Packers-Running-Back Eddie Lacy

Das Ergebnis blanker Wut

Von Jan-Hendrik Böhmer
Dienstag, 05.11.2013 | 16:33 Uhr
Eddie Lacy im Spiel gegen die Washington Redskins
© getty
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Im Draft übergangen, von Experten kritisiert und als Einzelgänger abgestempelt: Mittlerweile ist Running Back Eddie Lacy einer der Hoffnungsträger bei den Green Bay Packers. Wegen seiner professionellen Einstellung - und seiner schweren Kindheit.

Wenn es im Leben ein vorgesehenes Pensum an Rückschlägen gibt, dann hat Eddie Lacy es bereits vor einiger Zeit ausgeschöpft. 2005 wurde das Haus seiner Familie in Gretna, Louisiana von Hurrikane Katrina zerstört. In den drei Jahren danach tingelte er durch mehrere Bundesstaaten, übernachtete bei Verwandten oder Bekannten der Familie. Bis er in einem Wohnwagen unterkam.

Damals war Lacy gerade 14 Jahre alt und ein vielversprechendes Football-Talent. Seine Trophäen aus der Zeit vor Katrina? Von Plünderern geklaut oder dem Hurrikan zum Opfer gefallen. Es folgten Depressionen und eine Einstellung, die Lacy selbst als "innerlich abgestumpft und mit dem Kopf voraus rennend" bezeichnet. Auch jetzt, mehr als acht Jahre später, wirkt sein Grinsen aufgesetzt.

Ob er jemals wieder so unbeschwert leben könne wie vor 2005, wurde Lacy vor kurzem in einem Interview gefragt. Seine Antwort: "Keine Ahnung. Bis heute habe ich es jedenfalls nicht geschafft". Nicht gerade die Replik, die man von einem 22-Jährigen erwartet, der gerade seine erste NFL-Saison spielt und als größter Hoffnungsträger im Laufspiel der Green Bay Packers gilt.

"Katrina hat mir das Wichtigste genommen"

Doch sich als Opfer sehen und in Selbstmitleid versinken, darauf hat Lacy keine Lust. Hatte er noch nie. Während viele seiner Freunde im Trailer-Park das Leben als aussichtslose Möchtegern-Rapper glorifizierten, setzte Lacy seinen Frust in Power-Runs auf dem Football-Feld um. Sein damaliger Coach, Benny Saia, erinnert sich noch heute mit leuchtenden Augen an "10 gebrochene Tackle pro 60-Yard-Run" und schwärmt davon, wie natürlich und leicht das alles für Lacy ausgesehen habe.

Für Lacy selbst hatte das alles jedoch wenig mit Leichtigkeit zu tun. Viel mehr mit blanker Wut. "Denn davon gab es eine ganze Menge", erklärt Lacy. "Katrina hat mir das Wichtigste genommen - die Freude am Spiel. Vor dem Hurrikane war es eine große Party mit Freunden, danach war es blanker Zorn." Anstatt sich nach einem Touchdown feiern zu lassen, ging Lacy an der Seitenlinie auf die Knie. Alleine.

"Hatte eine ganze Menge zu beweisen"

Auch heute noch, im Locker Room der Packers, sieht Lacy nachdenklich aus. Bei der Frage nach seinem vorläufigen NFL-Fazit legt er den Kopf schief und denkt nach. Ob er sich denn jetzt nicht besser fühle, nachdem er es den Kritikern gezeigt habe? Den Kritikern, die ihm im Vorlauf des Drafts die Leidenschaft zum Football und seine NFL-Tauglichkeit absprachen.

"Das ist natürlich eine ziemlich große Motivationshilfe", sagt Lacy nach einer Weile im Gespräch mit SPOX. "Jedes Mal wenn irgendetwas nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, motiviert dich das. Dann willst du es besonders dir selbst beweisen. Und ja, ich hatte eine ganze Menge zu beweisen."

Nach dem Draft sah dann auch alles danach aus, als wäre er auf dem besten Weg, zu einem der "größten Draft-Steals der Saison" (ESPN) aufzusteigen. Wie dann eine Gehirnerschütterung beim ersten Ballkontakt des Home-Openers ins Bild passt? Für Lacy nur allzu gut. "Es ist immer irgendwas", sagt er.

Rückschläge als Motivationshilfe

So wie damals am College, als er in Alabama erst hinter Mark Ingram und dann hinter Trent Richardson kaum zum Einsatz kam - und sich dann auch noch verletzte. Oder als er bei den Pre-Draft Workouts bescheidene Leistungen zeigte und auch noch Fragen zu seiner körperlichen Fitness laut wurden.

Doch genau das, so sagt Lacy, habe ihn nur noch stärker gemacht. "Diese ganzen Rückschläge wegzustecken hat mir eines gezeigt: Wenn du die richtige Einstellung hast, dann kannst Du jedes Hindernis überwinden. Selbst wenn schlimme Dinge passieren, kannst Du es schaffen", erklärt er. "Wann immer es mir mies geht, denke ich daran, was ich alles schon überstanden habe. Dann wird mir bewusst: was immer auch kommt, es kann nicht so schlimm sein, dass ich es nicht bewältige."

Später Draft als Glücksfall?

Mittlerweile ist Lacy auf einem guten Weg. Mit 596 Yards und 4 Touchdowns ist er nicht nur der beste Running Back der Packers, er liegt unter den Top 10 der NFL und entwickelt sich zum Star - das bewies auch seine Leistung (150 YDS, TD) im Monday Night Game gegen die Bears.

Dass er beim Draft in die zweite Runde abrutschte, sieht er mittlerweile sogar als Glücksfall. "Die Packers sind eine der besten Organisationen in der NFL. Ich bin sehr glücklich hier. Green Bay erinnert mich ein wenig an Alabama. Die Fans, der Stellenwert des Sports, die professionelle Struktur: Das alles kommt mir sehr entgegen. Ich fühle mich sehr wohl", erklärt Lacy - und zeigt dabei erstmals so etwas wie ein Lächeln.

Ansonsten bleibt er aber "all business". Spricht Lacy über Football, finden sich darin kaum Emotionen wieder. Sein Motto: don't talk with passion, play with passion. Selbst für die Denver Broncos und Pittsburgh Steelers, die ihn im Draft übergingen, hat er keine negativen Worte übrig. "Die Spieler, die sie an meiner Stelle ausgewählt haben, sind doch richtig nette Typen", sagt er sogar.

Jeder Spielzug könnte der letzte sein

Viel lieber will er auf dem Feld ein Ausrufezeichen setzen. "Ich werde gegen sie Spielen. Das ist alles, was ich brauche", sagt Lacy. "Auf das, was andere da hineininterpretieren, höre ich erst gar nicht."

Seine volle Konzentration soll nämlich den Packers gelten. Ob er denn mit den Packers auch so viel Erfolg haben wird wie in Alabama, wo er drei College-Titel gewann? Schwer zu sagen. Er selbst jedenfalls will darüber derzeit noch nicht nachdenken. "Das ist schließlich meine erste Profi-Saison", sagt Lacy. "Da will ich mir keine großen Ziele setzen und lieber auf dem Profi-Level lernen."

Viel zu gut weiß er, dass es eben doch oft anders kommt als geplant. "Deshalb gehe ich bei jedem Spielzug so zur Sache, als könnte es mein letzter sein." Ärgerlich, mit dem Kopf voraus.

Der Kader der Green Bay Packers im Überblick

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