Tennis

Die Wimbledon-Reise geht weiter: Angelique Kerber schafft Halbfinal-Einzug

Von Ulrike Weinrich
Angelique Kerber, Wimbledon
© getty

Angelique Kerber steht zum dritten Mal seit 2012 im Halbfinale von Wimbledon und darf im All England Lawn Tennis Club weiter von ihrem dritten Grand-Slam-Titel träumen. Die an Position elf gesetzte Kielerin bezwang in der Runde der letzten Acht die Russin Daria Kasatkina (Nr. 14) mit 6:3, 7:5. Am Donnerstag trifft Kerber auf die ehemalige French-Open-Gewinnerin Jelena Ostapenko (Lettland/Nr. 12). Am Dienstagnachmittag könnte Julia Görges Kerber ins Semifinale folgen.

Von Ulrike Weinrich aus Wimbledon

Nach 1:29 Stunden verwandelte Kerber ihren siebten Matchball vor den Augen von knapp 15.000 Zuschauern und ließ ihrem Erfolg ein langgezogenes "Yeeeeeees" folgen. Es war ein Zeichen der Erleichterung - und irgendwie auch eine Ansage für die ganz heiße Phase des Tournaments. In der Royal Box spendete nach dem unterhaltsamen Schlagabtausch unter anderem Tennis-Ikone Billie Jean King Applaus, die mit brombeerfarbener Sonnenbrille bestens ausgestattet war.

Kerber nach dem Coup: "Gleich gehe ich erstmal ins Eisbad"

"Ich habe ein enges Spiel erwartet. Wir haben auf einem hohen Level gespielt. Es ist großartig, im Halbfinale zu stehen", sagte Kerber und meinte: "Ich habe mich immer wieder gepusht, bis zum Ende. Gleich gehe ich erstmal ins Eisbad." Sie hatte Kasatkina erst kürzlich beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne bezwungen.

Über Nacht hatte es auf der Insel einen empfindlichen Temperatursturz gegeben. Anstatt wie an den Tagen zuvor bis zu 30 Grad Celsius zeigte das Thermometer am Dienstagmittag lediglich 19 Grad Celsius an.

Wieder Blitzstart von Angelique Kerber

Obwohl Kerber bekanntermaßen eher die Hitze mag, knüpfte sie auf dem berühmtesten aller Centre Courts nahtlos an ihre hochkonzentrierte Leistung vom Vortag an. 24 Stunden zuvor war die Linkshänderin durch ein 6:3, 7:6 (7:5) gegen die Schweizerin Belinda Bencic in die Runde der letzten acht eingezogen. Auch diesmal entwickelte sich auf dem heiligen Rasen ein Spiel mit zum Teil langen und intensiven Grundlinienduellen.

Die Kielerin versuchte immer die erste zu sein, die nach einem Abtasten die Initiative übernimmt. Dies tat sie zumeist mit Hilfe ihrer gefürchteten Winkelbälle. Gleich in ihrem ersten Spiel musste Kerber allerdings einen Breakball abwehren - und nahm der an Position 14 gesetzten Kasatkina gleich darauf den Aufschlag ab.

Kasatkina schwächelte beim Aufschlag - Doppelfehler zum ersten Break

Die 21-jährige Russin, bekannt für ihre eingesprungene Rückhand, half in ihrem ersten Wimbledon-Viertelfinale mit einem Doppelfehler zur Unzeit allerdings nach. Das Break transportierte Kerber sicher bis zum 4:2, ehe Kasatkina erstmals den Aufschlag der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin durchbrechen konnte.

Doch mit zwei Doppelfehlern im folgenden Spiel ebnete Kasatkina ihr den Weg zum wichtigen 5:3. Wenig später profitierte Kerber bei ihrem zweiten Satzball nach 32 Minuten vom insgesamt 13. Unforced Error der Russin, die 2014 den French-Open-Titel bei den Juniorinnen gewonnen hatte. "Angie" leistete sich im ersten Durchgang lediglich zwei unerzwungene Fehler - es war die Basis für den Auftakt nach Maß.

Kasatkina kämpfte sich zurück - aber "Angie" hielt dagegen

Auch in der Folge diktierte Kerber zunächst das Geschehen und erspielte sich eine 3:1-Führung. Mit dem Rücken zur Wand erhöhte die gewohnt risikobereite Kasatkina dann allerdings den Druck - und fabrizierte zeitweise kaum mehr Fehler. Die Deutsche wurde in die Defensive gedrängt, in der sie sich eigentlich wohlfühlt.

Kasatkina glich nach ihrem insgesamt vierten Break zum 5:5 aus, doch Kerber holte sich den alten Vorsprung wieder und brachte nach zuvor zwei Aufschlagverlusten in Serie endlich ihr Service wieder durch. Bis dahin musste die Fed-Cup-Spielerin aber kämpfen, denn die Russin wehrte sich noch einmal heftig - und spielte bei den Matchbällen zunächst erfolgreich "Alles oder Nichts". Kerber behielt letztlich die Nerven.

Julia Görges (Nr. 13) bestreitet ihr Viertelfinale am Dienstagmittag gegen Kiki Bertens aus den Niederlanden (Nr. 20). Zwei deutsche Halbfinalistinnen bei einem Grand-Slam-Turnier hatte es in der 50-jährigen Geschichte des Profitennis nur 1990 bei den Australian Open und 1993 bei den French Open gegeben. In Wimbledon war dies in 134 Jahren nur 1931 der Fall, als Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel später sogar das Endspiel bestritten.

Kerber überlässt nichts dem Zufall: Routine geht vor!

Kerber überlässt in den Tagen von Wimbledon nichts dem Zufall. Wie fast immer schlug sie sich mit ihrem belgischen Coach Wim Fissette von 10.30 bis 11.00 Uhr auf Court 14 ein, der ganz außen im Aorangi Park, dem Bereich mit den Trainingsplätzen, liegt. "Ich habe hier meine Rituale, dabei bleibe ich auch", berichtete die Linkshänderin, die sich im Großen und Ganzen aber nicht für "abergläubisch" hält.

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