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Fussball

Ralf Rangnick: Interesse an Schalke-Rückkehr, aber noch keine Gespräche

Ralf Rangnick wäre bereit für eine Rückkehr zum FC Schalke 04.

Ralf Rangnick wartet auf ein Signal des Schalker Aufsichtsrats, dieser soll aber noch mehrheitlich skeptisch sein. Wunschkandidat war stattdessen ein Leipziger, dem sogar ein unterschriftsreifer Vertrag vorgelegt worden sei.

Die Rückkehr von Ralf Rangnick begeistert viele Schalke-Fans. Fast 50.000 hatten bis Montag eine Online-Petition für ein Comeback des 62-Jährigen unterschrieben.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings fraglich. Bislang jedenfalls gibt es nach Informationen von SPOX und Goal weder konkrete Gespräche noch Verhandlungen zwischen Rangnick und Schalke 04. Das bestätigte Rangnicks Berater Mark Kosicke am Montag gegenüber Sport1: Rangnick sei "aus dem Schalker Umfeld" gefragt worden, ob eine Rückkehr prinzipiell vorstellbar sei. "Da hat er gesagt 'Wenn alle Rahmenbedingungen stimmen, könnte er sich das vorstellen'. Mehr an Austausch gab es da gar nicht." Gespräche gebe es frühestens "in den nächsten Tagen".

S04 selbst teilte am Montagnachmittag der dpa mit: "Der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 hat bereits Kontakt zum Berater von Ralf Rangnick aufgenommen. Zum weiteren Vorgehen werden wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen."

Nach Ansicht der Rangnick-Seite müsste die Kontaktaufnahme über den Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Buchta erfolgen, da nur das Kontrollgremium einen neuen Sportvorstand einstellen kann. So lange es dort keine einheitliche Linie gebe, wollen Rangnick und seine Berater abwarten und keine weiteren Kommentare abgeben.

Angeblich ist Buchta und eine Mehrheit des Aufsichtsrats skeptisch, da Rangnick konkrete Bedingungen stellen soll: Freie Hand in sportlichen Fragen und trotz der hohen Schulden ein angemessenes Budget, um nach dem zu erwartenden Abstieg mit einer komplett neuen, stark verjüngten Mannschaft sofort in die Bundesliga zurückzukehren.

Schalke: Wunschkandidat Krösche lag angeblich Vertrag vor

Zudem ist der Unmut nach wie vor groß, weil Buchta und Co. unmittelbar vor der Einigung mit Wunschkandidat Markus Krösche gestanden haben sollen. Angeblich soll der Sportdirektor von RB Leipzig trotz laufenden Vertrags bis 2022 offen für einen neuen Job sein und ihm sogar ein unterschriftsreifer Kontrakt von Schalker Seite vorgelegen haben.

Um das zu verhindern, habe eine so genannte "Geheimgruppe" aus einflussreichen Schalke-Anhängern aus Wirtschaft und Politik ihren Plan mit Rangnick am Freitag vor der Aufsichtsratssitzung öffentlich gemacht und zudem den Aufsichtsrat Stefan Gesenhues eingeweiht. Nachdem dieser Rangnick als Kandidaten präsentiert hatte, soll es ordentlich gekracht haben, weil sich die Teilnehmer der Runde hintergangen fühlten. Gesenhues soll daher ein Verfahren vor dem Ehrenrat und ein möglicher Vereinsausschluss angedroht worden sein.

Der Arzt entschuldigte sich danach für sein Vorgehen. "Dass sich meine Kollegen im Aufsichtsrat überrumpelt gefühlt haben, kann ich im Nachhinein verstehen, das tut mir leid", sagte Gesenhues der WAZ, sprach sich aber dennoch für Rangnick aus: "Ich glaube, dass er der richtige Mann für Schalke 04 ist."

Buchta warf der Rangnick-Gruppe "vereinsschädigendes" Verhalten vor: "Man muss sich das einfach mal vorstellen: Da hat eine nicht-legitimierte Gruppe mit Rangnick gesprochen und ihm im Namen des Vereins ein Angebot gemacht", sagte er der SZ und vermutete Wahlkampf als Motivation für die "gezielt" initiierten Medienberichte. Dabei habe der Aufsichtsrat Rangnick nicht angesprochen, "weil wir meinten, wir könnten ihm nicht die Rahmenbedingungen bieten, wie er sie in Leipzig und Hoffenheim hatte." Nun fänden doch offizielle Gespräche mit ihm statt: "An ihm gehen wir selbstverständlich nicht vorbei."

Rangnick: Schalke-Rückkehr nur zu seinen Bedingungen

Krösche jedenfalls zog seine Konsequenzen und sagte am Sonntag, er stehe nicht zur Verfügung. Rangnick hingegen hat sein grundsätzliches Interesse an einer dritten Tätigkeit auf Schalke erklärt. Aber eben nur zu ähnlichen Rahmenbedingungen wie bei seinen Stationen als Chefcoach 2004/2005 und 2011. Damals allerdings waren die Königsblauen, die rund 240 Millionen Euro Verbindlichkeiten haben sollen, wirtschaftlich weit besser aufgestellt.

Zwar soll die "Geheimgruppe" auch die Zusage von potenten Sponsoren haben, wenn Rangnick kommt. Doch finanzielle Möglichkeiten, wie Rangnick sich vorstellt, sind vermutlich nur mit einer Ausgliederung der Profi-Fußballsparte möglich. Für einen solchen Schritt, für den 75 Prozent der Vereinsmitglieder stimmen müssten, gibt es aber derzeit keine Mehrheit und er könnte offiziell frühestens 2022 vollzogen werden.

Rangnick: Klarheit vielleicht erst im Sommer

Daher scheint es gut möglich, dass es keine schnelle Lösung mit Rangnick geben wird - je nachdem wie stark sich der Aufsichtsrat unter Druck fühlt, rasch einen neuen Sportvorstand zu präsentieren.

Möglicherweise wird aber auch erst nach der Mitgliederversammlung im Juni Klarheit herrschen, wenn ein Großteil des Aufsichtsrats neu gewählt werde und sich auch Vertreter der "Geheimgruppe" zur Wahl stellen. Diese wollen laut kicker neben der Rangnick-Installierung eine Neubesetzung der kompletten Schalker Führungsriege und eine Ausgliederung.

Ob der derzeit arbeitslose Rangnick im Sommer allerdings noch zur Verfügung stehen würde, ist die andere Frage. Aktuell gilt er auch als Kandidat für die Nachfolge von Bundestrainer Jogi Löw, allerdings soll er beim für die Nachbesetzung zuständigen Oliver Bierhoff kein Favorit sein.

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