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Super Bowl: Der Aufstieg von Colin Kaepernick

Das Versprechen aus der Grundschule

Von Bastian Strobl
Dienstag, 29.01.2013 | 17:48 Uhr
Colin Kaepernick trifft mit den 49ers im Super Bowl auf Baltimore
© Getty
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Sein Ziel war seit Kindestagen die NFL. Doch die Reise von Colin Kaepernick hätte fast ein frühes Ende genommen. Bis ein Basketball-Spiel sein Leben für immer veränderte. Im Super Bowl kann der 49ers-Quarterback gegen die Baltimore Ravens (Mo., 0.15 Uhr im LIVE-TICKER) nun in die Fußstapfen von Joe Montana und Steve Young treten.

Als Kind hat man noch große Träume. Nichts scheint unmöglich. Astronaut, Feuerwehrmann, Rennfahrer - die Welt liegt einem zu Füßen. Das galt einst auch für die Schüler der Dutcher Elementary School im kalifornischen Turlock.

In diesem kleinen, verschlafenen Örtchen östlich von San Francisco begann die Geschichte des Colin Kaepernick. Das Bild, das der damals schmächtige Vierklässler mit seinen 40 Kilo abgab, ließ noch nicht erahnen, welche Heldentaten er einige Jahre später vollführen sollte.

Als seine Grundschullehrerin ihre Kinder eines Tages aufforderte, einen Brief an ihr späteres Ich zu verfassen, brauchte Kaepernick dennoch nicht lange, um seinen Wunsch auf Papier zu bringen.

"Ich hoffe, dass ich an einem guten College Football spiele, um bei den Niners oder Packers einen Platz zu bekommen, selbst wenn sie dann nicht zu den Top-Teams gehören." Die Worte Kaepernicks hören sich im Nachhinein wie ein Versprechen an.

Eine neue Ära in San Francisco

Ein Versprechen, dass er spätestens am 19. November 2012 einlöste. Monday Night Football. 49ers vs. Bears. Candlestick Park. Vor den Augen einer ganzen Nation machte Kaepernick sein NFL-Debüt als Starter und läutete damit in San Francisco eine neue Ära ein.

Es war nicht der 32:7-Erfolg über Chicago, der in den nächsten Tagen die Schlagzeilen dominierte. Es war die Art und Weise, wie Kaepernick die 49ers über das Feld führte, die für offene Münder sorgte.

Allerdings nicht bei den knapp 70.000 Einwohnern von Turlock. "Was er am Montag abgeliefert hat, war für mich keine Überraschung. Seine Würfe, sein Improvisationstalent, seine Leader-Qualitäten - all das habe ich bereits tausend Mal gesehen", erklärte Phil Sanchez, ein langjähriger Freund, einige Tage später.

Die Weggefährten aus seiner Kindheit sind stolz auf ihren Colin. Auf den bekanntesten Sohn der Stadt. Dass dieser ursprünglich gar nicht aus Turlock kommt, nimmt man dabei nicht ganz so genau. Kaepernick wurde 1987 in Wisconsin geboren.

Umzug nach Kalifornien

Seine biologische Mutter Heidi Russo war gerade 19 Jahre alt, als sie den kleinen Colin bekam. Aus Angst, sie könne ihm kein gutes Leben bieten, gab sie ihren Sohn allerdings schnell zur Adoption frei. Sechs Wochen nach der Geburt nahmen sich Rick und Teresa Kaepernick seinem Schicksal an, nachdem das Paar zwei eigene Kinder mit Herzfehlern verloren hatte. Mit vier Jahren siedelte die komplette Familie nach Kalifornien um.

Dort sollte er schnell sein Revier markieren. Basketball, Baseball, Football - Kaepernick hinterließ überall seine Spuren und wurde zu einem echten Multitalent. Seine Freunde nannten ihn gar "Bo", in Anlehnung an Bo Jackson, der Anfang der 90er Jahre in der MLB und NFL die Massen verzückte.

Was bereits zu dieser Zeit unübersehbar war: Kaepernicks unbändiger Siegeswille. Nichts schien ihn stoppen zu können. Auf dem Baseball-Feld warf er einst einen No-Hitter, nur um direkt nach der Partie mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.

"Ich hatte etwas zu beweisen"

Seine Football-Kollegen erinnern sich dagegen gerne, wie Kaepernick einst gegnerischen Tackles 30 Sekunden lang auswich, bevor er einen Touchdown-Pass über die am Boden liegenden Verteidiger abfeuerte. Es sind diese Geschichten, die zur Legendenbildung dazugehören.

Es waren jedoch auch diese Geschichten, die so unglaubwürdig klangen, dass viele College-Vertreter ihren Ohren kaum glauben konnten. Die Folge: Rod Hollars, der Direktor der Pitman High School, lud regelmäßig Scouts ein, damit diese sich selber ein Bild von Kaepernicks Fähigkeiten machen konnten.

Das sollte sich bezahlt machen. Kaepernick erhielt dank seiner Baseball-Errungenschaften einige Stipendien, im MLB-Draft 2009 wurde er sogar in Runde 43 von den Chicago Cubs gezogen. Doch Kaepernick wollte nicht. Er wollte kein Pitcher sein. Er wollte Quarterback sein. Nicht mehr und nicht weniger. Obwohl viele ihm rieten, sein Glück im Baseball zu versuchen, ließ sich Kaepernick nicht beirren.

Er nahm an Training Camps teil, um sich zu verbessern, und traf dort unter anderem auf Matthew Stafford, Jake Locker und Josh Freeman. "Bei diesen Events kamen immer viele Eltern auf mich zu und haben mich gefragt, wer ich denn sei und auf welches College ich gehen werde", blickt Kaepernick zurück. "Als ich ihnen dann sagte, dass ich noch kein Stipendium bekommen habe, waren sie ziemlich überrascht. Das hat mich einerseits frustriert, aber auch angetrieben. Ich hatte etwas zu beweisen."

Coach verbietet Running Game

Die Monate verstrichen, doch das Telefon blieb stumm. Selbst als Pitman-Coach Larry Nigro und sein Bruder Kyle Best-of-Videos zusammenstellten, um die Colleges zu überzeugen, bekam er nicht das erhoffte Stipendium. Zu dünn, zu schmächtig, schlechte Wurftechnik - die Begründungen ähnelten sich meistens wie ein Ei dem anderen.

Dass Nigro Kaepernick zudem verbot, sein Running Game aus Angst vor Verletzungen zu etablieren, tat sein Übriges dazu. "Ich hatte damals wohl minus 50 Rushing Yards auf dem Konto", schmunzelt er heutzutage darüber. Kaum zu glauben, bedenkt man, dass Kaepernick in der NFL-Saison 2012 415 Yards verbuchte.

Erst ein Basketball-Spiel sollte den Lauf der Dinge und damit auch Kaepernicks Leben für immer verändern. Nachdem Nigro Barry Sacks, der bei der University of Nevada als Assistant Coach arbeitete, mal wieder von seinem Quarterback vorschwärmte, entschied sich Sacks, der Pitman High School einen Besuch abzustatten.

Immerhin war beim Wolf Pack, so der Name des dortigen Football-Teams, zu diesem Zeitpunkt sowieso noch ein Platzchen auf der QB-Position frei. Weil die Football-Saison allerdings bereits zu Ende war, entschied sich Sacks, Kaepernick während eines Basketball-Spiels unter die Lupe zu nehmen.

Kaepernick trotzt Fieber

"Wir interessierten uns nicht für Basketballer, aber zumindest konnte ich ihn so in Sachen Athletik und Willenskraft ein bisschen besser einschätzen", so Sacks. Was er zusehen bekam, dürfte ihn überzeugt haben.

Trotz 39,4 Grad Fieber dominierte Kaepernick die Partie und wies eben jene Attribute auf, die beim Wolf Pack geschätzt wurden. "Ich habe sofort Chris Ault (Nevadas Coach, Anm. d. Red.) angerufen und gesagt: ‚Der Kerl ist unglaublich'", erinnert sich Sacks. Niemand von Nevadas Coaching Staff hatte Kaepernick jemals live einen Snap nehmen sehen. Niemand hatte Kaepernick jemals live werfen sehen. Niemand hatte Kaepernick überhaupt live auf einem Football-Feld gesehen.

Und dennoch war die Entscheidung gefallen. Kaepernick bekam sein Stipendium. Das Einzige, das ihm angeboten wurde. Die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft waren gestellt.

Die Pistol-Offense

Nachdem er als Freshman den Platz des verletzten Starting-QB Nick Graziano einnahm, erkannte Head Coach Ault, wen er in Kaepernick gefunden hatte. Den perfekten Mann für seine Pistol-Offense. "Er hat hervorragend zu uns gepasst, mit seiner Spielintelligenz, seinem starken Arm und dem Running Game. Er war ein geborener Siegertyp", lobt Ault seinen einstigen Schützling noch heute.

Das Duo perfektionierte die Pistol-Formation, bei der der Spielmacher nicht so weit hinter der O-Line steht wie bei der üblichen Shotgun-Aufstellung. Das erlaubt dem Quarterback nicht nur, leichter über die Line of Scrimmage zu blicken und damit das Downfield besser im Auge zu behalten, sondern - in diesem Fall - Kaepernicks Stärken als Running Back gezielt einzusetzen.

Der Erfolg gab ihnen Recht. Bereits bei seinem ersten Einsatz von Beginn an brillierte Kaepernick und hatte den haushohen Favoriten Boise State am Rande einer Niederlage. Erst nach viermaliger Overtime musste sich das Wolf Pack mit 67:69 geschlagen geben. Die Partie und Kaepernicks Performance (243 Yards, 3 TD, 177 Rush-YDS, 2 Rush-TD) schlugen dennoch hohe Wellen. Während Experten von der besten Leistung sprachen, die Nevada jemals gesehen hatte, wiederholte "ESPN" den Krimi in den darauf folgenden Tagen sogar mehrmals auf seinem "Classic"-Sender.

Es sollte aber nur der Anfang sein. Freshman of the Year, zweifacher Offensive Player of the Year (jeweils in der Western Athletic Conference), Humanitarian Bowl MVP. Kaepernick beeindruckte während seiner College-Zeit und wurde zum ersten Spieler in der Geschichte der NCAA Division I, der mindestens 10.000 Passing-Yards und 4000 Rushing-Yards auf dem Konto hatte.

Ein Rohdiamant

Nachdem er das College mit einem Bachelor in BWL abgeschlossen hatte, war es im NFL-Draft 2011 dann so weit. In der zweiten Runde schnappten sich die 49ers Kaepernicks als insgesamt 36. Pick. Sein Traum war in Erfüllung gegangen. Er durfte sich das Trikot überstreifen, dass vor ihm bereits Legenden wie Joe Montana, Jerry Rice oder Steve Young trugen.

Der Rest ist Geschichte. Wie bereits im College verletzte sich der Starting-QB, in diesem Fall Alex Smith, der sich in Week 10 gegen die Rams eine Gehirnerschütterung erlitt. Kaepernick nutzte diese Chance, führte seine 49ers in den ersten Super Bowl seit 18 Jahren und bewies eindrucksvoll, dass die Pistol Offense auch in der NFL funktionieren kann.

"San Francisco hat einen Rohdiamanten. Sein Potential ist fast grenzenlos", bescheinigte NFL-Analyst Trent Dilfer den 49ers zuletzt eine glorreiche Zukunft. Auch mit 25 Jahren scheint für Colin Kaepernick also nichts unmöglich zu sein.

Die NFL-Playoffs in der Übersicht

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