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Formel 1

Ferrari zieht an McLaren vorbei

Von Alexander Mey
In Monaco war Ferrari schon schneller unterwegs als die Konkurrenz von McLaren
© Getty

Nach knapp einem Drittel der Saison hat sich das Kräfteverhältnis unter den beiden Traditionsteams Ferrari und McLaren gedreht. McLaren zahlt jetzt für seine Ineffizienz, Ferraris Gurke ist auf einmal siegfähig.

Wer vor dem Kanada-GP auf den WM-Stand blickt, wird sich schwer tun, sich noch an die Prognosen vor der Saison zu erinnern. Damals war McLaren ganz klar das Team, das es zu schlagen galt. Ferrari war dagegen das Team, von dem man erwartete, dass es von fast allen geschlagen wird.

Sechs turbulente Rennen später führt Fernando Alonso in seiner vermeintlichen roten Gurke die Fahrerwertung an, die McLaren-Piloten liegen mit 13 (Lewis Hamilton) und 31 (Jenson Button) Punkten Rückstand auf den Plätzen vier und sieben.

Wo ist der anfangs so überlegene Speed des McLaren geblieben? "Wir fallen von Rennen zu Rennen weiter zurück", sagte Hamilton nach seinem fünften Platz in Monaco und warnte: "Wenn wir Pech haben, gleitet uns die WM durch die Finger."

Fehler über Fehler bei McLaren

McLarens Trend ist in der Tat fatal. Erst hatten sie das schnellste Auto, haben aber durch eigene Fehler jede Menge Punkte liegen gelassen. Jetzt scheint zu allem Überfluss das Auto auch nicht mehr in jedem Rennen schnell genug zu sein.

In Malaysia gingen gleich zwei Boxenstopps bei Hamilton in die Hose, in China patzte die Crew einmal bei Button. Zudem musste an Hamiltons Auto das Getriebe gewechselt werden. In Bahrain gingen wieder zwei Reifenwechsel bei Hamilton schief, wenngleich er dort wie in Monaco ohnehin nicht siegfähig gewesen wäre. Als Krönung folgte der Betankungsfehler im Qualifying in Barcelona, der Hamilton vom ersten auf den letzten Startplatz zurückwarf.

Hamilton macht noch das Beste daraus

"Unser Auto ist immer noch konkurrenzfähig, aber wir haben nicht immer das Optimum herausgeholt", sagte Teamchef Martin Whitmarsh und gab zwischenzeitlich zu: "Ich bin sehr frustriert."

Hamilton nicht, zumindest nicht so, dass es Auswirkungen auf seine Leistungen gehabt hätte. Dieser komplette Wandel im Vergleich zum Vorjahr ist ihm hoch anzurechnen. Trotz aller Fehler und in Bahrain und Monaco mangelnden Speeds hat er immer wenigstens einige WM-Punkte gesammelt. Nur deshalb liegt er noch in Schlagdistanz zur Spitze.

Button hat komplett den Faden verloren

Die droht sein Teamkollege Button langsam komplett aus den Augen zu verlieren. Seine letzten drei Rennen waren ein totales Desaster. Zweimal die Top Ten im Qualifying verpasst und nur noch zwei Punkte geholt.

"Das ist meine schwächste Phase seit meiner Zeit bei Honda. Ich habe in den letzten Rennen das Gefühl für das Auto und den Speed verloren. Keine Ahnung, wo das alles auf einmal hin ist. So etwas hatte ich noch nie", klagte Button bei "Reuters". Ausgerechnet er, der den Beinamen Reifenflüsterer in den letzten Jahren gepachtet hatte, bekommt die Pirelli-Pneus nicht mehr zum Arbeiten.

Inklusive seiner jämmerlichen zwei Zähler hat McLaren in den letzten drei Rennen nur 20 Punkte geholt. In den ersten drei waren es 88. Das reicht zwar immer noch für Rang zwei in der Konstrukteurs-WM, aber allein Alonso hat in den letzten drei Rennen mit 39 Punkten fast doppelt so viele geholt wie Hamilton und Button zusammen.

Ferrari von der Gurke zum Sieganwärter

Womit wir beim Gegenpol zu McLaren wären. In dem Maße, in dem die Briten absteigen, steigt Ferrari auf.

Profitierte der in der Tat viel zu langsame F2012 in den ersten Rennen noch von unberechenbarem Wetter, Fehlern der Gegner und der Genialität von Alonso, ist seit dem großen Umbau vor dem Spanien-GP auch der Speed da. Alonso schnupperte sowohl in Barcelona als auch in Monaco aus eigener Kraft am Sieg.

"Ich bin mir sicher, dass Ferrari mit all der Erfahrung, die sie haben, für den Rest des Jahres sehr konkurrenzfähig sein werden", sagte Hamilton über seinen wieder erstarkten Gegner.

Ferrari erwartet weitere Steigerungen

Alonso profitiert jetzt davon, dass er in der Schwächephase von Ferrari immer in die Punkte gefahren ist und bei der einzigen Chance zum Sieg, die er in Malaysia hatte, eiskalt zugeschlagen hat. Der Spanier hat sich im Vergleich zu seinen Startplätzen in jedem Rennen verbessert. Hamilton fiel in vier von sechs Rennen zurück.

"Wir hatten einen schwierigen Saisonauftakt, wenn man den Speed des Autos betrachtet. Aber jetzt haben wir die WM-Führung inne, egal ob erwartet oder unerwartet", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali und kündigte weitere Steigerungen an: "Wir sind immer noch nicht da, wo wir sein wollen, und werden weitere Verbesserungen am Auto vornehmen. Unser Ziel muss es sein, Pole-Positions herauszufahren."

Hamilton und Alonso sehen sich gegenseitig als WM-Favoriten

Die ging bisher unabhängig von der Strafe in Barcelona dreimal an Hamilton, den alten Konkurrenten von Alonso, den er aber mittlerweile in hohem Maße respektiert. Das geht so weit, dass er in Monaco sagte: "Wenn ich einen Weltmeister tippen müsste, würde ich Hamilton wählen. Er ist der einzige Fahrer, der auch in einem Auto, das kein Gewinner ist, den Unterschied ausmachen kann."

Diese Worte ausgerechnet von Alonso, der seinerseits 2012 zur Genüge bewiesen hat, dass eigentlich er es ist, der genau dieses Talent hat? Klar, dass Hamilton das Kompliment umgehend zurückgab: "Sobald Alonso das entsprechende Auto hat, wird er nur sehr schwer zu schlagen sein."

Klingt nach einem tollen Kampf zweier toller Fahrer. Aber das noch Tollere an dieser Saison ist, dass es mit Sebastian Vettel, Mark Webber, Nico Rosberg, Kimi Räikkönen und vielleicht auch noch Button eine Handvoll Piloten gibt, die in diesen Titelkampf einsteigen können.

Stand in der Fahrer- und Konstrukturs-WM

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