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Fussball

"Dzeko kann den Fluch brechen"

Von Florian Bogner
Grafite hat für den VfL Wolfsburg 55 Tore in 87 Bundesligaspielen erzielt
© Getty

2009 wurde er mit dem VfL Wolfsburg deutscher Meister, dazu noch Torschützenkönig und Fußballer des Jahres. Nach einem Formtief in der vergangenen Spielzeit greift Grafite wieder voll an und hat sich dank starker Leistungen seinen Stammplatz in der ersten Elf zurückerobert. Zusammen mit Diego und Edin Dzeko bildet der Brasilianer in dieser Saison ein neues magisches Dreieck in der Bundesliga.

Im SPOX-Interview spricht Grafite über sein schlechtes Jahr nach der Meisterschaft, Vergleiche zwischen Misimovic und Diego sowie seinen neuen Trainer Steve McClaren.

SPOX: Grafite, sagt Ihnen das "magische Dreieck" was?

Grafite: Ehrlich gesagt, nein.

SPOX: Giovane Elber, Fredi Bobic und Krassimir Balakow wurden so genannt, als Sie vor 13 Jahren für den VfB Stuttgart zauberten.

Grafite: Ich weiß natürlich, wer Giovane Elber ist, weil er für Bayern München gespielt hat. Und ich kenne Herrn Bobic als VfB-Manager. Aber vom "magischen Dreieck" habe ich noch nie gehört.

SPOX: Dabei könnte man Sie zusammen Diego und Edin Dzeko auch als magisches Dreieck bezeichnen.

Grafite: Das könnte man so sagen, ja. (lacht) Wir haben wirklich ein herausragendes Offensiv-Potential, vor uns ist keine Abwehr sicher. Ob wir wirklich zaubern können, weiß ich nicht, aber wir werden in dieser Saison viele Tore machen, davon bin ich fest überzeugt.

SPOX: Mit Diego und Josue haben Sie nun eine brasilianische Achse in Wolfsburg. Ein Vorteil für Sie, viele Brasilianer im Team zu haben?

Grafite: Es ist immer angenehm, Landsleute bei sich zu haben. Sie fühlen genauso wie ich, das macht es für mich viel einfacher. Aber all die anderen Spieler hier sind ebenfalls sehr nett.

SPOX: Und wer ist der bessere Spielmacher: Ihr Landsmann Diego oder Zvjezdan Misimovic?

Grafite: Ich will die beiden gar nicht vergleichen. Beide sind internationale Topspieler, doch sie interpretieren ihre Rolle auf dem Feld unterschiedlich. Diego ist sehr ballsicher, ein sehr auffälliger Spieler, der unserer Mannschaft gut tut.

SPOX: Im letzten Jahr erzielten Sie respektable elf Tore, dennoch sprechen viele von einem schlechten Jahr. Wie beurteilen Sie persönlich Ihre letzte Saison?

Grafite: Nach der Meisterschaft und meiner phänomenalen Saison wollte ich einfach zu viel. Ich wollte in jedem Spiel treffen und hatte schon nach wenigen Spielen den Kopf nicht mehr frei. Heute bin ich gelöster. Für mich war die letzte Saison eine schwierige Erfahrung, aus der ich viel gelernt habe.

SPOX: In Deutschland spricht man über den "Torjägerfluch": Jeder Torschützenkönig seit Ulf Kirsten 1998 schießt in der Folgesaison mindestens neun Tore weniger, im Durchschnitt sogar 13 Tore weniger. Wie kann man das erklären?

Grafite: (lacht) Auch ich fühlte mich von diesem Fluch verfolgt! Aber im Ernst: Jeder erwartet von dir, dass du immer weiter so triffst. Die Medien, die Fans, der Manager, der Trainer, die Mannschaft. Außerdem, und das ist das wichtigste, du erwartest das auch selbst von dir. Das ist eine schwierige Situation und vielleicht eine Erklärung für das Phänomen.

SPOX: Kann Dzeko den Fluch in dieser Saison brechen?

Grafite: Dzeko ist ein exzellenter Torjäger. Wenn es einer schafft, den Fluch zu brechen, dann er.

SPOX: Sie selbst haben auch schon wieder fünf Tore auf dem Konto. Sie scheinen sich vor allem im 4-4-2 sehr wohl zu fühlen...

Grafite: Ich weiß selbst nicht genau, warum das so ist, aber es stimmt. Ich agiere gern mit einem zweiten Stürmer, um für die Mannschaft Torchancen zu erarbeiten. Das ist im 4-4-2 leichter.

SPOX: Armin Veh im letzten Jahr und Steve McClaren in dieser Saison versuchten beide ein 4-2-3-1 und scheiterten damit. Kann Wolfsburg nur im 4-4-2?

Grafite: So weit würde ich nicht gehen. Die Systeme sind einfach verschieden, und Sie dürfen nicht vergessen, welche Probleme selbst die Bayern im letzten Jahr damit hatten. Die wären beinahe auch gescheitert. In denke, es ist ganz allgemein schwierig, sich auf ein neues System umzustellen - vor allem in einer Liga, in der man es sich einfach nicht erlauben kann, Punkte liegen zu lassen.

SPOX: Wie läuft nun in dieser Saison die Zusammenarbeit mit Steve McClaren? Sie haben den Vergleich mit Magath, Veh und Köstner.

Grafite: Jeder Trainer setzt in der Trainingsarbeit andere Schwerpunkte, insofern will ich gar keine Vergleiche anstellen. Aber McClaren weiß viel über Fußball und hat sehr viel Erfahrung. Wir Spieler profitieren von seinem Wissen.

SPOX: Wie lauten Ihre Ziele für diese Saison?

Grafite: Ich glaube, wir haben genug Qualität, um uns für die Champions League zu qualifizieren. Das ist unser Ziel - und das scheint auch realistisch.

SPOX: Im letzten Interview erzählten Sie uns, sie würden versuchen, wie ein Deutscher zu leben. Es gebe nur zwei Probleme: Die Sprache und das Wetter. Wie ist es heute?

Grafite: Das gilt immer noch. (lacht) Die deutsche Sprache ist sehr schwierig für mich - und das Wetter im Norden ist nicht gerade geschaffen für einen Brasilianer. Aber ich bin hier trotzdem glücklich. Ich mag die Mentalität der Leute, deshalb ist es einfach, mich hier wohl zu fühlen.

SPOX: Und inwiefern leben Sie inzwischen wie ein Deutscher?

Grafite: Seit ich hier lebe, bin ich viel besser organisiert. Und ich bin immer pünktlich. In Brasilien erwartet das keiner von dir.

SPOX: Und wie läuft's mit der Sprache?

Grafite: Ich arbeite daran, aber ich spreche immer noch lieber Portugiesisch. Ich verstehe in der alltäglichen Kommunikation eigentlich alles auf Deutsch, aber die ganzen grammatikalischen Feinheiten machen mir das Sprechen immer noch schwer.

SPOX: Und welche deutschen Spezialitäten essen Sie gern?

Grafite: Ich stehe auf Bratwurst. Wenn ich in den Supermarkt gehe, versuche ich, mir immer sämtliche Wurstsorten zu kaufen.

Grafite im Steckbrief

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