren erlaubt. Das toppt in Europa niemand.

Sicher ist: Dem Fragezeichen Beyaz, wie ihn Demireli nannte, muss in Stuttgart erst einmal reichlich Zeit eingeräumt werden, um den bislang eher übersprungenen Übergang in den Seniorenbereich nachhaltig schaffen oder gar eine Entwicklung wie Söyüncü, Kabak und Co. nehmen zu können.

Anders als zum damaligen Zeitpunkt bei Mor, der in Dänemarks erster Liga für den FC Nordsjaelland bereits Erfahrungen gesammelt hatte, ist bei Beyaz noch gänzlich unklar, ob er das Zeug hat, auf Dauer im Profifußball mitzuhalten. "Ich werde von meinem ersten Tag in Stuttgart alles dafür geben, um das mir entgegengebrachte Vertrauen zurückzugeben", sagte er.

VfB Stuttgart: Neuzugang Ömer Beyaz im Steckbrief

Geburtsdatum (Alter)29. Oktober 2003 (17)
NationalitätTürkei
Größe1,71 Meter
Positionoffensives Mittelfeld
Starker Fußlinks

 

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