French-Open-Bilanz 2018 - Am Ende gewinnen immer die Besten

Von Jens Huiber
Montag, 11.06.2018 | 07:44 Uhr
Roland Garros 2018 ist Geschichte
© Jürgen Hasenkopf

15 Tage French Open 2018 sind Geschichte. Die ganz persönliche Bilanz für das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres fällt zum Großteil positiv aus.

Mittendrin in einer Serie, wie sie Rafael Nadal Jahr für Jahr hinlegt, nimmt man den elften Titel beinahe als von einer höheren macht vorgegeben, unvermeidlich hin. Nachfolgende Generationen werden sich aber wahrscheinlich fragen, ob sich nicht ein paar Fehler in die Rekordbücher eingeschlichen haben.

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Dominic Thiem muss sich nicht grämen: Mit der Last, ein Halbfinale aus dem Vorjahr verteidigen zu müssen, nach Paris gekommen, ist der Österreicher sogar noch einen Schritt weiter gekommen. 56 Minuten für einen 4:6-Satz zeigen dann auch, dass Thiem so weit nicht weg ist vom großen spanischen Meister.

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Respekt an Simona Halep, die allen Grund gehabt hätte, bei Satz- und Break-Rückstand im Finale an ihren Nerven zu scheitern. Hat sie nicht, mithin also eine verdiente Siegerin. Wobei: Im Tennissport gibt es keine unverdienten Sieger. Wer den letzten Punkt macht, war der/die bessere SpielerIn.

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Dennoch: Alles in allem geht der Titel "Spielerin des Turniers" an Sloane Stephens. Extrem launige Pressekonferenzen sind das eine. Wenn Stephens aber so spielt wie im ersten Satz des Finales - schlau, schnell, variantenreich - dann hinterlässt das bei den Zuschauern richtig Freude. Und den Wunsch nach mehr.

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Am Finalsonntag hat sich auch die bald größte Skifahrerin aller Zeiten in Paris gezeigt: Mikaela Shiffrin wanderte ab Mittag über die Anlage, im Schlepptau die Frau Mama, die sicherheitshalber jede Bewegung von Mikaela im Bewegtbild festhielt.

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Angelique Kerber und Simona Halep lieferten sich am Mittwoch nicht nur ein streckenweise hochklassiges Match, die beiden Damen bauten auch eine beeindruckende Geräuschkulisse auf. Zu hören noch außerhalb des Courts Suzanne Lenglen. Welch ein Kontrast zu Marin Cilic und Juan Martin del Potro, die auf Kerber und Halep folgten: Zwei sanfte Riesen, die den Zuschauern ein Silent Movie boten. Ein kleines Schnaufen von Cilic beim Aufschlag, aber sonst? Beinahe biblische Ruhe, flankiert von Hochgeschwindigkeitstennis.

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Einer der schönsten Nebenaspekte bei den French Open ist die Art und Weise, wie die Franzosen ihre Ballkinder feiern. Da ist der gemeinsame Lauf über die Anlage, gleich nachdem die Tore für das Publikum aufgegangen sind. Da ist aber auch die Tradition, dass ein Mädchen oder Junge in den beiden größten Stadien vor den Hauptprotagonisten auf den Court kommt. Mit einem Rucksack voller Bälle. Und vom Stadionsprecher vorgestellt wird. Ein Fest für Kinder, Eltern und Freunde.

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Der Kampf um die Gunst der Junioren ist längst ausgebrochen - und zum Teil schon entschieden: Patrick Mouratoglou bewies erstaunliche Nähe zu beiden Nachwuchs-Champions, Patricio Apex, der Manager von Alexander Zverev, hat augenscheinlich Sebastian Korda an sich gebunden.

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Apropos JuniorInnen: Gespielt wird ohne Netzaufschlag. Was, obwohl die Stichprobe nur sein klein ist, im Zweifel eher ein Vorteil für die Rückschläger ist.

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Die Unterstützung der österreichischen Tennisfans am Dienstag der zweiten Woche war beeindruckend. Und wurde auch entsprechend belohnt, vor allem auf dem Court 1. Dort hatten sich Oliver Marach und Alexander Peya ins Halbfinale gespielt - und ihrer Freude auch dadurch Ausdruck verliehen, dass sie den Wünschen der Fans nach Orginal-Handtüchern nachgekommen sind. Käuflich zu erwerben in der kleinen Version um 45.- Euro, das etwas größere Stück zu 70.-.

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Es gibt keine Zufälle: Vor dem Matchball von Juan Martin del Potro gegen Marin Cilic hatte sich ein Fan des Argentiniers noch einmal lautstark zu Wort gemeldet. Als einziger auf den Tribünen des Court Suzanne Lenglen. DelPo macht den Punkt, schießt einen Ball einfach blind und hoch in die Luft - und der landet natürlich prompt in der Hand des nämlichen Zuschauers.

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Zum Schluss: wieder einmal ein herzliches "Au revoir" an Court 1. Bis jetzt durften sich Spieler, Journalisten, Zuschauer darauf verlassen, dass die legendäre Stierkampfarena trotz alljährlicher Abrisspläne dann eben doch noch stehen bleibt. Nun soll endgültig Schluss sein. Nicht nur Alexander Peya hofft auf eine weitere Gnadenfrist.

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