Rafa lässt grüßen: Aberglaube bei Profis

Dienstag, 27.06.2017 | 21:01 Uhr
Rafael Nadal
© getty

Vor wenigen Tagen ist die aktualisierte und erweiterte Neuausgabe des Buchs 111 Gründe, Tennis zu lieben erschienen - bei uns könnt ihr in den kommenden Tagen etwas reinlesen.

Geben wir's doch zu. Wenn vor uns eine schwarze Katze von links über die Straße läuft, würden wir am liebsten umdrehen. Oder einem Schornsteinfeger begegnen, der ein vierblättriges Kleeblatt und ein Hufeisen spazieren trägt.

Tennisspieler laufen wenig Gefahr, auf dem Court einer Katze zu begegnen, speziell seit »Katze« Braasch und Miloslav Mecir nicht mehr aktiv sind. Allerdings werden auch Schornsteinfeger auf Tennisplätzen selten gesichtet. Daher transportieren viele Spieler diverse Glücksbringer in ihrer Tasche, von Lieblings­büchern über fragwürdige Maskottchen bis hin zu irgendwelchen Münzen.

Interessanter sind jedoch die Spieler, die ihre Marotten zeitweise frei ausleben, sei es aus Aberglauben oder Obsession. Die beliebtesten Spleens einiger Spieler der letzten Jahre:

- den Ball für den nächsten Aufschlag nehmen, mit dem man gerade den Punkt gemacht hat (u. a. Goran Ivanisevic, Nicolas Kiefer)

- sich nicht rasieren, solange man gewinnt (u. a. Björn Borg, ­Goran Ivanisevic)

- Linien beim Zurücklaufen von der Bank beziehungsweise zwischen den Punkten nicht betreten (u. a. Sabine Lisicki, John McEnroe, Justine Henin, Maria Sharapova)

- Doppellinie vorm Return mit dem Schläger berühren (Nicolas Kiefer)

- an neuen Bällen schnüffeln (Dominika Cibulkova)

- Schnürsenkel erst binden, wenn man den Platz betreten hat ­(Boris Becker)

- Trinkflaschen parallel aufstellen (Andrea Petkovic)

- Kappe lebenslänglich verkehrt herum tragen (Marc-Kevin ­Goellner)

- ohne Unterhose spielen (Andre Agassi)

- immer denselben Spind benutzen (u. a. Thomas Muster)

- jeden Tag beim Frühstück Teletubbies schauen, nach dem Match dieselbe Dusche in der Umkleide benutzen und abends in dasselbe Restaurant gehen, am selben Tisch sitzen und das gleiche Essen essen (Goran Ivanisevic beim Wimbledon-Turnier 2001, das er gewann)

Verrückt, sagen Sie? Ha! Das alles ist nichts gegen Rafael Nadal. Neben den üblichen Routinen (Schuhe ständig abklopfen, Handtücher sorgfältig falten ...) muss Nadal unter anderem:

- 45 Minuten vor einem Match kalt duschen

- vor dem Match in der Umkleide aufgepusht herumrennen

- die Socken auf exakt dieselbe Höhe hochziehen

- beim Einlaufen auf den Platz einen Schläger in der Hand halten

- die Flaschen immer mit dem Etikett zu der Seite hin aufstellen, auf der er nach dem Seitenwechsel spielt

- auf dem Weg zum/vom Seitenwechsel nie auf Linien treten, dabei stets den rechten Fuß zuerst aufsetzen

- vorm Aufschlag: sich drei Bälle geben lassen, einen Ball zurückwerfen, den zweiten Ball einstecken, den dritten Ball mit dem Schläger aufprallen und dabei an seiner Hose zupfen, sein Shirt an der linken Schulterseite zurechtzupfen, sein Shirt an der rechten Schulterseite zurechtzupfen, seine Nase berühren, seine Haare hinter sein linkes Ohr streichen, wieder seine Nase berühren, seine Haare hinter sein rechtes Ohr zurückstreichen

- vorm Return: sein Shirt an der linken Schulterseite zurechtzupfen, sein Shirt an der rechten Schulterseite zurechtzupfen, seine Nase berühren, seine Haare hinter sein linkes Ohr streichen, wieder seine Nase berühren, seine Haare hinter sein rechtes Ohr zurückstreichen

- nach fast jedem Punkt: das Handtuch verlangen, dabei beim Zurücklaufen darauf achten, keine Linie zu betreten, und dann mit dem Handtuch in einer runden Bewegung seine linke Hand und seinen linken Arm abtrocknen, den Schlägergriff trocken reiben, seine Nase abtrocknen, sein linkes Ohr abtrocknen, seine Nase noch mal abtrocknen, sein rechtes Ohr abtrocknen, seine rechte Hand und seinen rechten Arm abtrocknen

Kein leichter Job? Allerdings. Und zwischendrin muss Nadal auch noch Tennis spielen.

Die aktualisierte und neu bearbeitete Auflage von "111 Gründe, Tennis zu lieben" (328 Seiten) enthält zehn Bonusgründe und ist im Buchhandel erhältlich, ebenso online, z.B. über Amazon, Thalia, Hugendubel

Preis: 9,99 Euro

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