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Formel 1

Formel 1 - Saudi-Arabien-GP: "F1 spielt mit dem Feuer!" Entscheidung nach hitzigen Diskussionen gefallen

Von SID/SPOX
Die Formel 1 will trotz der Explosionen nahe der Rennstrecke in Saudi-Arabien fahren.

Die Formel-1-Piloten um Max Verstappen und Lewis Hamilton steckten in Dschidda stundenlang die Köpfe zusammen - und verließen die Rennstrecke am Samstagmorgen um kurz vor drei Uhr praktisch wortlos.

Die Formel 1 wird trotz der nahen Explosion an der Austragung des Großen Preises von Saudi-Arabien (Sonntag, 19.00 Uhr im LIVETICKER) festzuhalten. Das gab die FIA am Samstagmorgen offiziell bekannt.

"Formel 1 und die FIA können bestätigen, dass nach Diskussionen mit allen Teams und Fahrern der Saudi-Arabien-Grand-Prix wie geplant weitergehen wird", heißt es in einem Statement. "Infolge des weitläufig berichteten Vorfalls, der am Freitag in Jeddah passierte, gab es ausführliche Diskussionen zwischen allen Beteiligten, der saudischen Regierung und Sicherheitsorganen, die uns vollumfänglich und detailliert versichert haben, dass die Veranstaltung sicher ist."

Zudem unterstrich die FIA: "Wir haben uns darauf geeinigt, mit allen Beteiligten einen klaren und offenen Dialog über die Veranstaltung hinweg und für die Zukunft aufrecht zu erhalten."

Die Fahrervereinigung GPDA sprach kurz darauf in einer Stellungnahme von einem "schwierigen Tag für die Formel 1 und einem stressigen für die Formel-1-Fahrer". Mit der Rauchwolke vor Augen sei es schwierig gewesen, voll fokussiert auf das Rennfahren auf der anspruchsvollen Hochgeschwindigkeitsstrecke zu bleiben.

Deswegen habe man am Freitag bis in die Nacht diskutiert. Dabei sei eine "Vielzahl von Optionen" besprochen worden. Nachdem saudi-arabische Regierungsvertreter erklärt hätten, die Sicherheitsmaßnahmen würden "auf ein Maximum hochgefahren", seien die Piloten letztlich zum Schluss gekommen, am Samstag und Sonntag ins Auto zu steigen. Die Fahrer äußerten ihre Hoffnung, man werde den saudi-arabischen Grand Prix wegen eines guten Rennens in Erinnerung behalten und nicht wegen des Vorfalls vom Freitag.

"Bereit und total fokussiert für das morgige Qualifying", twitterte Red-Bull-Pilot Sergio Perez nach Ende des Meetings der Piloten, die als Gruppe offenbar nicht geschlossen hinter dem Beschluss der Spitze stehen. Die Topstars blieben auch in den Sozialen Medien stumm.

Das dritte freie Training ist am Samstag für 15 Uhr (im LIVETICKER) angesetzt, zuvor ist routinemäßig um 12.30 Uhr eine Pressekonferenz mit ausgewählten Teamchefs anberaumt.

"Die Behörden haben bestätigt, dass die Veranstaltung wie geplant fortgesetzt werden kann", hatte die Formel 1 am Freitagabend zunächst mitgeteilt. Anschließend empfingen Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem und die lokalen Behörden die Fahrer und Teamchefs.

Domenicali: "Wir sind zuversichtlich"

"Wir haben die volle Zusicherung erhalten, dass für das Land die Sicherheit an erster Stelle steht", erklärte Domenicali nach diesem Treffen.

Die saudischen Verantwortlichen hätten "alle notwendigen Systeme eingerichtet, um diesen Bereich, die Stadt und die Orte, an denen wir fahren, zu schützen. Wir sind also zuversichtlich. Aus diesem Grund werden wir die Veranstaltung fortsetzen."

Jemenitische Huthi-Rebellen hatten am Freitagnachmittag in der Nähe der Rennstrecke in Dschidda eine Ölraffinerie angegriffen und damit die Sorgen um die Sicherheit beim Großen Preis von Saudi-Arabien vergrößert. Während des ersten freien Trainings auf dem Jeddah Corniche Circuit war nach einer Explosion plötzlich eine große Rauchwolke zu sehen, es roch nach verbranntem Öl.

Das zweite freie Training wurde mit einer Viertelstunde Verspätung gestartet, nach der Einheit wurden sämtliche Medientermine der Fahrer abgesagt.

Horner: "Der Sport muss zusammenstehen"

"Dass es jetzt diese Angriffe hier in Jeddah gibt, ist ja klar", meinte Red Bull-Motorsportberater Helmut Marko: "Die Rebellen wissen ganz genau, welches Event an diesem Wochenende stattfindet und wollen die Bühne natürlich nutzen. Aber solange die Sicherheit der Formel 1 gewährleistet werden kann, sollten wir fahren."

Und Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagte bei Sky: "Uns Teamchefs wurde versichert, dass wir hier geschützt sind. Das ist vermutlich der sicherste Ort, an dem man momentan in Saudi-Arabien sein kann. Darum werden wir fahren."

Ähnlich äußerte sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Der Sport muss zusammenstehen. Jeglicher aktiver Terror kann nicht geduldet werden. Eine Situation wie diese ist nicht akzeptabel. Stefano Domenicali und der FIA-Präsident kümmern sich darum. Es gibt alle Garantien von den Organisatoren. Wir werden fahren."

Domenicali dementiert Gerüchte um Fahrer

Automobil-Weltverbandschef Ben Sulayem versuchte zu beschwichtigen: "Worauf zielen die Huthis? Auf die wirtschaftliche Infrastruktur, nicht auf Zivilisten und nicht auf die Rennstrecke."

Man habe "die Fakten geprüft und auf hoher Ebene die Zusicherung, dass dieser Ort sicher ist. Die Sicherheit ist gewährleistet, also lasst uns Rennen fahren", fügte der 60-Jährige hinzu.

Domenicali dementierte wenig später das Gerücht, dass einige Fahrer nicht weitermachen wollten. "Sie werden auf der Strecke sein, Sie werden sehen", versicherte der Italiener.

Damon Hill: "Die Formel 1 spielt mit dem Feuer"

Sky-Experte Ralf Schumacher geht derweil davon aus, dass auf der Formel 1 großer Druck lastet - und das Rennen deshalb durchgedrückt werden soll. Angeblich kassiert die Königsklasse von den Saudis für zehn Jahre rund 900 Millionen Dollar.

"Es geht um politischen Einfluss und viel Geld. Die Formel 1 hat einen langfristigen Vertrag und will den nicht riskieren", so Schumacher, der sich nach den Angriffen auf den Weg nach Hause gemacht hat. Ein entsprechender Post auf Instagram bestätigte derartige Gerüchte. Zudem sollen laut Bild auch Sky-Kommentator Sascha Roose und Reporterin Sandra Baumgartner die Heimreise angetreten haben. Zudem sei es allen anderen Journalisten freigestellt, ob sie aufgrund der Umstände in Saudi-Arabien bleiben werden.

"Die Formel 1 spielt buchstäblich mit dem Feuer", meinte der frühere F1-Pilot Damon Hill. Immerhin: Laut Wolff wurde den Teams freigestellt, ob sie am Rennen teilnehmen möchten oder nicht.

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