Dominic Thiem über sein Knieproblem, Frust auf dem Platz und die eigene Erwartungshaltung

"Das hab ich unterschätzt"

Samstag, 06.05.2017 | 08:02 Uhr
Dominic Thiem
© getty
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Österreichs Nummer eins Dominic Thiem über die Gründe für sein Fairplay, die zwei Gesichter des Andy Murray und ein Missgeschick, das ihn bis heute begleitet.

Es muss sich ziemlich gut anfühlen, Spitzensportler zu sein, ein erfolgreicher noch dazu. Aber hört man sich bei den Besten der Zunft um, ist doch eines meist der erfolgreichste Antrieb: die Liebe zum Spiel, die Neugier, Neues zu lernen. Auch bei Dominic Thiem, für den es in diesem Bereich kaum einen Unterschied gibt im Vergleich zu seinen Anfangszeiten. "Sobald ich auf dem Platz, ist alles wie früher. Rechts-links wetzen, den Ball schlagen, einen Punkt gewinnen, das taugt mir genauso wie vor 15 Jahren. Und es ist immer noch ein genauso geiles Gefühl wie damals, wenn du am Ende eines Trainings etwas kannst, das du am Anfang nicht gekonnt hast", verriet die Nummer neun der Welt im Gespräch mit dem Onlinemagazin redbulletin.com.

Thiem mit neuer Erwartungshaltung an sich selbst

Thiem selbst ist nach anfänglichen Problemen in 2017 wieder in der Erfolgsspur, stand zuletzt nach einem Sieg über Andy Murray im Finale von Barcelona, wo er Rafael Nadal unterlag. Wobei "Probleme" hoch gegriffen ist - eine Folge der berühmten Erwartungshaltung eben. Die Thiem auch selbst zu schaffen macht. "Wenn ich letztes Jahr in einem Game vier gute Punkte und zwei Fehler gemacht habe, war ich total happy über die vier Winner. Jetzt ärgern mich die zwei Fehler. Ich seh mich selber viel kritischer als letztes Jahr. Und das muss auch so sein, das ist eben meine neue Erwartungshaltung", meint Thiem.

"Ich weiß, was ich kann, und das habe ich eben oft nicht gebracht", begründet er seine teils schlechte Laune zu Beginn des Jahres auf dem Court - ein Grund dafür war allerdings auch eine eigentlich verrückte Verletzung, zugezogen bei den US Open im Vorjahr. "Da hab ich mir beim Rückhand-Slice-Training den Griff aufs rechte Knie gerammt. Seither tut das Knie weh, im Prinzip bei jedem Schritt, beim Rennen, bei jeder Richtungsänderung, sogar wenn du nicht spielst, wenn du dich nur hinknien möchtest. Dann wird's ­irgendwann schwer mit Spaßhaben." Eine Knochenprellung, schmerzhaft und langwierig, so Thiem, und mit der Möglichkeit behaftet, die das restliche Leben mitzuschleppen, speziell bei Wetterumschwüngen.

Turniermodus bedeutet Grundanspannung

Immer wieder ein Thema, wenn man den Namen Dominic Thiem hört: das straffe Turnierprogramm des jungen Österreichers. 27 Turniere in 2016, für einen Spitzenspieler, der es regelmäßig in die Endtage schafft, eigentlich utopisch. Wobei nicht die vielen Turniere selbst das Probleme seien, erklärt Thiem, sondern die an­dauernde Grundspannung."Egal ob du gerade ein Match spielst oder am Frühstückstisch sitzt, im Turniermodus bist du 24 Stunden am Tag unter Spannung. Das ist es, was am Ende viel mehr zehrt als die Matches selbst", sagt er. "Das hab ich unterschätzt."

Die Anspannung - auch ein Grund, warum manche Spieler auf und außerhalb des Courts zwei Gesicher präsentieren. Beispiel: Andy Murray, dessen Flucheinlagen in Richtung Box unter Fans äuerst kritisch gesehen werden. Für Thiem ein verständliches Verhalten, auch wenn es für ihn nicht infrage käme. "Murray ist abseits vom Platz der netteste Mensch, den du dir vorstellen kannst, aber auf dem Platz ist er eine Katastrophe. Und ich kann auch komplett nachvollziehen, wie er sich verhält. Jeder Spieler würde das am liebsten genauso machen wie er: einfach ohne Rücksicht den Druck rauslassen, irgendwen anschreien und verantwortlich machen für die eigenen Fehler. Im Endeffekt ist Tennis ein grässlicher Sport, weil man so viele Fehler, so viele Dummheiten macht, selbst wenn man gewinnt, es ist wahnsinnig frustrierend. Es sind so viele Situationen da, in denen man innerlich am liebsten komplett ­ausrasten würde." Etwas, das Thiem sich verkneift - zumindest zum größten Teil. "Wenn's gar nicht anders geht, Schläger zerhacken, okay, aber dass ich jemand anderen anfahre oder beschimpfe? Nein. Der kann ja nichts dafür."

Zum ausführlichen Interview geht es hier!

Dominic Thiem im Steckbrief

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