Bildungsreisen mit Schatten

Von Für SPOX im Trentino: Andreas Lehner
Pep Guardiola trifft mit dem FC Bayern im Testspiel auf seinen Ex-Verein Brescia Calcio
© getty

Am Dienstag trifft Pep Guardiola mit dem FC Bayern auf Brescia Calcio (18.30 Uhr im LIVE-TICKER). Das Spiel ist auch eine Begegnung mit einem dunklen Kapitel seiner Vergangenheit. Auch seine anderen Stationen außerhalb Kataloniens erzählen eine besondere Geschichte.

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Der Rummel und der Hype um den FC Bayern sind nach wie vor groß. Im Trainingslager im Trentino drängen sich die Fans beim Training im Stadion von Arco oder bei der Teampräsentation auf der Piazza Tre Novembre in Riva. Überall recken die Zuschauer ihre Kameras, Smartphones oder Tablets in die Höhe, um Fotos von den Spielern zu knipsen.

Auch die Anzahl an Journalisten ist stattlich: 141 Reporter aus aller Welt haben sich für die acht Tage am Gardasee akkreditiert. Der Andrang ist aber schnell abgeflaut. Wenn die Spieler mit der Presse sprechen, ist nur ein Bruchteil dieser 141 auch anwesend. Nur bei der Pressekonferenz von Pep Guardiola am Ankunftstag war nahezu ausverkauft.

Kann Guardiola auch Ausland?

Es ist vor allem der Trainer, der das Interesse der internationalen Berichterstatter auf sich zieht. Guardiola ist ein gewandter Mann, er spricht sechs Sprachen und hat sich in der ganzen Welt ein Image als Intellektueller des Fußballs aufgebaut.

Seine Nähe zu Trainerlegenden wie Cesar Luis Menotti, Johan Cruyff oder Marcelo Bielsa haben diesen Ruf genährt. Es gibt aber auch diese eine zentrale Frage, die Pep Guardiola mit nach München genommen hat: Kann er auch Ausland?

Funktioniert dieser Trainer auch außerhalb der Institution FC Barcelona, auf deren Grundsätze und Werte seine Philosophie aufgebaut ist? Als Spieler war er eine Ikone des FC Barcelona, seine Zeit im Ausland wirkt dagegen sprunghaft und erfolglos.

Brescia statt Juventus

Guardiola ist 30 Jahre alt, als er nach unruhigen Jahren in Barcelona mit diffamierenden Gerüchten über sein Privatleben zu Brescia Calcio nach Italien wechselt. Eine Mannschaft mit Roberto Baggio und dem jungen Luca Toni, trainiert von Carlo Mazzone.

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Guardiola wollte mit seinem Abschied aus Spanien neue Kulturen und auch neue Ideen vom Fußball kennenlernen. Dabei Brescia war nicht seine erste Wahl, er wollte zu Juventus Turin. Der Wechsel zum späteren Meister kam aber ebenso wenig zustande wie ein Transfer zu Manchester United oder dem FC Arsenal.

Positive Dopingtests

Guardiola unterschreibt seinen Vertrag in Brescia erst, als die Saison schon läuft und spielt nur elf Mal, die Mannschaft vermeidet am letzten Spieltag gerade noch den Abstieg aus der Serie A.

Das Thema ist da aber schon ein ganz anderes: Ende Oktober und Anfang November 2001 wird Guardiola zweimal positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet und vom italienischen Fußballverband vier Monate gesperrt.

Es ist das dunkle Kapitel in der Geschichte Pep Guardiolas und eine Zeit, in der sich der italienische Fußball immer wieder im Dunstkreis des Dopings bewegt. Auch Jaap Stam (Lazio Rom) und Edgar Davids (Juventus) werden beispielsweise positiv getestet.

Warten auf den Freispruch

"Ich habe hier eine harte Zeit verbracht", sagte Guardiola nach der Ankunft mit den Bayern im Trentino. Trotzdem fühle er sich auch jetzt noch zuhause in Brescia. "Aber die Justiz hätte schneller arbeiten können."

Bis zum 23. Oktober 2007 musste Guardiola auf seinen endgültigen Freispruch warten. Begründung: Die Dopinganalysen seien nicht glaubwürdig gewesen. Der italienische Fußballverband erkannte das Urteil sogar erst im Mai 2009 an. In erster Instanz war Guardiola 2005 zu 2000 Euro Geldstrafe und sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Sein engster Vertrauter und wichtigster Mitstreiter in dieser Zeit war Manel Estiarte, der Guardiola auch zum FC Bayern als persönlicher Berater gefolgt ist.

Lernen bei Capello

Nach einem Jahr in Brescia zieht Guardiola weiter zum AS Rom, der von Fabio Capello trainiert wird. Capello zerstörte mit dem AC Milan 1994 das Dream Team des FC Barcelona im Finale des Europapokals der Landesmeister mit 4:0. Ein historischer Triumph und ein einschneidendes Erlebnis in Guardiolas Spielerkarriere, weil Barca auch an seiner Überheblichkeit scheiterte.

Als Guardiola nach Rom geht, ist ihm klar, dass er nicht viele Spiele machen wird, aber dass er nach seiner Spielerlaufbahn weiter im Fußball arbeiten will. Bei der Roma will er Capellos Arbeitsweise und Spielidee kennenlernen, obwohl beide eine ganz unterschiedliche Art von Fußball verfolgen.

Nähe zu Lillo

Seine letzte Station bei Dorados de Sinola in Mexiko ist ebenfalls eine Bildungsreise. Er trainiert dort unter seinem Freund Juanma Lillo, der neben Cruyff den größten Einfluss auf Guardiolas Entwicklung als Trainer genommen hat.

Guardiola spielt auch hier wenig, aber die beiden Spanier unterhalten sich in stundenlangen Gesprächen über Trainingsmethodik, Spielanalyse und Spielvorbereitung.

Zweifelhafte Bande zu Katar

Vor dem Abschluss in Mexiko folgt Guardiola noch einer lukrativen Offerte aus Katar. Die zwei Jahre bei Al-Ahli lässt er sich fürstlich bezahlen und verbringt die meiste Zeit am Pool seiner Wohnanlage mit weiteren Altstars wie Fernando Hierro oder Gabriel Batistuta.

Die Bande ins Emirat am Golf reißen nie ab. Guardiola wird Botschafter, als sich Katar für die Ausrichtung der WM 2022 bewirbt, was ihm viel Kritik einbringt.

Guardiolas Funktionsteam beim FC Bayern: Peps Flüsterer

Während seiner Zeit in Barcelona wird die Qatar Foundation der erste Trikotsponsor in der Geschichte des Klubs. Vor seinem Sabbatical gibt es Gerüchte über ein Angebot der Kataris, ihre Nationalmannschaft zu trainieren. Kolportiertes Jahresgehalt: 36 Millionen Euro.

Guardiola entschied sich für die Auszeit in New York. Eine Stadt, in der er sich frei bewegen konnte, in einem Land, das nicht vom Fußballhype dominiert wird. Dort konnte er Kraft sammeln und seine Gedanken ordnen, bevor er einen neuen Anlauf im ausländischen Fußball unternahm.

Pep Guardiola im Steckbrief