Alexander Zverev nach dem Turniersieg bei BMW Open in München

Der Ungeduldigste einer ganzen Generation

Sonntag, 07.05.2017 | 20:26 Uhr
Die Hände und das Racket in den Himmel: Nach dem verwandelten Matchball gegen Guido Pella ließ Alexander Zverev den Emotionen freien Lauf.
© getty
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Kurz nach seinem 20. Geburtstag feiert Alexander Zverev seinen dritten Titel auf der ATP-Tour. Die erfolgreiche Woche bei den BMW Open in München samt ersten Turniersiegs auf deutschem Boden zeigt erstaunlich transparent, was das Ausnahmetalent auf und abseits des Tennisplatzes schon auszeichnet - aber ebenso, was ihm noch fehlt. Der Faktor Ungeduld spielt in beide Richtungen eine wesentliche Rolle.

"Ja." Kurz, prägnant und unmissverständlich fiel die Antwort von Alexander Zverev aus. Soeben hatte ein Reporter auf der Pressekonferenz ob des erstaunlich großen Vorsprungs im "Race to Milan" (das Ranking, welches das erstmals stattfindende Finalturnier der besten acht U-21-Spieler der Welt ermittelt) gefragt, ob er nicht eher auf das "Race to London" schiele - also die inoffizielle Tennis-Weltmeisterschaft der besten acht Spieler der Welt am Ende der Saison.

Es war eine Antwort, die das Anspruchsdenken des bereits in jungen Jahren besten deutschen Tennisspielers im Jahr 2017 offenlegt. Zverev will nur allerhöchsten Ansprüchen genügen - und das nicht erst seit seinem Finalerfolg bei den BMW open gegen Überraschungsfinalist Guido Pella am Sonntagnachmittag.

Zverev hat das Gewinnergen auf natürliche Art und Weise von klein auf eingeimpft bekommen. Das Aufwachsen in der Tennisfamilie Zverev, das weltweite Herumreisen auf der Tour mit dem älteren Bruder Mischa, die lehrreiche Technik- und Taktikschule von Vater Alexander. Die Akribie und Ungeduld, die auch während der Trainingswoche in München durchschimmerten, mit der Zverev an seinen tennisspezifischen Zielen arbeitet, haben ihn bereits mit Anfang 20 auf ein erstaunlich hohes Level gehievt.

Turniersiege: Auf Augenhöhe mit Nadal und Murray

Mit den 250 Punkten für den Sieg in München steht für den Schlacks am Montag mit Platz 17 ein verdientes Karrierehoch zu Buche. Seit 2005 hatten lediglich fünf Spieler im vergleichbaren Alter drei Titel auf der Tour gewonnen. Klangvolle Namen: Rafael Nadal, Richard Gasquet, Novak Djokovic, Andy Murray und Juan Martin del Potro. Bis auf den Franzosen allesamt spätere Grand-Slam-Sieger.

Wenig überraschend, dass also auch am Sonntag die Fragen nach der potenziellen zukünftigen Nummer eins nicht lange auf sich warten ließen. Fragen, die der Youngster in der jüngeren Vergangenheit aus seiner Sicht schon (zu) oft beantworten musste.

Der glückliche, aber müde Turniersieger konnte sich ein leichtes Augenrollen nicht verkneifen, antwortete genervt, was er gebetsmühlenartig immer versucht, zu predigen: "Ich habe erst drei Turniere gewonnen. Um die Nummer eins zu werden, muss ich Grand Slams gewinnen und einige Masters." Auch wenn er schon einige große Matches absolviert habe. "Dass muss ich erstmal Woche für Woche abrufen. Es sind mir noch einige große Spieler voraus."

Mehr Spannung in der Pressekonferenz

Da sich in diese nicht neue Fragestellungen auch einige nicht tennisspezifischen Nachfragen einreihten, wurde der Turniersieger in der nur neun Minuten andauernden Pressekonferenz recht schnell einsilbig. Und auch als es dann wieder um Tennis gehen sollte, war der gebürtige Hamburger nicht mehr wirklich des Journalisten bester Freund. Nichts Neues. Die Ungeduld, die dem Davis-Cup-Spieler auf den Centre Courts dieser Welt schon derart hilft, wird ihm abseits noch manchmal zum Verhängnis.

Denn es hätte noch einiges Positives aufzuarbeiten gegeben aus der Münchener Festwoche - spielerisch, wie mental. Die Art und Weise, wie der Youngster etwa mit seiner beidhändigen Rückhand, diesen unfassbaren Hebeln, das Finale und vor allem das Halbfinale gegen den an zwei gesetzten Top-20-Spieler Roberto Bautista-Agut entschied.

Zverev hat schon mit 20 Jahren die vielleicht beste beidhändige Rückhand auf der Tour. Eine echte Waffe, die nicht jeder Spieler in den Ranglistenregionen des Deutschen vorzuweisen hat.

Nervenstärke: "... dann verliere ich halt"

Oder die Nervenstärke, mit der Zverev etwa seine Viertelfinalbegegnung gegen den formstarken Landsmann Jan-Lennart Struff gedreht hatte und die Art und Weise, wie der Turnier-Champion gegen Pella im Finale nach 2:4 und 15:40 noch in den ersten Satz zurückkam und diesen für sich entschied.

Er habe versucht, aggressiver zu spielen. Das habe zum Glück geklappt. "Ich versuche immer, meine Taktik weiter zu verfolgen. Wenn ich das Match verliere, was soll ich dann machen? Dann verliere ich halt. Aber wenn es klappt, dann finde ich als Spieler zurück ins Match." So sei es auch gegen Struff gewesen. "Das Match hätte auch in die andere Richtung gehen können."

Ging es dank der Nervenstärke Zverevs aber nicht. NBA-Fans hätten Zverev in diesen Tagen von München "Clutch" getauft. Spieler, die ihr Team in der Schlussphase mit wichtigen Treffern zum Sieg führen also. Nur, dass Zverev sich und sein Team selbst belohnte. Mit einem Preisgeld von 85.945 Euro, einer Hybrid-Flunder des Titelsponsors und, zur Begeisterung des Münchener Publikums, auch mit einer Lederhose.

"Hast du meine Vorhand schwächeln sehen?"

Leichte Schwächen im überdurchschnittlichen Spiel, auf der Vorhand etwa gegen Bautista-Agut, parierte er im Moment des Turniererfolgs offensiv. "Hast du meine Vorhand schwächeln gesehen?", fragte er kess. "Es war ein schweres Turnier, eine schwere Woche mit nur einem Satzverlust. Es gibt keinen Grund, für negative Gedanken. Ich fühle mich wohl auf dem Platz und hoffe, das auch in Madrid abzurufen."

Eigentlich wollte die Familie Zverev um den nach dem Turniersieg und dankenden Worten des Sohnemannes sichtlich gerührten Vater noch am Sonntag nach Madrid fliegen. Denn schon am Dienstag wartet der vor allem auf heimischen Sand noch immer sehr spielstarke Fernando Verdasco beim nächsten Mastersturnier auf die deutsche Nummer eins.

"Aber dass ich hier Sonntagabend noch sitze und einen Turniersieg feiere, darf ich nur positiv sehen. Und für das schlechte Wetter kann ja niemand etwas", sagte Zverev. Die fast dreistündige Verspätung überbrückte der Sieger im Übrigen nach eigenen Angaben mit einem zweieinhalbstündigen Mittagsschlaf. In dieser Hinsicht präsentierte sich Alexander Zverev ausnahmsweise ganz geduldig und in sich ruhend.

Alexander Zverev im Steckbrief

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