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NBA Playoffs – Brook Lopez dominiert Spiel 1 gegen die Raptors: "Jetzt bin ich unsterblich"

Brook Lopez ließ seinen Emotionen in Spiel 1 freien Lauf.

Spiel 1 der Eastern Conference Finals wurde ausnahmsweise mal nicht von einem der Superstars der Milwaukee Bucks oder Toronto Raptors entschieden - der Mann des Tages war Brook Lopez. Dabei hatte der "Splash Mountain" noch in der vorigen Serie arg mit seinem Wurf gehadert.

Sollte Raptors-Coach Nick Nurse seinem Team eine Checkliste für Spiel 1 mit auf den Weg gegeben haben, könnte man eigentlich meinen, dass viele essenzielle Punkte davon abgehakt wurden. Allen voran wurde der Impact von Giannis Antetokounmpo und Khris Middleton gut limitiert, die beiden All-Stars der Raptors Kawhi Leonard und Kyle Lowry gewannen dieses "Duell" mit 61:35.

Bei den Bucks fühlte man sich gerade in der ersten Hälfte ein wenig an das erste Spiel gegen Boston erinnert, als die Celtics-Defense Giannis vom Korb fernhielt und die restlichen Bucks etwas geschockt wirkten. Gemessen an seinen Standards machte Giannis offensiv kein gutes Spiel (24 Punkte, 7/16 FG), trotz gesteigerter Aggressivität in Hälfte zwei.

Trotzdem konnten die Bucks das Spiel gewinnen, obwohl sie nach drei Vierteln noch mit 7 hinten lagen. Einerseits lag das an der herausragenden Defense, die müden Raptors im letzten Viertel nur noch 17 Punkte erlaubte und Kawhi völlig abmeldete. Und andererseits daran, dass der größte Steal der Free Agency 2018 eine überragende Performance aufs Parkett zauberte und für die Stars in die Bresche sprang.

"Das war heute, in einem entscheidenden Moment, ein großartiger Brook Lopez", lobte Bucks-Coach Mike Budenholzer den Mann des Abends, nachdem dieser 29 Punkte, 11 Rebounds und 4 Blocks zum 108:100-Sieg beigesteuert hatte. Wohlgemerkt nach 0 Punkten im letzten Spiel gegen Boston.

Die Neu-Erfindung als "Splash Mountain"

Für 3,4 Millionen Dollar konnte Milwaukee Lopez im Sommer 2018 verpflichten, weil die Los Angeles Lakers ihn nicht behalten wollten. Bei den Bucks erhielt er eine neue Rolle beziehungsweise seine vorherige wurde noch extremer: Der 31-Jährige, der in seinen ersten sechs NBA-Jahren genau sieben Dreier versuchte, wurde offensiv fast zum reinen Shooter.

6,3mal pro Spiel drückte Lopez in Milwaukee von Downtown ab und passte damit bestens ins System von Mike Budenholzer. Im Lauf der Regular Season entpuppte sich Lopez als idealer Fit, zumal er auch defensiv weitaus besser agierte als sein Ruf. Die Neu-Erfindung als "Splash Mountain" tat ihm gut, längst winkt Lopez im Sommer wieder ein lukrativerer Deal als der jetzige Einjahresvertrag.

Die Playoffs wiederum waren bisher kein Triumphzug für Lopez. Zwar walzten die Bucks über Detroit und Boston hinweg, die Zahlen des Centers gingen gegen Boston aber stark in den Keller. Zunächst Boston und nun auch Toronto wollten Lopez erst beweisen lassen, dass er die Dreier auch in der Postseason mit Selbstvertrauen nimmt. Von ihm und von Eric Bledsoe weg wurde geholfen, um Antetokounmpo mehr Aufmerksamkeit zu geben.

Die Playoff-Zahlen von Brook Lopez

PunkteReboundsBlocksFG%3FG%
Regular Season12,54,92,245,236,5
vs. Detroit (4G)125,33,556,337,5
vs. Boston (5G)5,44,2128,622,2
vs. Toronto (1G)2911412/214/11

Mike Budenholzer lobt Brook Lopez

Auch in Spiel 1 schien das zunächst aufzugehen. Lopez traf nur einen seiner sechs Dreier vor dem letzten Viertel, es passte zu einer Bucks-"Performance", bei der bis dahin nicht einmal 18 Prozent von Downtown getroffen wurden. Und trotzdem zeigte er schon zu diesem Zeitpunkt eine starke Leistung, weil er sich eben nicht nur auf den Perimeter beschränkte.

"Was für mich herausstach, waren die Offensiv-Rebounds, die Putbacks, alles, was er um den Korb herum gemacht hat, gerade in der ersten Hälfte", lobte Budenholzer nach dem Spiel. "Bei uns lief offensiv fast gar nichts zusammen, und er hat es geschafft, irgendwie Punkte zu produzieren."

Man mag das heute ja manchmal vergessen, aber noch vor zwei Jahren war Lopez in Brooklyn ein 20-Punkte-Mann und einer der besten Lowpost-Scorer der NBA. In dieser Partie zeigte er einiges davon, sowie einen grazilen Layup nach einem Spin-Move, den man ihm so kaum zugetraut hätte. Der einstige All-Star entpuppte sich als guter Plan B (oder C), um die Offense am Laufen zu halten.

Brook Lopez erzielt 13 von 29 Punkten im Schlussviertel

Und als das Geld dann auf dem Tisch lag, kehrte auch die "neue" Waffe zu Lopez zurück, nachdem er sich mit der alten ins Spiel gearbeitet hatte. Anfang des vierten Viertels lag Milwaukee mit 7 hinten, zwei Dreier innerhalb einer Minute später war es nur noch einer und ein dritter Versuch hätte 30 Sekunden später fast die Halle zum Einsturz gebracht, der Ball sprang jedoch wieder raus.

Den Dagger lieferte er später dann trotzdem, beziehungsweise mehrere davon. 2:20 vor Schluss dunkte Lopez in Transition über Lowry zur Führung, einen Stop später versenkte er seinen vierten Dreier des Abends zur 4-Punkte-Führung und insgesamt 13 Punkten im letzten Durchgang. Auf der Gegenseite bekam er die Hand an den Ball, als Kawhi verkürzen wollte - es wurde als sein vierter Block der Partie registriert, alle vier kamen gegen Torontos Superstar. Bei fast allen entscheidenden Stops im letzten Viertel hatte der Big Man seine Hände mit im Spiel.

"Das war der Brook, den wir alle kennen und lieben", schwärmte Antetokounmpo. "Wir wollen, dass er aggressiv ist, vor allem in dieser Serie. Wir wissen, dass Marc [Gasol] gegen mich aushelfen soll, und dass er freie Würfe bekommt. Dieser muss er nehmen und attackieren, das hat er heute großartig gemacht. Und defensiv hat er den Ton angegeben."

Brook Lopez witzelt: "Jetzt bin ich unsterblich"

Lopez selbst gab das Lob bereitwillig ans Team weiter, gab aber gleichzeitig zu, dass ihn der Slump aus den vorigen Runden "ziemlich frustriert" hatte. Nicht, dass man es ihm nicht ohnehin angesehen hätte: Nach seinem ersten Dreier in Halbzeit eins schrie er fast eine Minute lang vor sich hin, in den Schlussminuten klatschte er wie ein Besessener in die Hände - womit er im Lauf des Spiels gleich mehrere Memes produzierte.

Darauf von Bucks-Reporter Matt Velazquez angesprochen, grinste Lopez nach dem Spiel und sagte: "Jetzt bin ich unsterblich." Ganz so weit ist es zwar noch nicht, aber mit diesem Sieg hat sein Team in jedem Fall einen weiteren Schritt in Richtung dieses Ziels gemacht.

Milwaukee spielte bei weitem nicht perfekt, trotzdem stand am Ende der Sieg - die Raptors dürften sich noch ärgern, dass sie diese Chance aus der Hand gegeben haben. Oder, besser: Dass Milwaukees Plan C sie ihnen genommen hat.

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