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Fussball

Sasa Kalajdzic vom VfB Stuttgart im Interview: "Früher habe ich am Bauernhof oft selbst mitgeholfen"

Nach drei Jahren bei Admira Wacker wechselte Sasa Kalajdzic 2019 zum VfB Stuttgart.

Sasa Kalajdzic zählt in der laufenden Bundesligasaison zu den positiven Überraschungen bei der positiven Überraschung VfB Stuttgart. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr) spricht der 23-jährige Stürmer aus Österreich im Interview mit SPOX und Goal über seinen ungewöhnlichen Karriereweg, seine Verletzungsanfälligkeit - und die Lehren daraus.

Außerdem erzählt Kalajdzic von Schwierigkeiten mit dem spanischen Wort "desafortunadamente", von Schneeballschlachten in der Heimat seiner Großeltern Bosnien und Herzegowina, Basketballspielen mit Gregor Kobel und einem Besuch in Liverpool.

Herr Kalajdzic, nach acht Spieltagen stehen Sie mit dem VfB Stuttgart auf Platz acht und persönlich bei sechs Scorerpunkten. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Sasa Kalajdzic: Generell sind wir als Mannschaft zufrieden, das eine oder andere Spiel hätte aber noch besser laufen können. Eigentlich wäre noch mehr drin gewesen. Dass es nach meiner langen Verletzungspause für mich persönlich so gut läuft, hätte ich nicht erwartet.

Sie sprechen Ihren Kreuzbandriss aus der vergangenen Saison an. Er war nach einem Mittelfußbruch 2017/18 und einem Syndesmosebandriss 2018/19 bereits die dritte schwere Verletzung Ihrer noch jungen Karriere. Was haben diese Verletzungen bei Ihnen ausgelöst?

Kalajdzic: Mein Kreuzband riss bei einem Zweikampf, das war Pech. Die anderen beiden Verletzungen passierten aber ohne Fremdeinwirkung, daran habe ich also zumindest eine Teilschuld. Vielleicht wären sie nicht passiert, wenn ich schon damals besser auf mich geachtet hätte. Natürlich ist es bitter, wenn man verletzt ist - aber nur so bekommt man ein richtiges Gefühl für seinen Körper. Ich arbeite jetzt nach meinen Erfahrungen mit den Verletzungen viel bewusster: Ich habe gelernt, dass ich gut auf meinen Körper aufpassen muss, mehr machen muss als Mannschaftstraining und niemals auch nur eine einzige Sekunde von meinem persönlichen Fitness-Programm abweichen darf.

Denken Sie, dass Sie ob Ihrer Größe verletzungsanfälliger sind als andere Spieler?

Kalajdzic: Ich bin zwar sehr groß, körperlich aber nicht der Stärkste. Deshalb wirken große Hebel auf meinen Körper. Vielleicht macht mich diese Kombination ein bisschen verletzungsanfälliger.

Kalajdzic erzählt von seinem Spanisch-Sprachkurs

Als Sie in der vergangenen Saison monatelang ausfielen, begannen Sie einen Spanisch-Sprachkurs. Wie kam es dazu?

Kalajdzic: Ich habe meiner Familie, meinen Freunden und meiner Freundin gesagt: Ich lebe zwar meinen Traum Profifußball, aber irgendwas fehlt mir trotzdem. Irgendein Ausgleich, der mich gleichzeitig weiterbringt und mir Spaß macht. Meine Eltern schlugen ein Fernstudium vor, aber das erschien mir zu zeitaufwändig. Ich habe befürchtet, dass darunter mein Fokus auf den Fußball leiden würde. Dann kam mir die Idee, neben Englisch, Serbisch und Deutsch noch eine vierte Sprache zu lernen. Meine Freundin hat eine Sprachschule bei uns in der Nähe rausgesucht. Da bin ich hingegangen, habe es ausprobiert und es hat mir Spaß gemacht. Vor Corona war ich einmal pro Woche eineinhalb Stunden vor Ort, seitdem ist alles online.

Warum wurde es Spanisch?

Kalajdzic: Einerseits höre ich die Sprache gerne, andererseits ist sie verhältnismäßig leicht zu lernen. Die spanische Grammatik kommt mir eher entgegen als die chinesische. (lacht)

Und wie läuft es?

Kalajdzic: Ganz gut, aber mit einigen Worten habe ich so meine Probleme. Im Spanischen gibt es richtige Zungenbrecher wie zum Beispiel "desafortunadamente", was "unglücklicherweise" bedeutet. Gerade vor unserem Interview habe ich Gonzalo Castro gesagt, dass man "desafortunadamente" eigentlich nicht aussprechen kann. Das Wort schaffe ich meistens erst beim fünften Versuch.

Kalajdzic: "Ich bin froh, dass ich in keiner Akademie war"

Waren Sie früher ein guter Schüler?

Kalajdzic: Ich war kein schlechter Schüler, bin gegen Ende aber immer fauler geworden. Trotzdem wollte ich die Schule unbedingt durchziehen: für mich, aber auch meinen Eltern zuliebe.

Was waren Ihre Lieblingsfächer und wo hatten Sie die meisten Probleme?

Kalajdzic: In den letzten Schuljahren war Englisch mein Lieblingsfach, weil wir einen coolen Lehrer hatten. Ansonsten mochte ich alles, was ich mir logisch erklären konnte: Mechanik und Elektrotechnik zum Beispiel und solange es um Rechnen ging auch Mathe. Praxis ist mir immer leichter gefallen als Theorie. Auswendiglernen habe ich gehasst.

Wie sah Ihre Schullaufbahn aus?

Kalajdzic: In der Unterstufe war ich in einer Fußball-Klasse in einem Gymnasium, das eine Kooperation mit Austria Wien hat. Früher war dort auch David Alaba. Der normale Schritt wäre es gewesen, irgendwann auch in deren Akademie zu wechseln, aber den habe ich nicht geschafft. Heute muss ich ganz ehrlich sagen: Damals war ich zu schlecht und körperlich zu schwach. Zur Oberstufe bin ich in eine HTL gewechselt (in Österreich eine berufsbildende höhere Schule mit technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Ausbildungsschwerpunkten, Anm. d. Red.). Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass ich in keiner Akademie war, sondern diesen Weg gegangen bin.

Warum?

Kalajdzic: In den Akademien steht ausschließlich der Fußball im Mittelpunkt. Meine Freunde in der HTL hatten dagegen überhaupt keinen Fußballbezug. Die waren alle verrückt nach Autos, nicht nach Bällen. Sie hatten einen anderen Schmäh als meine Fußballkollegen, andere Ziele, andere Denkweisen, andere Musikgeschmäcker. Insofern war das der perfekte Ausgleich zum Training und den dortigen Themen. Mit vielen bin ich bis heute in Kontakt. Ich habe in der HTL Freunde fürs Leben gefunden.

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