Fussball

Michael Gregoritsch blüht beim FC Schalke 04 auf: Die Chemie stimmt wieder

Bei seinem Schalke-Debüt glänzte Michael Gregoritsch als Torschütze und Vorbereiter.

In Augsburg suspendiert, auf Schalke gefeiert: Michael Gregoritsch erlebte binnen 25 Tagen eine 180-Grad-Drehung vom Bankdrücker zum Matchwinner. Bei seinem Schalke-Debüt glänzte der Österreicher als Torschütze und Vorbereiter.

Als ein Comeback, einen Neustart, ja gar eine Explosion könnte man Gregoritschs Debüt für den Schalke 04 bezeichnen. Für seinen Vater war es lediglich "eine Wiedergabe dessen, was der Michael in den letzten Wochen bei Schalke erlebt hat".

Das hat mehrere Gründe. Zum einen trifft Gregoritsch in Gelsenkirchen auf bekannte Gesichter. Seine Kumpel Guido Burgstaller und Alessandro Schöpf, der österreichische Ersatztorhüter Michael Langer sowie Athletiktrainer Klaus Luisser, ein Freund der Familie, erleichtern seinen Einstieg bei Schalke.

Der größte Faktor ist jedoch David Wagner. Gregoritsch versteht sich gut mit seinem neuen Chef, hatte schon nach dem ersten Gespräch ein gutes Gefühl. "Der Trainer schenkt ihm Vertrauen. Das ist enorm wichtig für einen Kreativspieler wie Michael", erklärt Werner Gregoritsch im Gespräch mit SPOX und Goal. Ihm "imponiert" der menschliche Umgang bei Schalke.

"Michael ist ein sehr emotionaler, ehrlicher und direkter Mensch. Er passt mit seiner Mentalität sehr gut zu Schalke", sagt Werner Gregotitsch. Ihm ist die Erleichterung am Telefon anzumerken. Das Tal ist endlich überwunden.

Michael Gregoritsch forciert Wechsel: "Hauptsache weg"

Schließlich sah die Situation seines Sohnes vor einem Monat noch ganz anders aus. Gregoritsch war beim FC Augsburg außen vor. Gegen Gladbach stand er erstmals seit August wieder über 90 Minuten auf dem Feld. Dabei sollte Gregoritsch in dieser Saison doch zum Führungsspieler beim FCA avancieren.

Stattdessen kam er nur sporadisch zum Einsatz, gegen die Bayern stand er am 8. Spieltag nicht einmal im Kader. In der Länderspielpause im November sagte er schließlich die verhängnisvollen Worte: "Hauptsache weg." Gregoritsch formulierte offensiv seinen Wechselwunsch. "Er hat niemanden beleidigt oder kritisiert. Er hat nur formuliert, dass er nicht in Augsburg bleiben wolle, weil er mit Hinblick auf die EM Spielpraxis braucht. An der Reaktion des Vereins sieht man, dass zuvor schon viel zerbrochen war", sagt Werner Gregoritsch.

Damit meint der österreichische U21-Nationaltrainer den im Sommer geplatzten Wechsel seines Sohnes zu Werder Bremen. Schon damals wollte "Gregerl" den FCA verlassen. Bremen konnte jedoch die geforderte zweistellige Millionen-Ablöse nicht stemmen. "Die Sache hatte sich damit erledigt", sagte Werder-Sportchef Frank Baumann später.

Michael Gregoritsch im Steckbrief

geboren18. April 1994 in Graz
Größe1,93 m
Gewicht74 kg
PositionStürmer, hängende Spitze
starker Fußlinks
StationenKapfenberg Jugend, SC Kapfenberg, TSG Hoffenheim, St. Pauli, VfL Bochum, Hamburger SV, FC Augsburg, FC Schalke 04
Bundesligaspiele/-tore126/30

Hinteregger 2.0? Suspendierung "völlig nachvollziehbar"

Für Gregoritsch und Augsburg war die Sache nicht erledigt. Es entwickelte sich eine negative Atmosphäre. Der österreichische Nationalspieler fand sich zunehmend auf der Bank wieder. "Die Chemie zwischen Trainer und Spieler hat einfach nicht gepasst", erklärt sein Vater. Werner Gregoritsch sieht die Schuld aber keineswegs nur beim neuen FCA-Coach Martin Schmidt: "Du musst auch als Spieler gewisse Forderungen und Ansichten akzeptieren." Zudem hätten die Leistungen "einfach nicht gestimmt", gibt er zu. So wuchs der Frust.

Er wuchs so lange, bis er sich im November im Lager des ÖFB-Teams entlud. Aus dem internen Problem, über das nur spekuliert werden konnte, wurde ein Hinteregger 2.0 - zumindest in der Außendarstellung.

Gregoritsch hatte nie gestreikt. Dennoch musste Augsburg reagieren. Zur Erinnerung: Erst vier Monate zuvor endete die Posse um Martin Hinteregger mit seinem endgültigen Wechsel zu Eintracht Frankfurt. "Der FCA musste nach außen klar signalisieren, dass der Verein über jedem Spieler steht. Das war völlig nachvollziehbar", sagt Werner Gregoritsch. Das Signal der Augsburger: Suspendierung!

David Wagner will an Gregoritschs Defensive arbeiten

Es entstand der Eindruck eines Rosenkriegs, der letztlich keiner war. Gregoritsch entschuldigte sich, es gab eine Aussprache. Spielen durfte er trotzdem nicht mehr. "Es hat zum Schluss einfach nicht gepasst. Aber man sollte zwischen Augsburg und meinen Sohn keinen Keil treiben", meint Vater Werner. Schließlich habe sich "der Michael" in der Fuggerstadt unter Manuel Baum "hervorragend entwickelt".

Nach dem Stillstand im letzten Halbjahr soll diese Entwicklung bei Schalke wiederbelebt werden. "Er ist sicherlich noch nicht am Zenit seiner Karriere. Er kann sich noch verbessern, vor allem was Defensivarbeit und Intensität anbelangt", sagt Vater Werner.

Genau daran will Schalke-Coach Wagner mit seinem neuen Stürmer arbeiten. Noch vor der Vertragsunterzeichnung ging Wagner mit Gregoritsch in die Videoanalyse: "Ich habe ihm nur Defensiv-Szenen gezeigt - für einen Stürmer. Da war keine offensive Sequenz dabei. Ich habe ihm gesagt: 'Nur damit wir mal darüber gesprochen haben, Stürmer bei Schalke 04, da heißt es, anders zu spielen. Willst du das?'"

Gregoritsch wollte. Prompt bei seinem ersten Einsatz für Königsblau rettete er symbolisch für den bereits geschlagenen Markus Schubert auf der Linie. Auf der anderen Seite des Feldes lief es auch ohne Videosequenzen. "Schalke ist eine Mannschaft, die angriffsorientierter spielt. So kommen Michaels Qualitäten, der finale Pass oder sein Abschluss, besser zum Vorschein", erklärt Werner Gregoritsch.

Schalke oder Augsburg? Gregoritschs Zukunft offen

Besser zum Vorschein kommen, das war der Plan seines Sohnes. Gregoritsch will sich auf Schalke in den Fokus spielen. Er will zur EM, das ist sein großer Traum.

Dass er vorerst nur an S04 ausgeliehen ist, beschäftigt Gregoritsch nicht. "Der Michael ist keiner, der große Zukunftspläne hat. Was im Sommer passiert, wird man sehen", sagt sein Vater. Eine Kaufoption hat Schalke nicht. Im Optimalfall sind die Knappen im Juni bereit, um Gregoritsch zu kämpfen.

Bis dahin gilt es, seine Top-Form vom vergangenen Freitag zu konservieren. Ein gutes Spiel macht noch kein EM-Ticket. Aber immerhin darf Gregoritsch am Samstag wohl gegen die Bayern starten. Im "Hinspiel" saß er noch auf der Tribüne.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung