Tennis

WTA: Spielerin des Jahres, Kandidatin fünf - Naomi Osaka

Naomi Osaka schlus Serena Williams bei den US Open.
© getty

Die tennisnet.com-Redaktion pickt ihre KandidatInnen für die Spieler und Spielerinnen des Jahres auf der ATP- und der WTA-Tour. Wir beginnen mit den Damen. Heute: Naomi Osaka.

"Ich werde der eigentlichen Frage ein wenig ausweichen, es tut mir leid. Ich weiß, dass jeder nur sie angefeuert hat, es tut mir leid, dass es so enden musste. Aber vielen Dank, dass Sie alle das Match angesehen haben."

Der größte Triumph in der Karriere der Naomi Osaka endete in einer der größten Kontroversen der Tennis-Saison. Die 21 Jahre alte Frau aus der gleichnamigen Stadt schlug ihr größtes Idol auf der größten Tennis-Bühne der Welt, und das mit einer ihrer größten Leistungen überhaupt - gegen die größte Spielerin aller Zeiten.

Doch sie wäre nicht Naomi Osaka, würde sie nicht diesen spannungsgeladenen Moment bei der Siegerehrung des Damen-Finals der US Open 2018 gekonnt auflockern.

"Sie hat so viel für mich geopfert", sagte sie Sekunden nach ihrer ergreifenden Einleitung. "Es bedeutet mir sehr viel, wenn sie so weit reist, um meine Matches zu sehen, weil das macht sie normalerweise ohnehin nicht."

Die Lacher im Arthur Ashe Stadium hatte sie auf ihrer Seite, und sie setzte noch einen drauf: "Wer noch fehlt ist mein Vater, der kann aber nie ruhig sitzen, sondern geht immer wie wild auf und ab. Ich sehe ihn dann später."

Naomi Osaka: Was spricht für sie?

Unter ihrem Trainer Sasha Bajin entwickelte sich Osaka zur absoluten Top-Spielerin. Als Nummer 68 der Welt ins Jahr gestartet machte sie insgesamt 63 Plätze wett, indem sie sich ihre ersten zwei WTA-Titel sicherte.

Zunächst gewann sie das Premier Mandatory Event von Indian Wells in souveräner Manier. Sie schlug mit Maria Sharapova und Agnieszka Radwanska zwei absolute Top-Spielerinnen klar, ließ dann Daria Kassatkina und Karlina Pliskova nur fünf, der Weltranglistenersten Simona Halep gar nur drei Games. Auf dem Weg zum Titel gab sie gerade einmal einen Satz ab.

Rund fünfeinhalb Monate folgte mit dem Sieg in New York der absolute Höhepunkt. "Es war immer mein Traum, gegen Serena im Finale der US Open zu spielen. Ich bin sehr froh, dass ich das erreicht habe", sagte sie bei der Siegerehrung.

Dann drehte sich Osaka in Richtung der 23-fachen Grand-Slam-Siegerin Williams und betonte erneut: "Ich bin so dankbar, gegen dich gespielt zu haben." Mit einer kurz angedeuteten Verbeugung fügte sie ein "Vielen Dank" hinzu. Ganz groß während dem Match, noch größer danach.

Naomi Osaka: Was spricht gegen sie?

Den beiden Turniersiegen stehen vier Erstrundenniederlagen gegenüber, drei davon bei weiteren Turnieren der Premier-Mandatory-Kategorie. Bei ihrem erstmaligen Antreten bei den WTA Finals gelang ihr kein einziger Sieg, gegen Kiki Bertens musste sie nach einer langen Saison gar aufgeben.

Ein bitterer Beigeschmack zu einem großartigen Jahr, das sie selbst auf Instagram wie folgt kommentiert: "2018 war ein wahrlich verrücktes Jahr für mich. Es war voll mit Höhen und Tiefen, außerdem überkamen mich viele neue Emotionen, die ich zuvor nicht kannte. Persönlich kann ich nur hoffen, dass ich von jedem Jahr nur reifer werde, und aus meinen Erfahrungen lerne."

Und weiter: "Ich denke, das Leben besteht aus mehr als nur einem Turnier. Ohne überheblich wirken zu wollen: Ich erwarte von mir selbst, nicht nur ein Grand Slam in meiner Karriere zu gewinnen." Sollte Osaka diesen Vorsatz in die Tat umsetzen, wird mit ihr auch in 2019 zu rechnen sein. Und sie wird den Jubel bekommen, den sie verdient.

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