Main Focus on Zack Ryder

Woo Woo Woo - Don't blow it!

Von Maurice Kneisel
Freitag, 16.12.2011 | 14:47 Uhr
Bei TLC trifft Zack Ryder auf den amtierenden United-States-Champion Dolph Ziggler
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Zack Ryder hat bei TLC: Tables, Ladders & Chairs in der Nacht von Sonntag auf Montag (1.45 Uhr im LIVE-TICKER) gegen United-States-Champion Dolph Ziggler die Chance, sich den ersten Einzeltitel seiner WWE-Karriere zu sichern. Doch wie soll es danach weiter gehen beim Long Island Iced Z? Hält seine Popularität, oder nutzt sich der Hype allmählich ab? Ein Turn gegen John Cena könnte die Lösung sein.

Was soll man über Zack Ryder eigentlich noch schreiben? Der Long Island Iced Z, von den WWE-Writern vor einiger Zeit ganz tief in der Belanglosigkeit der Undercard begraben, hat sich selbst zu einem Phänomen gemacht, wie man es in der Geschichte des Pro Wrestling noch nicht erlebt hat.

Die Geschichte zwischen ihm und Vince McMahon ist seit eh und je von Missverständnissen geprägt. Glaubt man den Gerüchten, so wurden die Major Brothers - der ursprüngliche Name des Tag Team, das Zack Ryder gemeinsam mit Curt Hawkins zu Beginn seiner WWE-Karriere bildete - 2007 nur deswegen umbenannt, weil dem Boss etwas sehr spät klar wurde, dass die beiden in Wirklichkeit keine Brüder sind.

Wie praktisch, dass sie Edge irgendwie ähnlich sahen und somit zu den Edgeheads werden konnten. Falsche Brüder, so etwas gab es in der Geschichte der WWE ja bekanntlich noch nie... schöne Grüße an die Bashams und die Beverly Brothers.

Merchandise und Monster-Pops

Auch das Gimmick des von den Charakteren der Reality-TV-Show "Jersey Shore" inspirierten Long Island Iced Z, das Ryder für sich selbst wählte, wollte VinnieMac anfangs so überhaupt nicht zusagen. Schließlich ist der WWE-Patriarch kein großer Fan von Superstars, die sich selbst promoten und auf eigene Faust versuchen, die Fans auf sich aufmerksam zu machen.

Zumindest so lange nicht, bis sie sich gut verkaufen. Und Zack kassiert nicht nur einen Monster-Pop nach dem anderen, sondern bringt mittlerweile auch dermaßen viele T-Shirts, Stirnbänder, Sonnenbrillen und Schaumstofffäuste an das WWE Universe, dass Vince vermutlich nonstop Fist-pumpend in seinem Büro hockt.

Man muss sich allerdings die Frage stellen, wie lange Ryder, der mit bürgerlichem Namen Matthew Joseph Cardona, Jr. heißt, noch so stark zieht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: der Kerl ist derzeit heißer als das alljährliche Diven-Bikini-Shooting, was schon einiges heißen will. Doch was passiert eigentlich, wenn er sich Sonntagnacht die United-States-Championship von einem weiteren absoluten Smart-Mark-Liebling, Dolph Ziggler holt?

Bringt der Titel ihn wirklich weiter, oder schadet er ihm auf lange Sicht vielleicht sogar? Die Erfahrung zeigt, dass frische Faces bei einem nicht unbedeutenden Teil der Fans immer genau so lange gut ankommen, bis sie einen Gürtel gewinnen und über einen längeren Zeitraum halten - Ryder-Broski John Cena lässt grüßen.

Weichgespülte Faces

Gut, zugegeben, beim US-Titel dürfte die Gefahr nicht sonderlich groß sein, schließlich hat das gute Stück in der WWE herzlich wenig Wert und interessiert entsprechend kaum die Parkuhr. Dennoch wird sich Zacks Darstellung durch den Titelgewinn ändern. Bislang hat man immer Sympathie empfunden für den leicht trottelig daher kommenden Underdog, der doch so gerne nach den Tag-Team-Championships 2008 auch mal einen Einzeltitel sein Eigen nennen würde.

Das Ganze geht immerhin so weit, dass er sich im Juli auf eigene Kosten für bescheidene 1500 Dollar (1120 Euro) seinen Internet-Champion-Titel anfertigen ließ. Doch dieser Faktor könnte wegfallen, sobald er selbst zum Gejagten avanciert. Dann wird sich zeigen, ob Ryder ohne seinen Underdog-Charm immer noch so interessant ist.

Die Erfahrung zeigt, dass die Top-Faces in der WWE grundsätzlich radikal weichgespült werden. Ein paar Beispiele gefällig? Cena zeigt seine Five Moves of Doom und sporadisch einen Armbar obendrauf, wenn die "You can't wrestle!"-Chants mal wieder zu laut werden. Rey Mysterios Persönlichkeit ist sogar noch aalglatter als die des Doctor of Thuganomics und unser Ex-Psychopat vom Dienst, Randy Orton, spult stets das gleiche Programm ab - natürlich inklusive seiner obligatorischen Comeback-Serie.

Sheamus' Shoulderblock vom Apron beziehungsweise Top Turnbuckle hatte man nach einem Monat schon wieder über, weil er einem mit dem Holzhammer eingeprügelt wurde. Selbst CM Punk wird seit seinem Face-Turn darauf reduziert, sich über weite Strecken durchprügeln zu lassen, nur um letztlich mit seinen Trademark Moves zurück zu kommen. Bei Zack ist es längst nicht anders, doch wie lange haben die Leute noch Spaß am Broski Boot, dem Ruff Ryder und seinem exzessiven Fist Pumping?

Ryder und Cena

Interessant ist weiterhin die Frage, welchen Einfluss Cena auf seine Popularität hat. Ryder präsentiert sich seit eh und je als Anhänger des "most controversial Superstar in WWE history", holte ihn mehrfach für seine YouTube-Show "Z! True Long Island Story" vor die Flipcam und war zuletzt auch mehrfach mit ihm im Tag Team zu sehen. Bislang allerdings nicht zu seinem Nachteil.

Es ist vielmehr so, dass die Smarks in den Matches teilweise vergessen, Cena wie üblich in Grund und Boden zu buhen und stattdessen einfach nur Zack abfeiern. Auf diese Weise wurde die On Air-Beziehung der beiden weiter gestrickt und erreichte bei RAW am 5. Dezember ihren vorläufigen Höhepunkt: hier besiegte Cena Ryder in einem von "Mr. Exitement" John Laurinaitis höchstpersönlich angesetzten Match, was Zack sichtlich wütend machte.

Kein Wunder, immerhin glaubte er dadurch seine einzige Chance auf ein US-Titel-Match bei TLC verloren - eine Szene, die einmal mehr belegt, dass Ryder eben kein astreiner Face ist, sondern vielmehr ein Tweener, der trotz seiner enormen Popularität immer wieder Face-untypisch agiert. Trotzdem erhielt er seinen Titelshot dank Cena, der seine eigene Teilnahme am WWE-Championship-Four-Way beim Pay-per-View opferte, um seinem Broski eine weitere Chance zu ermöglichen.

Im daraus resultierenden Match gegen Mark Henry verhalf er seinem Kumpel zum Sieg und brachte ihn somit der Erfüllung seines großen Traums einen entscheidenden Schritt näher. Derzeit wird sogar spekuliert, Cena könnte im US-Titel-Match als Special Referee fungieren - ein weiterer Vorteil für Zack.

Auf den Spuren von The Miz und Y2J

Wie soll die Ryder Revolution anschließend weiter gehen? Ganz einfach, Zack Ryder muss seinem Freund und Unterstützer in den Rücken fallen, und zwar im ganz großen Stil! Ergibt keinen Sinn? Na, wartet erst mal ab. Denn viel heißer als jetzt dürfte das Internetphänomen wohl nicht mehr werden, entsprechend würde ein Heel-Turn sehr, sehr viele Leute vor den Kopf stoßen.

Während die Cena-Fan-Fraktion vor Wut kochen und den Mann fortan aus den Hallen buhen würde, hätten die Smarks einen neuen Helden - eben den Typen, der ihr Hassobjekt Nummer eins hintergangen hat.

Um den Turn perfekt zu machen, könnte man Ryder ein ähnliches Gimmick geben wie seinerzeit The Miz oder Chris Jericho: ein schlichtes Outfit, entschlossenes Auftreten und vor allem eine absolut ernste, humorfreie Persönlichkeit. Eben der absolute Anti-Ryder.

Ende der YouTube-Show?

Dabei wäre natürlich zum Einen fraglich, ob ihm eine solche Rolle überhaupt liegt. Schon bei den Edgeheads war er der Spaßvogel und brachte - sehr zum Leidwesen von Curt Hawkins - die "Woo Woo Woo - You know it"-Catchphrase ins Spiel.

Weiterhin ist Zack zwar unfassbar over, dies bedeutet aber noch lange nicht, dass er auch in der Lage ist, im Rahmen einer ausgedehnten Fehde mit einem Main Eventer vom Kaliber eines John Cena am Mikro und im Ring mitzuhalten. Dass Ryder wrestlen kann, hat er schon zu ECW-Zeiten während seiner kurzen Fehde mit Christian bewiesen. Doch ob es auch für eine große, länger angelegte Storyline reicht, bleibt abzuwarten.

Dem Long Island Iced Z käme dieser Turn möglicherweise sogar zugute, schließlich erklärte er bereits Ende September gegenüber "PWTorch", dass er die "Z! True Long Island Story" mittlerweile satt habe und sie nur noch so lange machen wolle, bis er in der WWE die gewünschte Position erreicht habe. Offensichtlich sehnt er sich also selbst nach Abwechslung, die Webshow ist mittlerweile nur noch Mittel zum Zweck.

Ein Zweck, der sich am Sonntag in Form des US-Titel-Gewinns erfüllen könnte. Dann werden wir sehen, ob die Ryder-Mania munter weiter geht, oder ob sie sich doch allmählich abnutzt. Aber klar ist auch: Vince McMahon wird eines seiner Zugpferde sicher nicht zum Heel machen, solange sich dessen Merchandise-Artikel noch verkaufen wie geschnitten Brot. Ob dies nun die richtige Entscheidung ist oder nicht.

Die Termine zur kommenden Deutschland-Tour

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