Fussball

Ex-Bayern-Juwel und 1860-Star Berkant Göktan über Absturz: Habe "oft nach Alkohol gerochen"

Von SPOX
Berkant Göktan sprach in einem Interview über seinen Absturz.
© getty

Berkant Göktan, einst beim FC Bayern München als kommender Star gefeiert und später erfolgreicher Zweitliga-Profi bei 1860 München, hat in einem Interview offen über seine Alkohol- und Drogensucht gesprochen. Im Oktober 2008 war der heute 38-Jährige bei 1860 wegen Kokainmissbrauchs gekündigt worden.

"Ich habe sehr viele dunkle Erinnerungen. Mich hat es komplett zerstört, und zusätzlich hat auch das Image des Vereins sehr stark gelitten", sagte Göktan gegenüber Sport1. "Dummheit und Gier" seien die Gründe gewesen, warum er sich zum Drogenkonsum habe verführen lassen. "Es war eine Sache, die ich als junger Mensch ausprobiert habe und an der ich dann hängen geblieben bin. Man kann nicht von heute auf morgen aufhören. Es war ein großer Fehler."

Die Verantwortlichen von 1860 merkten seinerzeit nach und nach Veränderungen in Göktans Persönlichkeit, schon dessen Alkoholsucht war zuvor vermehrt offensichtlich geworden und im Klub bekannt. "Der Verein hat mich geschützt. Auch meine Mannschaftskollegen haben damals mitbekommen, dass ich alkoholisiert beim Training erschienen bin. Ich habe oft nach Alkohol gerochen."

Berkant Göktan: "Habe mich zuhause eingesperrt und Drogen und Alkohol allein konsumiert"

Wilde Partynächte habe er während jener Zeit nicht gefeiert, stattdessen ganz alleine seine Probleme im Alkohol ertränkt. "Es gab keine Party-Tour durch die Stadt. Es war privat. Ich habe mich einfach zu Hause eingesperrt und die Drogen und den Alkohol allein für mich konsumiert", offenbarte der frühere Stürmer, der seit seinem Aus bei 1860 zwar nie wieder Kokain konsumiert hat, allerdings weiter Alkoholprobleme hatte. "Wegen meines Alkoholkonsums habe ich mich bis zuletzt behandeln lassen. Ich habe sehr lange exzessiv getrunken. Und seit einigen Monaten trinke ich gar nicht mehr", so der Deutsch-Türke. "Das war ein schwieriger Abschnitt in meinem Leben. Und es war verdammt hart, alles zu verarbeiten, denn meine Vergangenheit hat mich immer wieder eingeholt. Aber ich musste stark sein für meine Familie."

Göktan, der seine aktive Laufbahn Anfang 2014 endgültig beendet hatte, war Ende der 1990er Jahre ein geyhptes Talent bei den Bayern. Als 17-Jähriger debütierte er unter Ottmar Hitzfeld für die Profis, wurde von Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer und Co. in den Himmel gelobt. Doch der Durchbruch sollte ihm nie gelingen, nach Stationen bei Bielefeld, Gladbach, Galatasaray, Besiktas und Kaiserslautern stand Göktan im Frühjahr 2006 schließlich ohne Verein da.

Mit seinen Brüdern und Freunden hielt er sich in seiner Heimatstadt München irgendwie fit, kam durch Zufall zunächst bei der zweiten Mannschaft von 1860 unter. Als Marco Kurz, seinerzeit dort Trainer, zu den Profis befördert wurde, nahm er Göktan mit nach oben - und der startete plötzlich wieder im Profibereich durch, wurde Schlüsselspieler beim damaligen Zweitligisten.

Berkant Göktan: Flucht nach Thailand "war die richtige Entscheidung"

"Es tut mir sehr leid. Ich habe den Erfolg bei Sechzig damals nicht verarbeiten können. Es ging alles zu schnell. Ich hatte kaum Zeit, darüber nachzudenken, wie ich es vielleicht hätte anders machen können", gestand Göktan nun. Vor allem, dass er seinen Coach Kurz und den damaligen 1860-Manager Stefan Reuter enttäuschte, belastet ihn noch heute: "Ich bereue wirklich sehr, dass ich mich nicht bei den Verantwortlichen, den Fans und den Spielern persönlich entschuldigt habe. Ich bin einfach abgehauen. Das tut mir sehr leid. Besonders gegenüber Marco Kurz, Stefan Reuter und dem damaligen Präsidenten (Rainer Beeck, d. Red.). Und natürlich den Fans."

Als 1860 ihn am 21. Oktober 2008 rauswarf, flüchtete Göktan ins Ausland, ganz weit weg. "Vom Verein wurde mir mitgeteilt, dass am nächsten Tag die Medien informiert werden würden. Aber ich wollte mich nicht stellen, wollte nur noch weg", erzählt er. "Deshalb bin ich sofort nach Thailand geflogen. Es war sehr spontan. Ich hatte zwei Ziele zur Auswahl und dann fiel meine Wahl auf Thailand. Es war die richtige Entscheidung."

In Thailand lernte Göktan seine heutige Ehefrau kennen, hat mit ihr zwei Kinder. Er spielte dort sogar kurz mal Fußball, allerdings auch nicht länger als in der Saison 2013/14 beim Regionalligisten SV Heimstetten, für den er letztlich nur einen Kurzeinsatz absolvierte.

Seit drei Wochen ist Göktan nun wieder fest zurück in München, wohnt mit Frau und Kindern bei seinen Eltern und seinen Brüdern. "Ich habe heute mein Leben wieder im Griff", betont er.

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