Formel 1

Das Ende der Gefühlsachterbahn

Kimi Räikkönen stellte seinen Lotus auf der Yas-Insel schon in der zweiten Kurve ab
© getty

Dass Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel den Großen Preis von Abu Dhabi mit einer neuerlichen Rekordfahrt gewonnen hat, ist keine Überraschung. Das eigentliche Thema auf der Yas-Insel war Kimi Räikkönen, der eines der schlechtesten Wochenenden seiner Karriere erlebte. Die Bilderbuch-Beziehung zu Lotus ist endgültig Vergangenheit.

Er konnte gar nicht schnell genug weggekommen. Während am Sonntag gerade die 15. von 55 Runden in Abu Dhabi gefahren wurde, schlurfte Räikkönen schon mit Badelatschen zu seinem Jeep und verließ den Ort, an dem er 2012 seinen ersten Sieg nach seiner Rallye-Pause gefeiert hatte.

Rennen: Vettel stellt Schumis Rekord ein

Schon sportlich war der Abu-Dhabi-GP ein totales Desaster. Den fünften Startplatz verlor Räikkönen, weil der Unterboden seines E21 den FIA-Tests nicht standhielt. Beim Start vom letzten Platz kollidierte er in der ersten Kurve mit Giedo van der Garde und stellte den Lotus mit beschädigter Radaufhängung in der zweiten Kurve ab.

Crashte Räikkönen absichtlich?

"Ich habe es irgendwie hingekriegt, den Caterham zu berühren", sagte Räikkönen noch bevor er verschwand. Der getroffene Niederländer hatte den Schuldigen sowieso ausgemacht: "Ich habe es klar gesehen. Das war nicht mein Fehler." Steckte Absicht dahinter? Es würde nur zu gut zur Geschichte des Wochenendes passen.

Schon am Donnerstag zogen in Abu Dhabi sprichwörtliche dunkle Wolken über dem Motorhome des Teams aus Enstone auf. Räikkönen blieb den üblichen Medienterminen ohne Abmeldung fern. "Ich will dazu nichts sagen, um nicht mehr Öl ins Feuer zu gießen", erklärte Eric Boullier gegenüber dem finnischen Sender "MTV3". Selbst der Teamchef des früheren Konstrukteursweltmeisters schien nicht zu wissen, wo sich sein Starpilot aufhielt.

Die Vorzeigebeziehung ist beendet

Die Erklärung lieferte der 34-Jährige schließlich, als er am Freitag zu den Freien Trainings auftauchte: "Ich bin später gekommen, weil ich überlegt habe, nicht am Rennen teilzunehmen", gab Räikkönen bekannt. Die Vorzeigebeziehung des schwierigen Finnen und des Teams mit dem großen historischen Namen hat riesige Risse bekommen. Lotus habe Grenzen überschritten, erklärte Räikkönen.

Dabei ging es allerdings nicht um den unangebrachten Funkspruch beim Indien-GP vor einer Woche. Weil Romain Grosjean von hinten heranrauschte, faltete Chefingenieur Alan Permane den Finnen in Greater Noirda so ausartend zusammen, dass der Funkspruch mit einem Piepton ausgeblendet wurde. "Don't fucking shout at me, when I'm in a fast fucking corner", lautete die Antwort Räikkönens.

"Ich habe noch keinen Euro Gehalt bekommen"

Der Grund für das verspätete Erscheinen am Yas Marina Circuit war dagegen Geld. "Ich habe in dieser Saison noch keinen Euro Gehalt bekommen", verkündete der Iceman. Nach "BBC"-Informationen beträgt Räikkönens Salär acht Millionen Euro jährlich zuzüglich 50.000 Euro pro Punkt. Bei 183 Zählern kämen schon jetzt 9,15 Millionen Euro als Prämie dazu, was ein Jahresgehalt von 17,15 Millionen bedeutet.

"Ja, wir schulden ihm etwas Geld", untertrieb Boullier. Rund zehn Millionen Euro sollen noch fehlen. Sogar einen Streik zog Räikkönen in Betracht. "Sicher", antwortete er auf die Frage, ob ein Boykott der letzten beiden Saisonrennen in den USA und Brasilien zur Debatte stehe: "Irgendwo muss ich einen Strich ziehen. Wenn es darüber hinausgeht, ist es nicht mehr mein Fehler."

Da Räikkönen mit einem Nichtantritt wohl auch seinerseits vertragsbrüchig werden würde, verhandelte sein Manager Steve Robertson intensiv mit Lotus-Eigner Gerard Lopez. Am Sonntagmorgen soll schließlich der Durchbruch gelungen sein. Der Finne startet bei den beiden letzten Rennen.

Lotus: Durchbruch mit neuem Investor

Die offenen Rechnungen sollen schnellstmöglich bezahlt werden. Offenbar ist Lopez sicher, dass die Kassen bald wieder gefüllt sind. Dazu passt, dass sich Mansoor Ijaz nach dem Rennen bei "Autosport" zu Wort meldete. Schon am 18. Juni hatte Lotus bekanntgegeben, dass die vom US-Amerikaner geführte Infinity Racing Partners Limited 35 Prozent der Teamanteile übernehmen wird.

Allerdings zogen sich die Verhandlungen bis zu diesem Wochenende in die Länge und vergrößerten das Budgetloch bei Lotus. "Der Deal ist durch. Zumindest all das, was von unserer Seite erledigt werden musste", gab Ijaz nun bekannt: "Wir mussten Wege finden, die nötigen Mittel so zu transferieren, sodass unsere Investoren keine Probleme bekommen."

"Ich habe mit bei Kimi entschuldigt"

Offenbar trugen die Bemühungen Früchte. Die versprochenen Gelder sollen auf den Konten von Lotus eingegangen sein. "Ich habe mich gestern Abend mit Kimis Manager Steve Robertson getroffen. Ich habe ihn gebeten, Kimi zu erklären, warum das alles so lange gedauert hat", sagte Ijaz: "Ich habe mich bei Steve Robertson und bei Kimi entschuldigt."

Weitere Finanzprobleme schließt er aus. "Wir haben jetzt schon so viel Geld reingeschossen, dass das Team im kommenden Jahr bestens überleben kann - egal, was passiert", so Jiaz. Neue, große Sponsoren sollen folgen. Der Investor selbst sprach von Verbindungen zu Coca Cola und Microsoft. Anschließend könne der 35-prozentige Anteil soweit ausgebaut werden, dass das Team komplett übernommen wird.

Damit dürfte auch die Entscheidung über die Besetzung des aktuell begehrtesten freien Cockpits für die Saison 2014 gefallen sein. Weil eine weitere Zusammenarbeit mit dem Iceman durch seinen Wechsel zur Scuderia Ferrari nicht möglich wurde, steht Nico Hülkenberg mit einem Bein in der Lotus-Garage.

"Der Vertrag ist vorbereitet. Nico ist interessiert und ich gehe davon aus, dass es innerhalb recht kurzer Zeit formalisiert werden wird", verkündete Ijaz. Die Sponsorenmillionen des venezolanischen Paydrivers Pastor Maldonado sind nicht mehr nötig.

Der WM-Stand im Überblick

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