"Vielleicht läuft er ganz wunderbar Schlittschuh"

Von Interview: Christian Bernhard
Anton Putsila (r.) wechselte im August 2010 von Dinamo Minsk zum SC Freiburg
© Getty

Anton Putsila hat in Freiburg seine neue Heimat gefunden, der Weißrusse ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil in der Mannschaft von Trainer Marcus Sorg. Im Interview spricht Putsila über das Wiedersehen mit Ex-Trainer Robin Dutt, seine persönliche Entwicklung und Teamkollege Papiss Cisse auf dem Eis.

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SPOX: Herr Putsila, Sie haben in Ihrer Jugend Eishockey gespielt. Gibt es in Freiburg einen Eishockey-Platz und haben Sie da auch schon Teamkollegen mitgenommen? Papiss Cisse in Schlittschuhen würde sicher eine gute Figur abgeben...

Anton Putsila: Klar gibt es hier eine Eishockeyhalle, die Freiburger Wölfe haben sogar früher mal in der DEL gespielt. Ich selbst war bisher leider noch nicht dort. Aber vielleicht liest ja ein Zuständiger das Interview und lädt mich mal zum Training ein. Ich kann dann Papiss ja fragen, ob er mitkommt. Vielleicht läuft er ganz wunderbar Schlittschuh - auch wenn mir da ein wenige die Vorstellungskraft fehlt. (lacht)

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SPOX: Cisse ist einer der gefährlichsten Stürmer der Liga und Freiburgs Torgarant - sonst weiß man aber nicht so viel von ihm. Was ist er für ein Typ?

Putsila: Papiss ist ein sehr angenehmer und entspannter Zeitgenosse - zumindest außerhalb des Platzes. Für seine Gegenspieler ist er dagegen äußerst unangenehm. Er ist kopfballstark, schnell und verfügt über eine sehr gute Technik. Und er hat etwas, was nur schwer zu lernen ist: einen sehr ausgeprägten Torinstinkt.

SPOX: Cisse ist gesetzt - und auch Sie haben sich mittlerweile in der Freiburger Startelf fest gespielt und wurden zuletzt von Trainer Marcus Sorg für ihre Ballsicherheit und ihren Fleiß gelobt. Auch taktisch haben Sie sich laut Sorg gesteigert. Wie beurteilen Sie ihre Entwicklung?

Putsila: Es ist immer schwer, sich selbst zu beurteilen. Ich glaube auch, dass ich auf einem sehr guten Weg bin. Aber natürlich habe ich noch Luft nach oben.

SPOX: Ein Manko bei Ihnen, wie auch bei Ihren Teamkollegen, ist momentan die fehlende Chancenverwertung. Sie sagten vor der Saison: "Ich muss mehr Tore schießen." Wurde im Training in den vergangenen Wochen vermehrt Wert auf den Abschluss gelegt?

Putsila: Wir sind wahrscheinlich nicht die einzigen, die Torschuss im Training üben. Wir versuchen, gewisse Automatismen einzustudieren. Aber klar ist auch, dass Training und Spiel trotzdem zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Das ändert aber nichts dran, dass ich persönlich auf jeden Fall torgefährlicher werden muss. Gegen Kaiserslautern war ich schon nahe an einem Treffer dran - vielleicht klappt's ja am Freitag gegen Leverkusen.

SPOX: Das würde dem SC guttun, denn nach fünf Niederlagen aus den letzten sechs Spielen wird es für Freiburg langsam eng. Was fehlt der Mannschaft momentan?

Putsila: Ein Erfolgserlebnis. Leider spiegeln die Ergebnisse nicht unbedingt den Spielverlauf wieder. Nehmen wir die beiden letzten Spiele: Gegen den HSV waren wir das klar bessere Team und in Kaiserslautern zumindest nicht das schlechtere. Doch unter dem Strich waren es zwei Niederlagen.

SPOX: Im Spiel gegen Leverkusen geht es für den SC auch gegen Ex-Coach Robin Dutt. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn und in was unterscheidet sich Marcus Sorg von seinem Vorgänger?

Putsila: Ich habe natürlich gute Erinnerungen an Robin Dutt. Die Unterschiede zu Marcus Sorg sind im Übrigen nicht sehr groß. Beide sind sehr gute Trainer. Man merkt, dass beide lange zusammengearbeitet haben. Aber jeder Trainer hat natürlich seine eigene Fußballphilosophie. Die Grundausrichtung unter Marcus Sorg ist vielleicht etwas offensiver.

SPOX: Das zeigen auch die Resultate: Der SC ist im Spiel nach vorne oft gefährlich, aber hinten sehr anfällig. 25 Gegentore sind gleichbedeutend mit der schlechtesten Defensive der Liga. Fehlt der Mannschaft die nötige Balance?

Putsila: Das glaube ich nicht. Im Gegenteil. Ich bin froh, dass wir in Freiburg traditionell für attraktiven Fußball stehen. Außerdem sollte man in der Diskussion nicht vergessen, dass wir sieben der 25 Tore gegen einen entfesselten FC Bayern kassiert haben.

SPOX: "Wir haben in zehn Spielen achtmal gut gespielt", sagte Marcus Sorg nach der Niederlage in Kaiserslautern. Ist "nur" gut spielen vielleicht einfach zu wenig?

Putsila: Gut spielen ist auf jeden Fall die Voraussetzung, um Erfolg zu haben. Von daher ist es sehr beruhigend, dass wir ordentliche Partien abliefern. Aber vielleicht fehlt uns derzeit manchmal noch etwas die Kaltschnäuzigkeit.

SPOX: Das große Freiburger Problem ist die fehlende Effizienz. Oft war der SC spielerisch mindestens ebenbürtig, vor dem Tor aber nicht abgeklärt genug - wie zum Beispiel auf Schalke. Wie wollen Sie das in den Griff bekommen?

Putsila: Weitermachen, nicht aufgeben. Irgendwann platzt der Knoten. Und dann wächst auch wieder das Selbstvertrauen.

SPOX: Zurück zu Ihnen: Sie wirken sehr ruhig und machen nicht den Eindruck, dass Sie gerne im Mittelpunkt stehen wollen. Nach dem Sieg gegen Gladbach wurden Sie von den Fans in der Kurve dazu aufgefordert, die Humba anzustimmen. Da standen Sie dann unweigerlich im Mittelpunkt.

Putsila: Das stimmt. Das war ein toller Moment. Jedes Mal wenn ich daran denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut. Das war so etwas wie die endgültige Bestätigung dafür, dass ich hier angekommen bin.

SPOX: Ihr großes Vorbild ist Alexander Hleb. Stehen Sie in Kontakt zu ihm? Was schätzen Sie an ihm und orientieren Sie sich auch fußballerisch an ihm?

Putsila: Wir hatten zuletzt keinen Kontakt mehr. Für mich steht außer Frage, dass Alex ein ganz starker Spieler ist, der dem VfL Wolfsburg auch helfen wird. Gerade als junger Spieler kannst Du Dir wahnsinnig viel von ihm abschauen. Wie er dribbelt. Oder wie er ein Spiel lesen und dann sofort die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann. Das ist schon beeindruckend.

SPOX: Freiburg ist Ihre zweite Station in Deutschland, Sie sind bereits 2007 nach Hamburg gekommen. Das war allerdings keine einfache Zeit für Sie. "Beim HSV waren viele Stars und mir wurde das Gefühl gegeben, ein Mensch zweiter Klasse zu sein", erzählten Sie rückblickend. Was ist jetzt in Freiburg anders?

Putsila: Vieles. Aber der größte Unterschied ist: Ich war bei meinem Wechsel nach Freiburg reifer, als Fußballer und als Mensch. Und ich wusste, was mich in Deutschland und in der Bundesliga erwartet. So gesehen waren die Erfahrungen aus Hamburg sehr wertvoll für mich.

SPOX: Mit der Sprache dürfte es jetzt auch besser funktionieren. Wie läuft der Deutsch-Unterricht? Zusammen mit Ihrer Lehrerin Stefanie von Mertens bearbeiten Sie ja Themengebiete, die zum jeweiligen Gegner passen: Vor dem Schalke-Match ging es beispielsweise um Bergbau.

Putsila: Unsere Lehrerin lässt sich da immer etwas Besonderes einfallen. Vor dem Spiel in Kaiserslautern haben wir Ausschnitte aus "Das Wunder von Bern gesehen" und uns danach über Fritz Walter und die anderen Spieler aus Kaiserslautern unterhalten. Ich lerne also nicht nur die Sprache, sondern auch andere interessante Dinge. Das finde ich klasse.

Anton Putsila im Steckbrief

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