Medvedevs Münzwurf, Spott für Tomic, Maßnahmen gegen Aufgabenflut

Londoner Rasenspiele, Tag 3

Mittwoch, 05.07.2017 | 22:40 Uhr
Wimbledon
© getty
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Dies und Jenes von Tag 3 in Wimbledon.

Von Christian Albrecht Barschel aus Wimbledon

Medvedevs Münzwurf: So schnell kann es gehen. Vor zwei Tagen war Daniil Medvedev nach dem Centre-Court-Sieg gegen Stan Wawrinka noch auf Wolke sieben, heute präsentierte sich der 21-Jährige nicht von seiner besten Seite. Nach der Fünfsatzniederlage gegen Qualifikant Ruben Bemelmans warf Medvedev Münzen in Richtung Schiedsrichterstuhl - alles andere als die feine englische Art. Der Russe war erbost über ein paar Entscheidungen zu seinen Ungunsten. Er rief zuvor den Supervisor auf den Platz und wollte Schiedsrichterin Mariana Alves vom Stuhl nehmen lassen. In der Pressekonferenz zeigte sich Medvedev zerknirscht. "Ich weiß nicht, was ich getan habe. Das war in der Hitze des Augenblickes. Ich war frustriert, dass ich das Match verloren habe und habe etwas Doofes gemacht. Schiedsrichter machen Fehler. Ich als Tennisspieler mache auch Fehler. Einer davon war nach dem Match. Ich kann dafür nur um Entschuldigung bitten."

Aufgabenflut: Sieben Aufgaben gab es bei den Herren in der ersten Runde. Das ist Rekord in Wimbledon, 2008 waren es ebenfalls sieben Aufgaben. Bei den US Open 2015 gab es sogar zehn Aufgaben in der ersten Runde. Die vielen abgebrochenen Matches lassen die Diskussion wieder aufflammen, ob es fair ist, wenn angeschlagenen Spieler antreten, um schließlich doch aufzugeben. Janko Tipsarevic und Viktor Troicki gaben bereits nach wenigen Minuten auf. 35.000 Pfund gibt es in Wimbledon für die Teilnahme an der ersten Runde. Da liegt der Verdacht nahe, dass viele Spieler den Grand-Slam-Scheck mitnehmen möchten, obwohl sie nicht fit genug sind, um zu gewinnen. Was also tun, um eine Aufgabenflut zu vermeiden? Der renommierte Tennisjournalist Jon Wertheim macht den Vorschlag, dass die Grand-Slam-Turniere die aktuelle ATP-Regel übernehmen. Alle Spieler, die sich für das Grand-Slam-Hauptfeld qualifiziert haben, sollen das Preisgeld bekommen, auch wenn sie verletzungsbedingt nicht antreten können. Die Lucky Loser, an die die freien Startplätze gehen, bekommen das zusätzliche Preisgeld erst ausgeschüttet, wenn sie ihr Auftaktmatch gewinnen. Brad Gilbert, der in seiner Karriere nie ein Match aufgab, fordert stattdessen, dass man bei einer Aufgabe für die nächsten zwei Turnierwochen gesperrt ist.

Spott für Tomic: Der Erstrundenauftritt von Bernard Tomic gegen Mischa Zverev wird kontrovers diskutiert. Der Australier erklärte gestern nach seiner Niederlage, dass er sich auf den Platz gelangweilt habe. Pat Cash legte Tomic bei dessen Einstellung einen Berufswechsel nahe. Die erste Jobofferte trudelte auch gleich ein, von der Polizeistation in Western Australia. Tomic hatte bereits mehrfach Ärger mit der Justiz. Vor zwei Jahren wurde nach einer wilden Partynacht wegen Ruhestörung festgenommen.

Nummer-eins-Rennen: Sehen wir direkt im Anschluss nach Wimbledon den Wechsel bei der Nummer eins der Welt bei Damen und Herren? Das gab es zuletzt im Jahr 2012. Zumindest bei den Damen ist dieses Szenario sehr wahrscheinlich. Angelique Kerber muss mindestens das Finale erreichen, um die Führung in der Weltrangliste zu behalten. Aber selbst das wird wahrscheinlich zu wenig sein. Karolina Pliskova und Simona Halep sind in Lauerstellung. Bei den Herren hätte Stan Wawrinka mit dem Titelgewinn in Wimbledon die Nummer eins werden können. Das Resultat ist bekannt. Es läuft womöglich auf den Zweikampf zwischen Andy Murray und Rafael Nadal hinaus. Hier sind die jeweiligen Szenarien im Rennen um die Nummer eins bei Damen und Herren.

Federer erklärt seinen Aufschlag: Als Roger Federer gestern sein 10.000. Ass in einem Match auf ATP-Level (als dritter Spieler überhaupt) geschlagen hatte, bemerkten das nur die Journalisten. Ein männlicher Zuschauer rief kurioserweise danach rein: "Heirate mich, Roger!". Federer schlug in Wimbledon bislang 1223 Asse in 96 Partien, 50 davon im Finale 2009 gegen Andy Roddick. Angesprochen auf seine vielen Asse, erklärte der "Maestro": "Die Aufschlagbewegung kam bei mir schon immer recht natürlich. Im Prinzip könnte man mich um drei Uhr morgens aufwecken, und ich würde gleich gut servieren, wie wenn ich mich aufgewärmt habe. Das ist sicher eine Stärke von mir." Vor jedem Aufschlag nimmt sich Federer eine zusätzliche Sekunde Zeit. "Diese Sekunde lohnt sich, denn beim Aufschlag habe ich die beste Chance, den Punkt zu gewinnen. Ich überlege mir: Wohin habe ich vorher serviert? Wohin will ich den Ball jetzt schlagen? Mit welchem Spin? Mit welcher Power? Was ist der Spielstand?"

Nächster Federer-Rekord: Und noch was zu Roger Federer: Der diesjährige Start in Wimbledon bedeutet die 70. Hauptfeldteilnahme an einem Grand-Slam-Turnier. Der Schweizer ist damit mit Fabrice Santoro gleichgezogen. Läuft alles nach Plan, wird Federer bei den US Open der alleinige Rekordhalter. Bei den Damen liegt Venus Williams vorne. Die US-Amerikanerin spielt in Wimbledon ihr 75. Grand-Slam-Turnier. Wie Federer sich im Laufe der Grand-Slam-Jahre verändert hat, seht ihr in dieser Collage.

Agassi besiegt Djokovic: In Wimbledon ist neben Mario Ancic auch Andre Agassi wieder im Trainerteam von Novak Djokovic. Bei einer Übungseinheit bat der "Djoker" sein Team zum Boccia-Duell. Djokovic legte vor und warf seinen Ball fast direkt auf die Grundlinie. Doch dann kam Agassi...

"Bucie"-Slam: Bethanie Mattek-Sands und Lucie Safarova, mittlerweile bekannt als "Bucie", bilden seit Anfang 2014 ein Doppel. Und was für eines! Fünf Grand-Slam-Turniere haben die beiden, die auch abseits des Platzes ein Herz und eine Seele sind, bereits gemeinsam gewonnen. Der Wimbledontitel fehlt noch in der Sammlung. Sollten Mattek-Sands und Safarova in Wimbledon triumphieren, würden sie alle Grand-Slam-Titel gleichzeitig halten. Das Unternehmen "Bucie"-Slam ist heute gestartet. Schritt eins war erfolgreich, fünf weitere sollen noch folgen.

Der frühe Vogel: Ein Besuch in Wimbledon ist für viele Tennisfans das Höchste der Gefühle. Wer nur eine Karte für die Außenplätze hat, braucht gute Nerven, Geduld und sollte möglichst früh dran sein, wenn er viel Tennis gucken möchte. Denn die Plätze sind gerade auf den kleinen Courts schon Minuten vor Beginn der Matches oft besetzt. Auch für Medienvertreter ist es nahezu unmöglich, auf Courts ohne Presseplätze Zugang zu bekommen. Wer Courthopping betreiben möchte, braucht extrem viel Glück. Ratsam ist es, den Spielplan zu studieren, die Matches rauszupicken, die man sehen möchte und sich sehr früh einen Platz suchen.

Tennisgeschichte: Am 5. Juli ist so einiges Geschichtsträchtiges passiert in Wimbledon. 1980 fand eines der denkwürdigsten Matches in der Tennisgeschichte auf dem "Heiligen Rasen" statt. Björn Borg gewann Wimbledon zum fünften Mal in Folge mit einem Finalsieg gegen John McEnroe. Der Tiebreak im vierten Satz, den McEnroe mit 18:16 gewann, ist unvergessen. Ein denkwürdiges Finale lieferten sich 2009 Roger Federer und Andy Roddick, das der Schweizer mit 16:14 im fünften Satz für sich entschied. Arthur Ashe (1975), Pat Cash (1987), Andre Agassi (1992) und Martina Hingis (1997) triumphierten am 5. Juli das erste und einzige Mal in Wimbledon. Hingis ist mit ihren 16 Jahren und neun Monaten die jüngste Wimbledonsiegerin im Einzel in der Geschichte des Profitennis.

Spielplan Donnerstag: Centre Court (Beginn: 13 Uhr Ortszeit): Gael Monfils - Kyle Edmund, anschließend: Karolina Pliskova - Magdalena Rybaraikova, anschließend: Roger Federer - Dusan Lajovic, Court 1 (Beginn: 13 Uhr Ortszeit): Novak Djokovic - Adam Pavlasek, anschließend: Dominic Thiem - Gilles Simon, anschließend: Angelique Kerber - Kirsten Flipkens.

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