Dean Ambrose im Exklusiv-Interview

"Negativität und Hass treiben mich an"

Von Interview: Maurice Kneisel
Donnerstag, 20.11.2014 | 11:25 Uhr
Ambrose debütierte bei den Survivor Series 2012 gemeinsam mit Seth Rollins und Roman Reigns
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Ex-United States-Champion Dean Ambrose hat seit dem Split des Shield als Solo-Superstar gewaltig für Furore gesorgt und ist zu einem der absoluten Publikumslieblinge aufgestiegen. SPOX traf den Lunatic Fringe im Rahmen der WWE-Tour in Frankfurt und sprach mit ihm über seine Begegnung mit Hardcore-Legende Mick Foley, das anstehende Match gegen Bray Wyatt und den Sturz von der Zelle.

SPOX: Hi Dean. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Ich hoffe, Du bist nicht zu sehr im Stress.

Dean Ambrose: Ich bin nie gestresst.

SPOX: Das ist gut. Meine erste Frage lautet: Du hattest unlängst ein brutales Match mit Seth Rollins bei Hell in a Cell. Wie hast Du den Sturz von der Zelle erlebt?

Ambrose: Die Zeit bleibt einfach stehen und friert ein. Als ich unten stand, wirkte es nicht sonderlich hoch. Doch als ich dann rauf kletterte, sah der Weg nach unten plötzlich verdammt weit aus. Wenn du dann da oben hängst, hast du nur zwei Möglichkeiten: du kannst vorsichtig runter klettern und dabei wie ein Trottel aussehen, oder du trittst mit Glanz und Gloria ab. Dein Adrenalin übernimmt die Kontrolle und du musst es einfach durchziehen. Aber es ist seltsam: das Ganze passierte keineswegs schnell. Diese drei Sekunden ziehen sich ins Unendliche und du denkst nur "Wow, das ist verdammt hoch und ich werde definitiv voll auf dem Boden aufschlagen. Es wird jeden Moment passieren. Ich falle jetzt schneller. Ich stürze wirklich schnell, das wird verdammt schmerzhaft. Gleich ist es soweit..." Diese eine Sekunde wirkt so unglaublich lang. Aber hey, Adrenalin wirkt stärker als alle Bedenken. Es ist wie Eiswasser in einer Tasse heißem Kaffee

SPOX: Erklärt das die heftigen Bumps, die Du und Seth genommen habt? Wer hatte die Idee dazu?

Ambrose: Mein Verstand wird im Ring zu einem kranken, verdrehten Spielplatz, auf dem sich Wrestling, Kreativität und Brutalität mischen. Mir kommen immer neue Ideen, um meinen Gegner und mich selbst zu verletzen.

SPOX: Hast Du keine Bedenken, Deinem Körper all das schon zu diesem frühen Zeitpunkt in Deiner WWE-Karriere zuzumuten?

Ambrose: Ich bin nicht der Typ, der sonderlich weit in die Zukunft plant. Außerdem gehe ich gerne Risiken ein und wandere auf des Messers Schneide, um es mal so zu formulieren. Ich stehe auf Gefahr und Adrenalin und es ist mir lieber, dass ich mich selbst bei dem Versuch, zu viel zu versuchen und 110 Prozent zu geben, aus dem Verkehr ziehe, als dass ich einer gewöhnlichen Verletzung zum Opfer falle, wie mir beim Tennis einen Zeh zu brechen oder beim Verlassen der Badewanne. Das kann durchaus passieren. Aber ich möchte nicht in zehn Jahren durch irgendeine gewöhnliche Verletzung gezwungen sein aufzuhören. Ich habe mir einen Namen gemacht und bin in der WWE gelandet, weil ich immer mache, wonach mir ist, egal wie dumm oder riskant es ist und ob es nur für mich selbst Sinn ergibt. Das mag eine ziemlich kurzsichtige Strategie sein, aber sie funktioniert verdammt gut für mich.

SPOX: Du hast wieder nicht den Sieg einfahren können, stattdessen hat Seth durch einen miesen Trick gewonnen. Ist diese Fehde vorbei, oder liegt sie nur vorerst auf Eis?

Ambrose: Es wird niemals ganz vorbei sein zwischen Seth Rollins und mir. Wie oft hat man schon gedacht, dass es zwischen John Cena und Randy Orton vorbei sei, oder zwischen Triple H und The Rock? Immer, wenn du einen Gegenspieler hast, der so anders tickt als du, aber auf das gleiche Ziel zusteuert, werden sich eure Wege kreuzen. Deswegen bin ich sicher, dass wir in der Zukunft wieder aufeinandertreffen werden... und wieder, und wieder, noch sehr viele Male.

SPOX: Was können wir von Deinem nächsten Match bei den Survivor Series gegen Bray Wyatt erwarten? Werdet ihr das Hell in a Cell-Match noch überbieten?

Ambrose: Na ja, es ist kein Hell in a Cell-Match und fühlt sich mehr so an, als ob wir uns in einem gewöhnlichen, alltäglichen Eins-gegen-Eins-Match gegenüber stehen werden. Doch kein Match, das mich und Bray Wyatt beinhaltet, wird gewöhnlich. Momentan verrät mir meine magische Kristallkugel noch nicht, was ihr bei den Survivor Series zu sehen bekommen werdet, aber wenn ich wütend werde und auf der Bühne stehe, habe ich das Gefühl, ein gewisses Level an Aggressivität, Härte und Brutalität erreichen zu müssen. Bray ist ein abartiger Typ, sowohl von außen als auch von innen, und entsprechend wird es richtig hässlich werden.

SPOX: Du wirst häufig mit Legenden wie Mick Foley, Stone Cold Steve Austin oder The Loose Cannon Brian Pillman verglichen. Welchen dieser Vergleiche findest Du selbst am passendsten?

Ambrose: Ich lasse mich nicht gerne in eine bestimmte Kiste stecken oder mit anderen vergleichen. Jeder will dich immer mit anderen vergleichen. "Oh, er erinnert mich an den und den, wie wäre es mit den dreien?" Das sind drei völlig unterschiedliche Wrestler, in jeder Hinsicht. Ich verstehe, dass die Leute mich mit ihnen vergleichen, aber ich orientiere mich nicht an anderen. Ich werde so oft mit anderen verglichen und das ist schon in Ordnung, aber ich versuche nicht, mich an anderen auszurichten. Ich gehe einfach da raus, ziehe mein Ding durch und schaue, was dabei rumkommt. Das Ergebnis ist jeden Abend ein komplett anderes, jedes Mal, wenn du mich im Ring siehst, erlebst du einen völlig anderen Dean Ambrose. Ich war jetzt vierzehn Tage am Stück auf Tour und es war jeden Abend völlig anders, abhängig davon, in welcher Stimmung ich gerade war. Von daher weißt du nie, was du erwarten kannst.

SPOX: Vor ein paar Jahren hattest Du eine Social Media-Fehde mit Mick Foley und hast ihn unter anderem bei einer WrestleMania-Party vor laufenden Kameras konfrontiert. Wie hast Du es nach diesen Vorfällen erlebt, als Du ihm neulich live bei Raw wieder gegenüber standest?

Ambrose: Mick Foley ist vermutlich einer der wenigen, die einen Typen wie mich verstehen können. Er und ich haben eine Menge unausgesprochenen Verständnisses füreinander, da wir Wrestling auf die gleiche Art betrachten. Es war cool, dass es bei Raw zwischen uns hin und her ging, denn wenn er die Freiheit hat, selbst zu bestimmen, was er im Ring macht, ist er einer der hellsten Köpfe im Geschäft; jemand, der das Ganze wie einen Film in seinem Kopf abspielen lassen kann, bevor es passiert. Er hat ein enormes Verständnis für die kleinen Details und Dramatik und ist eine unterschätzte kreative Macht, wenn er die Möglichkeit hat, das Blatt selbst in die Hand zu nehmen. Die Chance zu bekommen, sich davon einen kleinen Eindruck während einer Live-Raw-Ausgabe zu verschaffen, war verdammt cool. Wir sind beide Typen, die sich ihren Ruf damit verdienen, ihrem Körper viel zuzumuten und große Risiken einzugehen, das verbindet uns einfach. Deswegen habe ich enormen Respekt vor ihm.

SPOX: Letzte Frage: Hast Du jemals erwartet, dermaßen erfolgreich zu werden, insbesondere als Publikumsliebling?

Ambrose: Ich habe mich selbst nie als jemanden gesehen, den die Fans unterstützen. Ich wurde immer von Negativität und dem Hass der Leute angetrieben. Es war immer mehr mein Ding, die Straße entlang zu spazieren und den Fans den Mittelfinger zu zeigen. Ich bin nicht der Typ, den sie normalerweise unterstützen, aber ich kann mir darüber auch nicht allzu viele Gedanken machen. Ich mache einfach, was mir gefällt und wenn sie das mögen - cool. Wenn nicht, dann haben sie eben Pech gehabt, ich kann die Leute nicht ändern. Aber es ist schon klasse, diese Form der Unterstützung von ihnen zu erhalten. Was Deine Frage, ob ich erwartet habe, so erfolgreich zu werden, angeht: Ja, klar! Beim Shield stand ich erstmals in meiner Karriere in einem Team. Davor war ich immer auf mich alleine gestellt und habe eine Ein-Mann-Einheit dargestellt. Es war seltsam für mich, plötzlich Verbündete zu haben. Auf mich alleine gestellt zu sein, ist für mich definitiv kein beunruhigender Gedanke. Im Gegenteil, es ist ein stückweit befreiend. Es ist angenehm, sich keine Gedanken mehr um irgendjemand anderen machen zu müssen. Ich habe erwartet, dort anzukommen, wo ich jetzt stehe. Es ist etwas anders, als ich erwartet hatte, aber ich versuche, nicht zu weit in die Zukunft zu blicken.

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