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Fussball

Mario Götze will den BVB verlassen: Kann er in Rom sein Glück wiederfinden?

Die Zukunft von Mario Götze könnte in Italien liegen.

Mario Götze hat sich entschieden, den BVB zu verlassen. Da kommt das Interesse aus Italien gerade recht. Ein Weltmeisterkollege Götzes verhalf seiner ins Stocken geratenen Karriere in der Serie A wieder auf die Sprünge.

Beim letzten Derby, an dem er beteiligt war, sorgte Mario Götze (27) unfreiwillig für Verwirrung. Unmittelbar nach seiner Auswechslung in der 57. Minute des Revierderbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 am 26. Oktober 2019 (Endstand 0:0) hatte Götze die Arena auf Schalke verlassen. Aus Frust über seine schwierige Situation beim BVB? Nein, wegen einer Handverletzung, beeilte sich sein Klub festzustellen.

Das für den 14. März terminierte zweite Revierderby der Saison wurde wegen der Coronakrise verschoben. Doch womöglich könnte Götze schon vorher in einem anderen Derby eine Hauptrolle spielen.

Milan, AS Rom und Lazio wohl am BVB-Spieler interessiert

Nach Informationen der Gazzetta dello Sport buhlen neben dem AC Milan beide römische Klubs um den WM-Siegtorschützen von 2014, dessen Vertrag am 30.6. ausläuft und der sich für einen Weggang aus Dortmund entschieden hat. Ein entsprechender Bericht des kicker deckt sich auch mit Informationen von SPOX und Goal. Götze sieht demnach die Zeit gekommen, im Sommer das zweite Karrierekapitel BVB, das beiden Seiten seit 2016 weit weniger Befriedigung gebracht hat als das titel- und glorreiche erste bis 2013, zu beenden und weiterzuziehen.

Nur 17 Spielminuten stehen in diesem Kalenderjahr bisher in Götzes Bilanz für den BVB. Zu wenige, um ihn glücklich zu machen und nicht annähernd die Einsatzzeit, die den Ansprüchen eines Weltmeisters genügen könnten.

Wird Götze in Italien wieder zum Protagonisten? Während bei Milan derzeit freilich so gut wie jeder namhafte und in der kommenden Transferperiode womöglich ablösefrei zu habende Spieler ein Thema sein soll, ist das Interesse der AS Roma und von Lazio Rom, wie SPOX und Goal erfuhren, als deutlich realistischer einzuschätzen.

Beide Hauptstadtklubs dürften kommende Saison international spielen - die Roma belegt in einer schier schizophrenen Dr-Jekyll-Mr-Hyde-Spielzeit (auf 4:2-Auswärtssiege folgten etwa 2:3-Heimniederlagen) derzeit mit 45 Punkten Platz fünf. Lazio liegt sogar mit 62 Zählern mit nur einem Punkt Rückstand auf Juventus auf Rang zwei.

Römische Klubs könnten einen Spieler wie Götze brauchen

Beide Vereine könnten zudem im Sommer auf der von Götze präferierten Position im offensiven Mittelfeld Bedarf haben. Die Roma vor allem, sollte der Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan (31) nicht bleiben und zurück zu seinem Stammverein FC Arsenal gehen. Mit Nicolo Zaniolo (20), der nach seinem Kreuzbandriss im September wieder einsatzfähig sein sollte, hat die Roma ansonsten DAS italienische Zukunftsversprechen für die kreativen Momente im Spiel in ihren Reihen. Bleibt Mkhitaryan, könnte Götze es in der 4-2-3-1-Grundordnung von Trainer Paulo Fonseca bei der AS Rom ähnlich schwer haben wie derzeit beim BVB. Zumal die Giallorossi noch den früheren PSG-Spieler Javier Pastore (30) als Backup für die Position hinter der einzigen Sturmspitze haben.

Für das Interesse von Lazio sprechen neben sportlichen Gründen auch das verantwortliche Personal und deren Faible für Geschichte.

Trainer Simone Inzaghi, der jüngere und als Spieler unbekanntere, als Trainer aber bisher erfolgreichere Bruder von Milan-Legende Filippo Inzaghi, lässt seine Spieler bei Lazio meist aus einer offensiv ausgerichteten 3-5-2-Grundordnung agieren. Ähnlich wie Jürgen Klopp, unter dem Götzes Stern beim BVB einst aufging, ist Inzaghi ein Verfechter des schnellen und vertikalen Spiels. Lazio presst hoch und aggressiv, spielt schnell nach vorne und trifft oft. Lazios 60 Saisontore werden nur von Atalanta Bergamos Himmelsstürmern übertroffen. Sturmführer Ciro Immobile (30) führt mit 27 Saisontoren die Torschützenliste an.

Lazio ist mehr als Ciro Immobile

Aber Lazio ist nicht nur Immobile: Sergej Milinkovic-Savic, Spitzname "Sergeant", ist im zentralen, defensiven Mittelfeld Balldieb und -Verteiler, der beim FC Barcelona und FC Liverpool unters Raster gefallene Spanier Luis Alberto (27) glänzt als Vorlagengeber (13 in 25 Saisonspielen der Serie A) und vorne in der Spitze machen Joaquin Correa (25) und vor allem der in der Dortmund gescheiterte Immobile, was sie wollen.

Jedoch: Lazios Kader fehlt es etwas an Tiefe, wenn die Genannten verletzt sind, fehlen adäquate Alternativen. Und: Lucas Leiva (33), der aktuell meist Luis Albertos Counterpart im offensiven Mittelfeld bildet, denkt Fußball eher defensiv, ihm mangelt es an Kreativität und inzwischen auch internationaler Klasse. Ein Spieler wie Götze, der zwar selbst nicht der allerschnellste ist, aber das Spiel atemberaubend schnell machen kann, scheint für Simone Inzaghis Lazio prädestiniert.

BVB-Profi Götze müsste in Rom auf Gehalt verzichten

Dazu kommt: Lazio-Urgestein (seit 2005 im Verein) und -Manager Igli Tare spricht Deutsch. Der frühere Stürmer spielte für den Karlsruher SC und den 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga. Schon einmal verhalf Tare einem Superstar, dessen Karriere in Deutschland ein wenig ins Stocken geraten war, bei Lazio wieder auf ein neues Level: Miroslav Klose blühte in Rom von 2011 bis 2016 nach nicht immer ganz einfachen Jahren beim FC Bayern wieder richtig auf, entdeckte seinen Torriecher wieder und ganz neue, lockerere Seiten an sich. Nach fünf Jahren und 63 Treffern in insgesamt 170 Spielen für Lazio lud der Verein zum Abschied alle Fans zum "Klose-Day" ins Stadio Olimpico.

"Tare träumt von einem neuen Coup, wie er ihm 2011 mit Miroslav Klose gelang", schrieb die Gazzetta dello Sport folgerichtig über das Interesse Lazios an Götze. Problem jedoch: Götzes Gehalt. Selbst Immobile soll bei Lazio nicht mehr als sieben Millionen Euro brutto pro Jahr verdienen. Götze soll beim BVB mehr als zehn Millionen kassieren.

Ein italienisches Abenteuer würde für Götze also ins Geld gehen. Andererseits werden Spieler mit Zauberfüßchen, wie Götze sie hat, wohl nirgendwo so sehr geliebt wie in der Serie A. Und: Coronakrisenbedingt könnten die ganz fetten Jahre ohnehin vorbei sein. Gehaltseinbußen bei Neuverträgen düften eher zur Regel werden. Und was ist schon Geld, wenn man Liebe haben kann?

Mario Götze: Leistungsdaten in der Saison 2019/20

Wettbewerb

Spiele

Tore

Assists

Minuten

Bundesliga

13

3

-

501

DFB-Pokal

2

-

-

23

Champions League

4

-

1

72

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