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Fussball

UEFA-Präsident Michel Platini unter Schock

SID
Michel Platini folgte 2007 auf Lennart Johansson als UEFA-Präsident
© Getty

Die UEFA um Präsident Michel Platini reagiert geschockt auf die Feststellung, dass auch Spiele der Champions League sowie der Europa League vom Wettskandal betroffen sein sollen.

Die Europäische Fußball-Union steht unter Schock: Der größte Wett- und Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs stellt die ganze Saison in der Champions League und in der neuen Europa League auf den Kopf.

Denn nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum sind aus der laufenden Saison auch drei Spiele der Königsklasse sowie zwölf Spiele des UEFA-Cup-Nachfolgers vom Wettskandal betroffen.

"Wir müssen erst die Täter ermitteln, bevor wir sagen können, ob es Konsequenzen für die laufenden Wettbewerbe gibt. In diesem Stadium der Ermittlungen können wir die Nationalverbände noch nicht informieren. Sie werden erst informiert, wenn das kein Hindernis für die Ermittlungen darstellt", sagte Peter Limacher, UEFA-Experte für Bekämpfung von Spielmanipulationen, bei der Pressekonferenz am Freitag in Bochum.

Bayern-Spiel nicht betroffen

Da 15 Spiele in der laufenden Spielzeit manipuliert worden sein sollen, ist zumindest das einst unter Betrugsverdacht geratene UEFA-Cup-Halbfinale zwischen Rekordmeister Bayern München und Zenit St. Petersburg (0:4) am 1. Mai 2008 nicht unter den betroffenen Spielen. Die Verdachtsmomente hatten sich allerdings bereits damals schnell zerschlagen.

Für die UEFA waren die am Freitag bekannt gewordenen ersten Ermittlungsergebnisse dennoch ein Schlag ins Gesicht. Schließlich sind nicht nur Europapokalspiele, sondern in Kroatien, Slowenien, Türkei, Ungarn, Bosnien und Österreich auch Erstligaspiele von dem Skandal betroffen.

"Die UEFA fordert die härtesten Sanktionen von den zuständigen Gerichten für Einzelpersonen, Klubs oder Offizielle, die beteiligt sind", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino. Dabei hatte die UEFA unter Präsident Michel Platini in den vergangenen Monaten den Kampf gegen Manipulationen von Sportwetten forciert und seine Überwachungen ausgeweitet.

Platini klagt an

"Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass manche Vereine, die nicht darauf hoffen können, ganz oben mitzuspielen, versuchen, aus ihrer Teilnahme an den europäischen Wettbewerben mittels illegaler Wetten und Spielabsprachen Profit zu schlagen", sagte Platini.

Zu Beginn dieses Jahres hatte die UEFA das Frühwarnsystem gegen Wettbetrug (BFDS) eingeführt. Die UEFA hatte zuletzt 40 Spiele auf mögliche Manipulationen untersucht und Sportgerichtsverfahren eingeleitet. Dabei handelte es sich ebenfalls um Begegnungen der Champions League sowie des damaligen UEFA-Pokals.

Neue Datenbank aufgebaut

Zudem bewirkte Platini, dass seit dieser Saison europaweit auch die Begegnungen der beiden höchsten Ligen sowie die Pokalspiele beobacht werden. Zudem wurde eine Datenbank aufgebaut, die Spiel- und Wettdaten mit dem Ziel verknüpft, Profile für Spieler, Trainer und Klubs zu erstellen.

Dass europaweit bislang 200 Spiele unter Manipulationsverdacht stehen und ein Großteil der Betrügereien auf dem Wettmarkt nicht durch die Frühwarnsysteme erkannt wurden, wirft ein schlechtes Licht auf die Bemühungen der Fußballverbände.

"Die Frühwarnsysteme können nicht jede Form von Wettbetrug aufdecken", beschrieb Limacher den problematischen Kampf gegen die Wett-Mafia. Auch der Weltverband FIFA gründete vor vier Jahren das "Early Warning System", um die Wettvorgänge zu beobachten. Über Erfolge ist kaum etwas bekannt.

DFB und DFL haben Kampf verstärkt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben seit dem Skandal um den Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer vor knapp fünf Jahren den Kampf gegen Sportwettenbetrug verstärkt. Seitdem arbeiten DFB und DFL mit dem Unternehmen Sportradar zusammen.

Bei Sportradar werden die Quotenveränderungen der Wettanbieter in bestimmten Zeitabständen untersucht. Wann immer die Einsätze zu sehr in die ein oder andere Richtung ausschlagen, werden automatisch Warnungen versendet.

Anfällig für Betrügereien sind aber insbesondere die so genannten Live-Wetten, die nur schwer zu überwachen sind. Dass nun derart viele Begegnungen aus dem internationalen Fußball unter Manipulationsverdacht stehen, stellt die Frühwarnsysteme in Frage. Ohnehin wurde der Skandal nur eher zufällig durch abgehörte Telefonate der Polizei im Bereich der organisierten Kriminalität ins Rollen gebracht.

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