Untersuchung, dann Gehaltserhöhung?

Von Adrian Bohrdt
Seit Wochen streitet sich Hakan Calhanoglu mit dem Hamburger SV
© getty

Der Streit um Hakan Calhanoglu geht weiter. Der 20-Jährige hat sich von einer Psychologin krankschreiben lassen, der HSV will seinen wechselwilligen Youngster nochmal untersuchen lassen. Die Kommunikation läuft offenbar bereits größtenteils über Anwälte, dennoch könnte Calhanoglu am Ende sogar eine Gehaltserhöhung winken. Rene Adler hält indes zum Jungstar.

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Eine Heidelberger Psychologin schrieb Calhanoglu für vier Wochen krank, den Trainingsstart in Hamburg wird er damit definitiv verpassen. Aktuell weilt der Offensivmann bei seiner Familie in Mannheim, doch der HSV will ein zweites Urteil erwirken.

"Wir haben versucht, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Bislang ist uns das aber noch nicht gelungen", berichtet HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer laut der "Bild": "Wir werden versuchen, Hakan von einem Neurologen in Hamburg untersuchen zu lassen." Weiter berichtet die Zeitung, dass die Kommunikation größtenteils über Anwälte läuft, beide Seiten haben demnach bereits einen Rechtsbeistand eingeschaltet.

Calhanoglu: Angst vor dem HSV-Trainingsstart?

Calhanoglu hatte zuletzt in der "Sport Bild" erklärt, dass er sich nach Veröffentlichung seines Wechselwunsches vor dem Trainingsstart beim HSV fürchte: "Es wird schwierig für mich, wenn ich sehe, wie viel Wut und Hass da sind. Man weiß ja, wozu einige Menschen in der Lage sind." Die offizielle Krankmeldung ging am Dienstagabend in Hamburg ein.

An einen Täuschungsversuch Calhanoglus, um den seit längerem gewünschten Wechsel nach Leverkusen zu erpressen, glaubt Kreuzer indes nicht: "Die Geschichte ist tragisch. Ich glaube nicht, dass das ein taktisches Manöver ist. Ich kenne Hakan schon lange. Er ist ein guter Junge, mit tollem Charakter."

Der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow stellte laut dem "Hamburger Abendblatt" zudem klar: "Sollte es ein taktisches Manöver sein, wäre es völlig unnötig, da der HSV ihn nicht gehen lassen wird. Wenn er krank ist, werden wir ihm helfen, wieder gesund zu werden. Hakan hat mit seinem Verhalten allerdings auch dazu beigetragen, dass die Reaktionen einiger Fans so sind, wie sie sind."

Berater hofft auf Einigung mit Beiersdorfer

Calhanoglus Berater Bektas Demirtas betonte indes: "Ich hoffe, dass wir schon bald eine außergerichtliche Lösung haben, damit sich Hakan nach seiner Genesung wieder voll auf Fußball konzentrieren kann." Den Kontakt zu Kreuzer hat er bereits abgebrochen und hofft jetzt auf eine Einigung mit dem neuen HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer, der am 1. Juli sein Amt offiziell antritt.

"Ich bin mir sicher, dass wir mit Beiersdorfer eine einvernehmliche Lösung finden", so Demirtas. Dass Calhanoglu trotz all der Vorkommnisse in Hamburg bleibt, ist dennoch nach wie vor denkbar: HSV-Investor Klaus-Michael Kühne hatte bereits vehement einen Verbleib des Deutsch-Türken gefordert und andernfalls sogar damit gedroht, sein finanzielles Engagement zu überdenken.

Auch der Aufsichtsrat will laut dem "Abendblatt" jetzt einschreiten. Demnach gibt es Überlegungen, den erst im Februar bis 2018 verlängerten Vertrag finanziell aufzubessern. Der Offensivmann soll dann ein Stufenmodell erhalten, in dem sein Grundgehalt jedes Jahr deutlich steigen würde. An die drei Millionen, die Leverkusen angeblich pro Jahr bietet, käme der neue Kontrakt dennoch nicht heran.

Adler: Teil unserer Mannschaft

Für Torhüter Rene Adler, der nach einer Verletzungspause in dieser Woche wieder ins Aufbautraining eingestiegen ist, spielt die Abwesenheit von Hakan Calhanoglu beim Trainingsauftakt kein große Rolle: "Dass das jetzt stört, das ist nicht der Fall. Hakan ist Teil unserer Mannschaft, er hat einen Vertrag. Jetzt ist er krankgeschrieben, aber wenn er Hilfe braucht, dann wird er die von uns bekommen", beurteilte Adler gegenüber "Sky Sport News HD" das Fehlen des Mittelfeldspielers nach dessen Krankmeldung.

Nach der abgelaufenen Saison mit dem Beinahe-Abstieg und der Last-Minute-Rettung in der Relegation, weiß Adler, dass auf den Hamburger SV viel Arbeit zukommt: "Wenn man so eine Saison spielt unter permanentem Druck, unter Angst zu versagen, dann ist es nicht einfach damit getan, zu sagen, 'jetzt ist Pause, jetzt fahre ich mal zwei, drei Wochen in Urlaub und jetzt ist alles wieder in Ordnung', sagte Adler. "Das steckt schon in den Knochen und geht nur raus über Erfolgserlebnisse im Training und in den Freundschaftsspielen. Das ist die Arbeit, die vor uns liegt."

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