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Eishockey

Mulock: "Ich kann nur Bayerisch"

Von Interview: Florian Regelmann
T.J. Mulock mit seiner Freundin beim Berlin-Sightseeing am Brandenburger Tor
© Imago

Wer sagt, dass T.J. Mulock aktuell der beste deutsche Spieler in der DEL ist, wird keinen großen Widerspruch bekommen. Der gebürtige Kanadier ist so was wie der Lieblingsspieler von Bundestrainer Uwe Krupp geworden. Im SPOX-Interview spricht der 24-Jährige über seinen Olympia-Traum, Pokerturniere und sein seltsames Lieblingsteam.

SPOX: T.J., ich habe große Probleme: Mein Fantasy-Team geht mir auf die Nerven. Vinny Lecavalier und Jason Spezza schießen keine Tore und außerdem habe ich tausend Verletzte. Was soll ich machen?

T.J. Mulock: (lacht) Das weiß ich auch nicht. Verletzungen sind das Schlimmste, glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Wir haben bei den Eisbären auch einen Fantasy-Pool und ich habe auch so meine Probleme. Hoffen wir, dass unsere Jungs sich steigern.

SPOX: Kann ich in den nächsten Jahren vielleicht Sie mal draften?

Mulock: Das wäre natürlich genial. Ich habe den NHL-Traum schon noch in einer kleinen Ecke im Hinterkopf sitzen. Ich bin davon überzeugt, dass ich jeden Tag besser werde und ich versuche, alles aus mir herauszuholen. Ich will so hoch spielen, wie es nur geht. Am liebsten in der NHL, das ist ja klar. Wenn ich also die Chance bekommen würde, in ein Trainingscamp zu gehen, würde ich sofort zuschlagen. Ich denke, dass ich eine kleine Chance habe, auch wenn ich ehrlich gesagt nicht unbedingt davon ausgehe, dass ich es mal in die NHL schaffe.

SPOX: Wenn Sie sich ein Team aussuchen könnten, welches Team wäre es?

Mulock: Die Dallas Stars.

SPOX: Stopp! Sie sind gebürtiger Kanadier, Sie können unmöglich kein kanadisches Team als Lieblingsmannschaft haben.

Mulock: (lacht) Ich weiß, ich weiß. Es ist seltsam und jeder fragt mich, was bei mir eigentlich schief gelaufen ist, aber als kleiner Junge fand ich die Stars, die damals noch die Minnesota North Stars waren, am coolsten. Das heißt nicht, dass ich etwas gegen die kanadischen Teams habe. Außerdem hatte ich mit Mario Lemieux ein kanadisches Idol. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich würde überall spielen.

SPOX: Der wichtigste Grund, warum Sie nicht in der NHL spielen, ist sicherlich, dass Sie von keinem Team gedraftet wurden. Wie enttäuschend war das für Sie?

Mulock: Es war schon ein wenig frustrierend. Mein Problem war, dass ich zum einen in einer Junioren-Liga gespielt habe, die nicht so intensiv gescoutet wurde, und dann muss ich mir auch eingestehen, dass ich im entscheidenden Draftjahr nicht gut genug war. Ich habe zu Junioren-Zeiten mit guten Leuten wie Dion Phaneuf, Brent Seabrook oder Mike Green zusammen gespielt, aber ich hatte schon damals im Hinterkopf, dass ich nach Deutschland gehen wollte.

SPOX: Wie kam das?

Mulock: Nun ja, mein Bruder Tyson und ich wussten um unsere deutschen Wurzeln und Tyson war zu der Zeit schon nach Deutschland gegangen. Ihm haben das Eishockey und der Lebensstil sehr gut gefallen, also bin ich auch über den Teich geflogen und wollte ausprobieren, ob es mir gefällt. Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Ich bin glücklich in Deutschland.

SPOX: Aber der Anfang muss doch schwer gewesen sein. Da stehen Sie plötzlich in Bad Tölz...

Mulock: ...und ich konnte Bad Tölz nicht einmal aussprechen. Es war schon etwas schwierig, vor allem der harte bayerische Dialekt hat mir zu schaffen gemacht. Inzwischen ist es aber ganz lustig. Ich habe eigentlich am Anfang gar kein Deutsch gelernt, sondern Bayerisch. Ich kann nur Bayerisch. Wenn ich meine Ausdrücke jetzt in Berlin benutze, schauen mich die Menschen komisch an. Ich habe Bad Tölz jedenfalls sofort geliebt. Es ist eine wunderschöne Stadt, eine eishockeyverrückte Stadt - es ist sehr schade, dass der Verein in die Insolvenz gehen musste.

SPOX: Viel Geld gibt es in den unteren Ligen sicher nicht zu verdienen.

Mulock: Das stimmt. Ich habe aber nicht erwartet, dass ich in Deutschland gleich viel verdienen würde. Das war nicht der Grund, warum ich den Schritt gemacht habe. Ich liebe es, die Welt zu bereisen und ich hatte die Möglichkeit, viele verschiedene Orte in ganz Europa zu sehen. Viele Kanadier bekommen in ihrem ganzen Leben nicht die Möglichkeit dazu. Ich bin wegen der Erfahrung nach Deutschland gekommen, nicht wegen des Geldes.

SPOX: Das Geld ist die eine Sache, der Lifestyle die andere. Sie haben in Bad Tölz angefangen und leben jetzt in Berlin. Wie groß war der Kulturschock?

Mulock: Oh mein Gott, Bad Tölz und Berlin, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich bevorzuge die Großstadt Berlin, weil man so viel unternehmen kann, aber ich vermisse auch ein wenig die Landschaft und die Ruhe von Bad Tölz. Meine Heimatstadt Langley liegt genau dazwischen - ein bisschen größer als Tölz, aber nicht so verrückt wie Berlin.

SPOX: Sportlich läuft es für Sie in Berlin blendend. Sie können sich nicht beklagen, oder?

Mulock: Nein, das kann ich wirklich nicht. Es ist super, wieder mit meinem Bruder in einem Team spielen zu dürfen und ich bin froh, dass wir bei den Eisbären weiter erfolgreich Eishockey spielen. Sie hatten ohne mich schon Erfolg und ich bin froh, dass ich das bis jetzt nicht zu ruinieren scheine.

SPOX: In Berlin läuft alles gut, Bad Tölz war eine gute Erfahrung: Was gefällt Ihnen an Deutschland am besten?

Mulock: Die Menschen. Als ich nach Bad Tölz kam, war ich beeindruckt, wie höflich und freundlich alle waren. "Grüß dich, Servus, Pfiati", es war toll. Ich hatte gedacht, dass es in der Großstadt Berlin vielleicht anders sein würde, aber die Leute sind genauso nett. Es macht Spaß, die deutsche Kultur kennenzulernen und ein Teil von ihr zu sein.

SPOX: Wenn es so schön ist, dann können Sie ja nach Ihrer Karriere gleich hier bleiben.

Mulock: Ich bin mir nicht sicher. Eigentlich würde ich nach aktuellem Stand sagen, dass ich nach Kanada zurückkehren werde. Aber alle Deutsch-Kanadier, die ich treffe, erzählen mir, dass sie das auch gedacht haben und jetzt leben sie alle hier. Wir werden sehen, was passiert.

SPOX: Kommen wir zur Nationalmannschaft: Wie haben Sie davon erfahren, dass Uwe Krupp Sie gerne im Team haben will?

Mulock: Zuerst hat mich Torwarttrainer Klaus Merk kontaktiert und mich gefragt, wie ich dazu stehen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich sehr geehrt fühlen würde und sofort dabei wäre. Es war eine sehr leichte Entscheidung für mich. Dann hat mich Uwe eingeladen, mir eine Chance gegeben und seitdem bin ich dabei. Ich bin sehr dankbar für diese Chance - ich betrachte mich genauso sehr als Deutscher wie als Kanadier.

SPOX: Ich garantiere Ihnen hiermit, dass Sie bei Olympia im deutschen Team sein werden.

Mulock: Es wäre ein Traum, der wahr wird. Dass es auch noch in Vancouver ist, 30 Minuten von meinem Geburtsort entfernt, macht die ganze Sache noch spezieller. Meine ganze Familie und alle Freunde werden dort sein, es wäre ein Erlebnis, das ich mein ganzes Leben nicht vergessen würde.

SPOX: Schade nur, dass wir keine Chance haben, eine Medaille zu gewinnen.

Mulock: Das wird sehr schwer, da haben Sie Recht. Wir können nicht mehr tun, als unser Bestes zu geben und zu schauen, was passiert. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir für eine Sensation sorgen könnten. Das ist im Eishockey immer möglich, das hat die Vergangenheit gezeigt.

SPOX: In der Gruppe geht es gegen Schweden und Finnland. Für Sie wäre ein Spiel gegen Kanada bestimmt das Größte. Wer ist eigentlich aktuell der größte Sportstar in Kanada?

Mulock: Dass es ein Eishockeyspieler sein muss, ist praktisch Gesetz. Den größten Namen hat immer noch Wayne Gretzky, für die jüngeren Leute ist Sidney Crosby die Nummer eins.

SPOX: Wir haben letztens ein Interview mit Bret Hart geführt.

Mulock: Bret Hart ist auch eine Legende in Kanada. Ich habe ihn mal getroffen, als er bei einem Junioren-Spiel in Saskatchewan den Puck eingeworfen hat. Wrestling war in meiner Kindheit eine große Nummer in meinem Leben.

SPOX: Früher war es also Wrestling schauen, was ist heute Ihre Lieblingsfreizeitbeschäftigung?

Mulock: Wir veranstalten mit der Mannschaft regelmäßig Pokerturniere. Das ist immer ein großer Spaß und ein harter Wettbewerb. Mein Bruder und Jeff Friesen sind die gefährlichsten Pokerspieler bei uns - auf sie muss ich genau achten.

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