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NBA Playoffs: Die Cavaliers gewinnen Spiel 3: Der gute alte Dreier – und was noch?

Sonntag, 20.05.2018 | 11:10 Uhr
Kevin Love versenkte einen Dreier für die Cleveland Cavaliers
© getty

Die Cleveland Cavaliers haben sich mit einem dominanten Blowout in den Conference Finals zurückgemeldet. Wie immer war ihre Dreierquote ausschlaggebend für ihren Erfolg - doch auch in anderen Aspekten zeigten sich LeBron James und Co. stark verbessert.

Es ist immer wieder die alte Leier mit den Cavaliers: Treffen sie ihre Dreier, sind sie eine Spitzenmannschaft, die kaum zu schlagen ist. Treffen sie ihn nicht, folgt irgendwann im Spiel ein Kollaps, da offenbar ihr gesamtes Selbstvertrauen und ihre Energie von der Trefferquote aus der Distanz beeinflusst werden.

In den ersten beiden Spielen gegen Boston stellte der Vize-Champion das mal wieder unter Beweis. 0/14 trafen sie in der ersten Halbzeit in Spiel 1, 3/17 in der zweiten Halbzeit von Spiel 2. Darüber hinaus standen sie bei 2/15 Dreiern, die komplett "uncontested" waren - da überraschte es niemanden, dass es trotz einer LeBron-Gala nichts mit einem Auswärtssieg in Beantown wurde.

Nun, mit drei Tagen Pause (J.R. Smith: "Das hat uns schon geholfen, denn wir sind sehr alt") in den Beinen und endlich wieder der geliebten Menge der Quicken Loans Arena im Rücken, war alles anders. Die Dreierquote Clevelands (50 Prozent, 17/34) war deutlich besser als die Feldwurfquote Bostons (39,2), weshalb das Endergebnis auch in dieser Deutlichkeit quasi logisch ist.

Dies ist die offensichtliche - und auch wichtigste - Geschichte von Spiel 3. Ein paar andere Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Cavs zurück in die Serie gefunden haben, gab es neben dem Dreierregen aber natürlich trotzdem.

1. LeBron James' Supporting Cast liefert endlich ab

"Wegen uns muss LeBron Hero Ball spielen", hatte Smith nach der Schlappe in Spiel 2 gesagt, in dem James mit 42 Punkten praktisch alleine die Show geschmissen hat. Dazu kamen lediglich Kevin Love und Kyle Korver in den zweistelligen Bereich, während selbiges bei den Celtics sechs Spielern gelungen war.

In Spiel 3 war es anders: Sechs Cavs-Spieler - darunter die komplette Starting Five - punkteten zweistellig, auf der anderen Seite waren es bloß drei. Besonders George Hill, der zuvor ein Schatten seiner selbst war, spielte sich in den Fokus. An den ersten 9 Cavs-Punkten war er direkt beteiligt, insgesamt 11 Zähler legte er im ersten Durchgang auf.

Dabei drückte er mächtig auf die Tube, attackierte die Zone der Cavs und nebenbei verteidigte er Terry Rozier hochkarätig. Im weiteren Spielverlauf kamen für ihn zwar nur noch 2 Punkte dazu, aber der Grundstein für den Blowout wurde bereits im ersten Viertel gelegt.

James drückte es nach der Pressekonferenz so aus: "Wenn man so viele Jungs in Double-Figures hat, springt oft ein Sieg dabei heraus." Ganz unbeteiligt war er an der Ausbeute seiner Jungs mit 12 Assists - die sich hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades immer wieder selbst überboten - natürlich nicht. Stevens lobte: "Nur ein Spieler hat solch eine Übersicht und kann solche Pässe quer über den Court auf die Shooter spielen." Dieser Spieler heißt LeBron und sagt über diese Zuspiele: "Versucht besser nicht, das zuhause nachzumachen."

2. Die Cavs verhindern Jaylen Browns heißen Start

Apropos erstes Viertel. In diesem ist Jaylen Brown ein guter Scorer. "Das wollten wir ihm in diesem Spiel um jeden Preis nehmen. LeBron hat da einen guten Job gemacht und hatte gute Closeouts, hat ihm keine einfachen Abschlüsse erlaubt. Dadurch haben wir sie im ersten Viertel merklich ausgebremst."

Diese Worte stammen von Cavaliers-Coach Tyronn Lue und beinhalteten eine kleine Anpassung in seinem Matchup-Plan: Ein sehr fokussierter und aggressiver James knöpfte sich in der Anfangsphase Brown vor, der oftmals derjenige ist, der die Celtcs-Offensive ins Laufen bringt. Nicht so diesmal: Der König schrieb es sich auf seine persönliche Agenda, dies zu verhindern und meisterte diese Aufgabe mit Bravour. Brown stand nach den ersten 12 Minuten bei 0 Punkten und war sichtlich frustriert davon. Am Ende kam immerhin noch auf 10, hatte aber Foulprobleme.

3. Die Cavaliers waren das aggressivere Team

"Wir waren diesmal nicht das Team, das härter und aggressiver gespielt hat", musste Celtics-Coach Brad Stevens nach dem Spiel anerkennen und zollte dem Gegner dafür mehrfach seinen Respekt. Das war allerdings keine allzu überraschende Erkenntnis: Angeführt von LeBron, der mit seiner Lockdown-Defense voranschritt, legten die Cavaliers eine defensive Intensität an den Tag, wie man es von ihnen lange nicht gesehen hat.

Sie waren spritzig in den Passwegen, kommunizierten Switches richtig, liefen konsequente Closeouts und machten Al Horford an der Birne das Leben zur Hölle. Von 22 Dreiern der Celtics waren 19 "contested". Die Anzahl der Deflections verbesserten die Cavs gegenüber Spiel 2 von 8 auf 16, die gesicherten Loose-Balls von 7 auf 10, hinzu kamen 9 Steals.

4. Die Celtics mussten Dinge tun, die sie nicht mögen

Durch die starke Defense der Cavaliers wurden die Celtics gezwungen, Dinge zu tun, die nicht zu ihren Stärken entsprechen. Dazu gehört das offensive Eins-gegen-Eins.

Durch eine flinke Transition seitens der Cavs kamen die Celtics nie ins Rollen und wurden ins Halbfeldspiel gezwungen. Dort verrannten sie sich in Isolations oder Dribbel-Orgien mit abschließenden Pullup-Jumpern. Das sind Dinge, von denen sie normalerweise nicht leben, wie auch Horford erkannte: "Wir müssen mehr Pace in unsere Offense bringen. Heute waren wir viel zu oft in Isolationen gefangen.

5. Die Celtics haben auswärts gespielt

Boston hat in der laufenden Postseason erst ein Auswärtsspiel gewonnen. Für ein Team, das in den Conference Finals 2-1 führt, ist das recht wenig. In nahezu allen relevanten Bereichen fallen sie in fremder Halle ab - und zwar in einem Ausmaß, in dem es nicht mehr "normal" ist. 93 erzielte Punkte pro Spiel stehen 110,1 in eigener Halle gegenüber, 39,8 Prozent aus dem Feld gegenüber 46,8. Das Net-Rating in den bisherigen Auswärtsspielen Bostons beträgt unterirdische -15,6.

Eine Antwort darauf, warum das so ist, konnte - oder wollte - Brad Stevens hinterher übrigens nicht geben. Überhaupt spricht er nicht gerne davon: "In meinen elf Jahren als Head Coach habe ich mit meinen Spielern so gut wie nie über heim und auswärts geredet. Es geht darum, wie man spielt und nicht darum, wo. Ansonsten fängt man nämlich an, Ausreden zu suchen."

Gut für ihn: Wenn die Celtics zu Hause weiterhin ihre Hausaufgaben machen, sind sie zumindest in dieser Serie dank des Heimvorteils auf der sicheren Seite.

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