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Formel 1

Red-Bull-Desaster - Alonso siegt

Von Alexander Mey
Sebastian Vettel und Mark Webber startete aus der ersten Startreihe ins Rennen
© Getty

Drama um Sebastian Vettel beim Südkorea-GP! Den sicheren Sieg und die WM-Führung vor Augen schied er wegen eines Motorschadens aus. Auch WM-Leader Mark Webber kam nicht ins Ziel und machte das Red-Bull-Desaster perfekt. Großer Gewinner des Tages war Fernando Alonso, der neue WM-Führende.

Fernando Alonso hat einen großen Schritt in Richtung dritter WM-Titel gemacht. Der Ferrari-Pilot gewann die chaotische Regen-Premiere in Südkorea vor Lewis Hamilton und Felipe Massa.

"Das war eines unserer besten Rennen in diesem Jahr", freute sich Alonso, der durch seinen fünften Saisonsieg die Führung in der Fahrerwertung übernommen hat.

Und warum? Weil Red Bull ein totales Desaster erlebte. Erst warf WM-Leader Mark Webber sein Auto auf nasser Fahrbahn in die Mauer und riss dabei Nico Rosberg im Mercedes mit. "Das war ganz klar mein Fehler", sagte der 34-Jährige mit gesenktem Kopf.

Vettel: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Dann schied Sebastian Vettel nach einem Motorplatzer zehn Runden vor Schluss in Führung liegend aus. Zu diesem Zeitpunkt hat er virtuell zum ersten Mal in seiner Karriere in der Fahrerwertung in Führung gelegen. Umso bitterer war dieser Moment für ihn.

"Im Moment ist man natürlich enttäuscht, aber ich habe mir diesmal nichts vorzuwerfen. Da kann man nichts machen", sagte Vettel und fügte in Anspielung auf seine Serie von Pleiten, Pech und Pannen fast schon mit Galgenhumor hinzu: "Irgendwie ist das die Story des Jahres." Red-Bull-Teamchef Christian Horner versuchte, den Pech-Piloten zu trösten: "Sebastian und das Team haben alles richtig gemacht. Ein Motorplatzer ist immer ganz großes Pech, der Rennsport kann grausam sein."

Vettel 25 Punkte hinter Alonso

Vettel (206 Zähler) liegt jetzt in der Fahrerwertung als Vierter 25 Punkte hinter Alonso (231). Webber (220) bleibt elf Punkte hinter dem Spanier Zweiter, Hamilton (210) ist neuer Dritter und hat vier Punkte mehr auf dem Konto als Vettel.

Trotz der komfortablen Lage behält Alonso aber die Ruhe: "Ein Rennen ändert im Titelkampf nicht wirklich viel. Mit der neuen Punkteregel kann sich so schnell so viel ändern. Wir müssen auch in den kommenden beiden Rennen mindestens aufs Podium fahren und um den Sieg kämpfen können."

Alonso hat Mitleid mit Vettel

Mit dem Red-Bull-Duo hatte er sogar Mitleid. "Das ist Pech für Sebastian und Mark, aber ich sehe trotzdem noch vier bis fünf Fahrer im Titelrennen. Konstant aufs Podium zu fahren, das ist der Schlüssel."

Vor Vettels Ausfall war das Rennen unter schwierigen Bedingungen für ihn optimal gelaufen. Die Renneröffnung mit eineinhalb Stunden Verspätung und nach 18 Runden hinter dem Safety-Car entschied Vettel souverän für sich. Danach kontrollierte er das Geschehen trotz zweier weiterer Safety-Car-Phasen.

Starkes Rennen von Schumacher

Ein sehr starkes Rennen fuhr Michael Schumacher. Er hatte auf Regenabstimmung des Autos gesetzt und konnte entsprechend attackieren. Er zeigte gegen Robert Kubica und Jenson Button tolle Überholmanöver und egalisierte mit Platz vier sein bestes Saisonergebnis.

"Klasse Fahrt von Michael, der den Weltmeister ausbremste und bei diesem so schwierigen Rennen Vierter und bester Deutscher wurde", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Er hatte aber auch Mitleid mit Rosberg: "Ein Jammer für Nico - dass Webber in ihn crashte hat Nico und uns ziemlich sicher ein Podium gekostet."

Schumacher fühlt mit Vettel

Schumacher selbst hatte seinen Spaß. "Ich bin zufrieden, mehr war von uns nicht drin.  Ein bisschen habe ich noch gehofft, aber Hut ab für die Jungs vor mir, die perfekt gefahren sind. Ich hatte Felipe Massa vor mir, der die ganze Zeit der schnellste Mann im Feld war und habe mir an ihm die Zähne ausgebissen", sagte er im "Sky"-Interview. Aber auch er fühlte mit Vettel: "Ich bin schon traurig für ihn - aber so ist leider der Motorsport. Das gehört dazu."

Nick Heidfeld und Nico Hülkenberg holten als Neunter und Zehnter ebenfalls WM-Punkte. Neben Rosberg schieden auch Adrian Sutil und Timo Glock aus. Sutil wurde für seinen Crash mit Kamui Kobayashi sogar noch nachträglich bestraft. Er muss 10.000 Dollar zahlen und wird in Brasilien fünf Startplätze zurückversetzt.

Schlüsselszenen des Rennens:

Vor dem Rennen: Es regnet in Südkorea. Die Strecke ist nass und macht den Start zu einer Lotterie. Die Fahrer testen Regenreifen gegen Intermediates, die Entscheidung ist an der Grenze. Die Rennleitung verschiebt den Start um zehn Minuten.

Start: Die Rennleitung hat entschieden, hinter dem Safety-Car zu starten, weil die Sicht zu schlecht ist. Damit ist Vettel auf der Pole-Position erst einmal aus dem Gröbsten raus.

Runde 4: Der Regen ist zu stark, die Fahrer sehen gar nichts mehr. Die Rennleitung bricht den ersten Startversuch ab.

Runde 18: Restart: Nach 14 endlosen Runden hinter dem Safety-Car ist die Strecke weit genug abgetrocknet, um ein Rennen zu ermöglichen. Los geht's! Vettel hält die Führung, Schumacher geht an Kubica vorbei, Rosberg an Hamilton. Mercedes hat in der Pause die Autos auf Regen abgestimmt. Das scheint sich jetzt auszuzahlen.

Runde 19: Webber wirft das Auto weg! Der WM-Leader dreht sich in die Mauer und ist draußen. Beim Zurückrollen nimmt er unglücklich auch noch Rosberg mit, der unschuldig ausscheidet. Wieder kommt das Safety-Car raus.

Runde 24: Wieder der Restart: Vettel kommt erneut gut weg und hat Luft auf Alonso. Das reicht auch am Ende der gefürchteten langen Geraden.

Runde 32: Buemi kracht in Glock und löst die nächste Safety-Car-Phase aus. Vettel und Alonso bleiben auf den Regenreifen draußen, alle anderen dahinter kommen direkt zum Stopp und wechseln auf Intermediates.

Runde 33: Vettel und Alonso kommen an die Box. Bei Vettel geht alles glatt, er behält die Führung. Aber bei Alonso klemmt es vorne rechts, er verliert Platz zwei an Hamilton.

Runde 35: Wieder mal Restart: Vettel macht es erneut sehr gut und hat Luft. Hamilton rutscht in Kurve eins geradeaus und muss seinen gewonnenen Platz gegen Alonso gleich wieder hergeben.

Runde 46: Vettel geht der Motor hoch! In Führung liegend wird er plötzlich langsam, der Red Bull raucht. Alonso geht vorbei, Vettels Heck brennt. Das war's! Vettels WM-Hoffnungen explodieren, Red Bull erlebt ein großes Desaster.

Ziel: Alonso gewinnt und übernimmt die WM-Führung! Er und Ferrari haben an diesem schwierigen Sonntag die richtigen Entscheidungen getroffen und nun beste Chancen auf dem Titel.

Mann des Rennens:

Michael Schumacher: Nach Suzuka das zweite sehr starke Rennen des Rekordchampions in Folge. Er lag mit der Regenabstimmung - er rechnete schon am Samstag mit einem "nicht typischen" Rennen - goldrichtig und konnte tolle Überholmanöver gegen Kubica und auch gegen Button zeigen. Je länger die Saison dauert, desto besser scheint er noch mal in Schwung zu kommen. Leider hat es nicht ganz zu einem Podestplatz gereicht.

Flop des Rennens:

Jenson Button: Ein Titelkandidat ist aus dem Rennen - und es ist ausgerechnet der Titelverteidiger. Button hat sich durch seinen zu frühen Wechsel auf Intermediates selbst aus dem Rennen genommen. Danach hing er hinter einer Kampfgruppe im Mittelfeld fest und verlor Zeit ohne Ende. Hätte er noch zwei, drei Runden gewartet, wäre er vor dieser Gruppe rausgekommen und hätte vielleicht noch etwas ausrichten können. Buttons WM-Chancen waren ohnehin nur noch theoretisch, jetzt braucht er mit 42 Punkten Rückstand ein Wunder.

Szene des Rennens:

Unfall von Webber und Rosberg: Wenn der WM-Leader im drittletzten Rennen durch einen eigenen Fahrfehler ausfällt, ist das natürlich die Szene des Rennens. Dass Webber bei seinem Unfall auch noch Rosberg mitgenommen hat, ist sehr unglücklich für den Mercedes-Piloten, denn er hätte vielleicht sogar Podiums-Chancen gehabt. Er konnte in dieser Situation aber nicht mehr ausweichen.

Lehren des Rennens:

Zwei Autos in der ersten Startreihe, null Punkte daraus gemacht. Einen größeren Verlierer als Red Bull in diesem Rennen kann man sich kaum vorstellen. Rechnerisch ist noch nicht alles verloren, aber dieses Desaster kann den WM-Titel bei den Fahrern gekostet haben.

Alonso ist der neue WM-Leader - und er hat es sich verdient, denn der Doppelweltmeister macht in der entscheidenden Phase ebenso wenig Fehler wie sein Ferrari-Team. Vielleicht zahlt sich jetzt doch die Abgezocktheit sowohl des Fahrers als auch des Teams aus.

Der Südkorea-GP hat generell für viel Spektakel gesorgt - kein Wunder bei diesem Wetter. Aber der Kurs ist unter allen Bedingungen sehr anspruchsvoll, vor allem für die Reifen.

LIVE-TICKER: Das Rennen in Südkorea zum Nachlesen

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