Massive Kritik an HSV-Vorstand

SID
Bernd Hoffmann ist seit Februar 2003 Vorstandsvorsitzender beim HSV
© Getty

Bernd Hoffmann war bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstag Abend massiver Kritik ausgesetzt. Die Mitglieder warfen ihm fehlende Transparenz beim Projekt "Anstoß hoch 3" vor.

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Um 21.51 Uhr erst meldete sich der erste Unterstützer der Pläne von Chef Bernd Hoffmann und seinen Vorstandskollegen zu Wort und wurde sogleich niedergeschrieen: "Geh´ doch wo du wohnst!" Es ging hitzig zu auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Hamburger SV am Dienstagabend und die Stimmung unter den meisten der knapp 1000 Anwesenden war eindeutig: Gegen Hoffmann, gegen den Aufsichtsrat und gegen das neue Investorenprojekt "Anstoß3".

Damit will der Vorstand externe Gelder für Spielerverpflichtungen und Vertragsverlängerungen generieren. Ein entsprechender Vertrag mit dem Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühne ist nach Zustimmung des Aufsichtsrates bereits abgeschlossen worden, ohne dass die Mitgliedschaft informiert wurde oder gar zugestimmt hat. "Das ist eine unglaubliche Arroganz unserer Führungsorgane", kritisierte der langjährige Vorsitzende des Ältestenrats, Claus Runge.

Insgesamt 15 Millionen von Kühne

Kühne stellte dem Klub 7,5 Millionen Euro für Vertragsverlängerungen zur Verfügung und erhält dafür ein Drittel möglicher zukünftiger Transfererlöse der Spieler Dennis Aogo, Marcell Jansen und Paolo Guerrero. Weitere 7,5 Millionen gibt Kühne für den Kauf neuer Spieler und ist dafür an deren möglichem Weiterverkauf ebenfalls mit 33,3 Prozent des zukünftigen Transfererlöses beteiligt.

Dieses Geschäftsmodell weckt natürlich große Skepsis bei den Kritikern. "Wir verkaufen unsere Unabhängigkeit", stellte Ex-Präsident Jürgen Hunke fest und fragte den Aufsichtsrat: "Wie können Sie solche Zockerei zulassen."

Ralf Bednarik, der Chef der mächtigen Supporters-Abteilung, die die Mitgliederversammlung beantragt hatte, glaubt nicht, dass Kühne nur zum Wohl des HSV handelt: "Wenn einer investiert, will er auch Gewinne mitnehmen, das ist kalkuliertes Business."

Kühne-Vertrag wie "ein Sechser im Lotto"

Immer wieder wurde das grundlegende Misstrauen der anwesenden Mitglieder gegenüber dem Vorstand deutlich, sie glauben den Erklärungen von Hoffmann einfach nicht, das Verhältnis wirkt zerrüttet. Kühne wolle und habe keinerlei Mitspracherecht an Personalentscheidungen, betonte Hoffmann in seinem 50-minütigen Vortrag immer wieder: "Wir bleiben immer Herr des Handelns, für uns ist der Vertrag wie ein Sechser im Lotto."

Alle klassischen Vermarktungsmöglichkeiten wie Stadionname, Business-Seats und Logen, Dauerkarten etc, sind bereits zu fast 100 Prozent ausgeschöpft. "Sportlicher Erfolg ist das Ergebnis wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit", stellte Hoffmann fest, "und wir können nicht zum Vorstand eines Großkonzerns gehen und um Extramittel bitten oder Anteile verkaufen wie Bayern München. Trotzdem ist unser Anspruch, oben mitzuspielen."

Einen Gewinn von 500.000 Euro machte der Klub nach vorläufigen Berechnungen im abgelaufenen Geschäftsjahr, knapp 45 Millionen Euro lägen derzeit auf dem Konto.

Kein Ausverkauf beim HSV

Der HSV ist damit finanziell am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Durch das Verfehlen des Europacups fehlen in der kommenden Saison Einnahmen von rund acht Millionen Euro.

"Der Vertrag versetzt uns in die Lage, die Mannschaft für die kommende Saison zusammenzuhalten", erklärte Hoffmann in einem Nebensatz und wurde mit einer ähnlichen Aussage von einem Aufsichtsratsmitglied unterstützt. Das genau scheint der Knackpunkt zu sein.

Zur Zeit laufen Vertragsgespräche mit den Nationalspielern Dennis Aogo und Piotr Trochowski, die man gerne halten möchte. Kühnes Geld muss dabei ebenso helfen wie bei Neuverpflichtungen. Dennis Dieckmeier (Nürnberg) und Gojko Kacar (Berlin) sind die neuesten Kandidaten.

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