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Fussball

Das Sport-Studium muss warten

Von Interview: Haruka Gruber
Vor der Saison noch ein Nobody, jetzt zieht Schalkes Youngster Moritz (l.) die Blicke auf sich
© Imago

Mit Christoph Moritz (19) und Lukas Schmitz (21) hat Schalke-Trainer Felix Magath zwei Spieler aus der Regionalliga-Mannschaft der Königsblauen entdeckt, die vor der Saison noch niemand kannte. Im SPOX-Doppel-Interview sprechen die beiden S04-Youngster über ihren rasanten Aufstieg, Magaths Geheimnis und Zinedine Zidane.

SPOX: Herr Moritz, während das typische Fußball-Talent früh in einem Elite-Internat oder bei einem Spitzenverein ausgebildet wird, sollen Sie bis vor vier Jahren in der Kreisliga gespielt und nur zweimal die Woche trainiert haben. Stimmt das?

Christoph Moritz: Ja, bis ich 16 war, habe ich in meinem Heimatdorf Arnoldsweiler gespielt, zudem gab es einmal die Woche noch Training mit der Kreisauswahl. 2006 habe ich den Sprung zu Alemannia Aachen gewagt, wo ich drei Jahre blieb, dann ging es nach Schalke.

SPOX: Wie war Ihr bisheriger Werdegang, Herr Schmitz?

Lukas Schmitz: Ich habe zwar auch in einem Städtchen, in Sprockhövel, gespielt, aber der dortige Klub war immerhin in der NRW-Liga. 2007 bin ich von dort zur zweiten Mannschaft des VfL Bochum gewechselt, bevor ich wie Christoph in diesem Sommer von Schalke II verpflichtet wurde.

SPOX: Warum haben Sie sich beide für Schalke entschieden? Man müsste meinen, dass in Aachen und Bochum der Durchbruch leichter fällt.

Moritz: Mein alter Trainer bei den A-Junioren der Alemannia, der auch die zweite Mannschaft trainiert hatte, wurde leider entlassen. Daher hatte ich bei Schalke das bessere Gefühl, zumal die Verantwortlichen der zweiten Mannschaft um mich gekämpft haben.

Schmitz: Bei mir war es ähnlich. Ich hatte in Bochum nicht das Gefühl, dass ich den Sprung in den Profikader schaffen könnte. Die Klubführung machte nicht den Eindruck, als ob sie mir das zutrauen würde. Schalke hingegen hat mir eine Chance gegeben. Dass das aber so schnell geht, war nicht einmal ansatzweise zu erwarten.

Moritz: Es ist wirklich unglaublich, wie rasant es ging. Im Grunde wollte ich mich auf Schalke zunächst in der zweiten Mannschaft festbeißen, an das körperbetonte Spiel gewöhnen und Stammspieler werden. Parallel habe ich geplant, ein Sportstudium zu beginnen - aber daran ist jetzt nicht mehr zu denken (lacht).

SPOX: Alles dank Felix Magath.

Moritz: Es gehört viel Glück dazu, mit einem Trainer arbeiten zu dürfen, der so mutig auf so viele junge Spieler setzt. Aber man muss die Gelegenheit auch erkennen und nutzen, so wie wir beide es getan haben.

Schmitz: Ein Erfolgsgeheimnis von Felix Magath ist seine Rhetorik. Ich habe selten erlebt, dass jemand eine solch klare Sprache hat. Wenn er eine Ansage macht, weiß jeder ganz genau, was von ihm erwartet wird. Davon profitieren die jungen Spieler natürlich besonders.

SPOX: Sie beide sind jung und agieren im defensiven Mittelfeld. Worin unterscheiden sie sich?

Schmitz: Wir sind andere Fußballer-Typen. Meine Stärke ist sicherlich mein linker Fuß, mit dem ich früher schon alle möglichen Freistöße trainiert habe. Zum Beispiel habe ich früher Spieler wie Roberto Carlos beobachtet, um zu sehen, wie genau er seinen linken Fuß  einsetzt.

Moritz: Mein Lieblingsspieler war immer Zinedine Zidane, aber mit so einem Klassemann will ich mich natürlich nicht vergleichen. Das wäre doch etwas anmaßend, zumal ich mich wie Lukas defensiv wohler fühle. Meine größte Stärke ist wohl die Kondition, zudem kann ich als Sechser, aber auch im rechten Mittelfeld eingesetzt werden.

SPOX: Magath weigert sich, Schalke als Spitzenteam anzusehen. Aber das Duell gegen Leverkusen war schon das Duell zweier Titelkandidaten?

Moritz: Die bisherige Saison ist ein Riesenerlebnis. Ich hätte nie erwartet, dass es für mich und die Mannschaft so großartig beginnt. Aber im Fußball können Kleinigkeiten alles verändern. Im Pokal bei TSV 1860 München habe ich im Mittelfeld einen Fehlpass gespielt, der fast zum 0:1 geführt hätte. Dann wären wir vielleicht ausgeschieden, statt 3:0 zu gewinnen. Daher bin ich vorsichtig und verstehe die Ansicht des Trainers.

Schmitz: Wir sind definitiv noch kein Titelkandidat. Das sieht man alleine daran, dass es in der Bewegung nach vorne noch hier und da hakt.

SPOX: Woran liegt es, dass die Offensive im Vergleich zur Defensive so abfällt?

Schmitz: Ich würde nicht sagen, dass die Offensive abfällt. Wenn man überlegt, wie effektiv unsere Mannschaft vorne spielt - wie zum Beispiel beim Sieg in Stuttgart - dann ist das schon gut. Dennoch können wir immer noch etwas verbessern.

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