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Formel 1

Mick Schumacher im Porträt vor seinem Formel-1-Debüt: Das Lebensgefühl "Schumi" kehrt zurück

Von Christian Guinin
Mick Schumacher (r.) und Sebastian Vettel im Rahmen des Race of Champions im Januar 2019 in Mexiko City.

Zwei Jahrzehnte nach den großen Erfolgen seines Vaters Michael startet Mick Schumacher am kommenden Sonntag in Bahrain erstmals in der Formel 1. Die Fußstapfen, in die der 22-Jährige tritt, sind naturgemäß riesig. Dennoch soll es ein Debüt ohne große Erwartungen werden.

Mit elf Jahren, so erzählte Mick Schumacher einmal, habe er bereits gewusst, welchen beruflichen Weg er einschlagen möchte. An der Kartbahn im heimischen Kerpen unterrichtete er seinen Vater von seinem Traum, eines Tages in der Königsklasse des Motorsports antreten zu wollen: "Er hat mir in die Augen geguckt und mich gefragt: 'Willst du das ernsthaft?' Ich habe nur genickt. Seither ordne ich dem Wunsch, in die Formel 1 zu kommen, alles unter."

Am kommenden Sonntag (ab 17 Uhr im LIVETICKER), wenn die Formel 1 in der Wüste von Bahrain ihre Boliden wieder auf die Rennstrecken dieser Welt loslässt, schließt sich dieser Kreis. Genau 30 Jahre nach dem ersten Rennen seines Vaters bestreitet nun Mick Schumacher sein F1-Debüt und tritt in Fußstapfen, die größer wohl kaum sein könnten.

Auch 17 Jahre nach seinem letzten Titel und neun Jahre nach seinem endgültigen Karriereende verbinden viele Motorsportfans mit dem Namen Schumacher nämlich die aus deutscher Sicht so glorreichen und titelreichen Zeiten der 90er und 00er Jahre. "Schumi", das ist in Deutschland nicht nur ein Spitzname für einen der erfolgreichsten und berühmtesten Sportler aller Zeiten. Es ist für viele, die sich für diesen Sport begeistern, auch eine Art Lebensgefühl.

Dieses "Schumi"-Bild nun auf Mick zu projizieren, könnte jedoch nicht nur für dessen Debüt schädlich sein - es wäre auch eine schlichtweg überzogene Erwartungshaltung an den 22-Jährigen. Denn eines kann man jetzt schon mit guter Gewissheit voraussagen: Mit Podestplätzen, Siegen oder gar Titeln wird Mick Schumacher in naher Zukunft eher nichts zu tun haben.

Mick Schumacher im Porträt: Alter, Größe, Erfolge - der Steckbrief

Geburtsdatum22.03.1999
Alter22
GeburtsortVufflens-le-Chateau (Schweiz)
Größe1,76 Meter
NationalitätDeutsch
Team in der Formel 1Haas
Erfolge/TitelSieger FIA Formel 3 Europameisterschaft (2018), Sieger FIA Formel 2 Meisterschaft (2019)

Mick Schumacher muss mit Haas kleine Brötchen backen

Vorrangig liegt das an seinem diesjährigen Dienstwagen, dem Haas VF-21. Schon bei den Testfahrten vor zwei Wochen zeigte sich, dass das US-amerikanische Team zur Saison 2021 kleine Brötchen backen muss.

Dort hatte man das mit Abstand langsamste Gesamtpaket aller zehn Teams, auf die nächstschlechtere Zeit auf eine Runde gesehen fehlte über eine Sekunde. Bei der letztjährigen direkten Konkurrenz Alfa Romeo und Williams scheint man außerdem einen größeren Schritt gemacht zu haben. Einen Schritt, der Haas 2021 als vielleicht schlechtestes Team des Feldes dastehen lässt.

Hinzu kommt, dass man beim US-Rennstall in diesem Jahr - gezwungen durch die Corona-bedingten finanziellen Einbußen - auf große Performance-Updates verzichten will, um alle Ressourcen auf 2022 zu konzentrieren, wenn in der Formel 1 eine neue Rennwagengeneration samt überarbeitetem Reglement eingeführt wird.

"Wir müssen das große Bild im Auge behalten. Uns ist klar, dass ein sehr hartes Jahr auf uns zukommt. Aber wir beißen lieber 2021 mit einem weniger konkurrenzfähigen Auto in den sauren Apfel, sind dann aber für 2022 gut vorbereitet. Das ist aus unserer Perspektive sinnvoller", meinte Teamchef Günther Steiner während der Tests. Sportliches Ziel sei es lediglich "nicht Letzter" zu werden.

Mick Schumacher in der Formel 1: Sieg im teaminternen Duell wichtigstes Ziel

Bernie Ecclestone, langjähriger Chef der Königsklasse des Motorsports bemängelt zudem, dass es bei Haas niemanden gebe, "der Mick groß etwas beibringen kann". In einem Team "wie Red Bull, eines, das Fähigkeiten hat, Rennen zu gewinnen, und Menschen im Team hat, die dich dabei unterstützen", wäre dies nach Ansicht des 90-Jährigen eher möglich gewesen.

Auch F1-Experte Marc Surer betonte gegenüber Sport1, dass er Schumacher "lieber bei Sauber Alfa Romeo gesehen hätte. Das Team hat schon sehr viel Erfahrung mit jungen Piloten. Ich hätte es besser gefunden, wenn er neben einem erfahrenen Mann wie Kimi Räikkönen gefahren wäre".

Für sportliche Highlights zu sorgen oder in die Punkte zu fahren wird somit eher schwierig. Für Schumacher geht es stattdessen vorwiegend darum, seinen Teamkollegen Nikita Mazepin in Schach zu halten und das teaminterne Duell für sich zu entscheiden.

Der Russe ist ebenfalls neu im Team, sein F1-Einstieg ist aber weniger reinem Talent sondern viel mehr der gut gefüllten Brieftasche seinen Vaters zu verdanken. Zudem ist dieser Besitzer des Chemiekonzerns Uralchem, der für die Saison 2021 Haas als Hauptsponsor unterstützt. Ihn zu schlagen sollte für Schumacher möglich sein, auch wenn Mazepin, wie Surer gegenüber Sport1 anmerkte, "absolut das Zeug hat, in der Formel 1 zu fahren".

Mick Schumacher wird Möglichkeit "auf ein aussichtsreicheres Cockpit" bekommen

Dass Schumacher genügend Talent mitbringt, glaubt auch Gerhard Noack, Chef der Kartbahn in Kerpen und Entdecker und Förderer von Michael Schumacher und Sebastian Vettel: "Mick kommt wie beinahe alle Formel-1-Fahrer aus dem Kartsport. Dort muss man sich immer wieder durchsetzen und zeigen, was man kann, um weiterzukommen. Ich bin davon überzeugt, dass er ein sehr guter Fahrer ist", sagte Noack im Gespräch mit SPOX.

Er glaube zwar, dass "vor allem der Einstieg als Neuling mit einem schwächeren Team schwierig sein wird", er "nach einer Lern- und Eingewöhnungsphase" die Möglichkeit "auf ein aussichtsreicheres Cockpit" aber bekommen wird.

Die bisherigen Erfolge des 22-Jährigen sprechen für sich. Auf der Habenseite stehen jeweils ein zweiter Platz bei der Kart-EM und Kart-WM, zwei Vizemeisterschaften in der Formel 4 sowie der Titel in der Formel 3 und Formel 2. Nach Nico Rosberg (2005), Timo Glock (2007) und Nico Hülkenberg (2009) ist Schumacher überhaupt erst der vierte deutsche Fahrer, der Formel-2-Meister wurde.

Mick Schumacher "ist der perfekte Schwiegersohn"

In seiner abgelaufenen F2-Saison legte Schumacher zudem eine beeindruckende Konstanz an den Tag. Zwar gewann er 2020 nur zwei Saisonrennen, war zwischenzeitlich aber in 15 Grands Prix in Serie nie schlechter als Platz sieben. Hinzu kommen seine Stärken am Start und in der Renneinteilung.

Auch sein Teamchef Günther Steiner ist voll des Lobes für seinen Schützling: "Mick ist der perfekte Schwiegersohn: nett, arbeitet hart, ist fleißig. Mick denkt über viele Sachen nach. Er analysiert die Dinge. Und er ist auch sehr bescheiden."

Mit Sebastian Vettel hat ihm ein Ex-Weltmeister seine Unterstützung zugesagt. Dieser war noch jünger, als er 2007 in der Formel 1 begann, Michael Schumacher wurde eine Art Mentor für ihn. Jetzt will er "für Mick das sein, was Michael für mich war", sagt Vettel: "Ich versuche ihm zu helfen, wann immer es möglich ist."

Dabei werde es nicht um Anbremspunkte, Fahrlinien und Reifendruck gehen, "fahren kann Mick schon". Dinge neben der Rennstrecke seien ebenso wichtig, so Vettel zuletzt bei Sport1: "Und so wie Michael mir da Tipps gegeben hat, so werde ich das auch tun, wenn Mick mich fragt."

Mick Schumacher: "Immer ein Problem, mit dem Vater verglichen zu werden"

Dennoch: Der Name Schumacher könnte für Mick zum Problem werden. Dieser allein sorge "für viel Aufmerksamkeit, davon profitiert die ganze Serie", sagt Formel-1-Chef Stefano Domenicali. Zugleich sieht der Italiener den immensen Druck, der daraus entsteht: "Man muss Mick die Chance geben, sich in Ruhe zu entwickeln." Vieles wird auf Schumacher einprasseln in den kommenden Tagen und Wochen, ein normales Debüt wird es nicht geben.

Auch Noack glaubt, dass der Name im Jugendbereich zwar "von Vorteil gewesen ist und ihm deshalb auch viele Wege geöffnet wurden", ein Vergleich mit seinem Vater aber auf Dauer nicht förderlich sei. "Für ein Kind ist es immer ein Problem, mit seinem Vater verglichen zu werden, bei dem Namen Schumacher noch einmal ganz besonders. Es sind zwei völlig verschiedene Zeiten, in denen beide antreten und zwei völlig unterschiedliche Situationen."

Parallelen zwischen beiden gibt es dennoch. Laut Steiner gibt es bei Haas es einige Mechaniker, die schon mit Michael Schumacher bei Ferrari gearbeitet hatten - als die Verpflichtung des Sohnes perfekt war, flossen bei ihnen Freudentränen. "Die erklären mir dann schon, wie Michael gearbeitet hat und erzählen mir, dass sich beide sehr ähnlich sind", so Steiner.

Schumacher zeigt sich von alledem unbeeindruckt: "Ich fühle mich vollkommen bereit und in allen Bereichen wohl. Die Vorfreude überlagert alles, was an Nervosität da sein könnte." Ein Ziel für sein erstes Rennen will sich der 22-Jährige nicht setzen. "Das Beste wäre natürlich, Punkte zu sammeln. Und sollte es wie im letzten Jahr ein paar verrückte Rennen geben, vielleicht kommt ja dann mal ein Podium heraus. Klar, das ist geträumt, aber wir dürfen träumen. Dennoch müssen wir in erster Linie realistisch sein." Aktuell heißt dieser Realismus Platz 19 oder 20.

Mick Schumacher im Porträt: Karrierestatistiken

JahrRennseriePunkteStartsSiegePole PositionsSchnellste RennrundenWM-Platz
2020Formel 2205112021
2019Formel 2531112012
2018Formel 3365106701
2017Formel 3941000012
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