Dienstag, 12.04.2016

Ron Harper im Interview

"Shaq würde den Dubs-Stil zerstören"

Ron Harper gewann einst fünf Meisterschaften in sechs Jahren und war Teil des legendären 72-Siege-Teams der Chicago Bulls. SPOX sprach mit dem früheren Guard über die Geheimnisse einer Rekordjagd und die Leadership von Michael Jordan. Zudem erklärt Harper, warum die Golden State Warriors den Rekord ruhig brechen dürfen (um 4.30 Uhr im LIVESTREAM gegen Memphis).

Ron Harper (r.) gewann an der Seite von Kobe Bryant und Shaquille O'Neal 2 seiner 5 Titel
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Ron Harper (r.) gewann an der Seite von Kobe Bryant und Shaquille O'Neal 2 seiner 5 Titel

SPOX: Mr. Harper, vor einigen Monaten schrieben Sie bei Twitter, Ihr früheres Bulls-Team würde die aktuellen Warriors sweepen beziehungsweise locker besiegen. Sind Sie noch immer dieser Ansicht?

Ron Harper: Ich habe großen Respekt für das, was die Warriors in dieser Saison beziehungsweise in den letzten zwei Jahren geleistet haben. Sie sind ein richtig gutes Team mit starken Spielern und spielen beeindruckenden Basketball. 72 Siege holt man nicht einfach so, das kann ich Ihnen sagen.

SPOX: Aber es bleibt dabei, dass die Bulls in einer Serie gewinnen würden?

Harper: Für mich ist das die falsche Frage, die da von den Journalisten immer wieder gestellt wird.

SPOX: Welche Frage würden Sie denn lieber hören?

Harper: Man sollte fragen, wie viele Siege unser Bulls-Team in der aktuellen NBA holen könnte. Ich kann keine genaue Zahl sagen, aber es wären sicher nicht wenige. Wir hatten den besten Spieler aller Zeiten in unseren Reihen, mit Dennis Rodman einen der besten Rebounder aller Zeiten, mit Scottie Pippen einen der besten Small Forwards aller Zeiten. Dazu noch einen tollen Scorer mit Toni Kukoc. Ich bin der Meinung, dass wir insgesamt ein kompletteres Team hatten. Wir waren das beste Defensiv-Team der Liga und haben fast nie den Ball verloren. Die Warriors sind klasse, aber sie verlieren sehr häufig den Ball. Wer das gegen uns tat, hatte selten eine Chance.

SPOX: Dann sind Sie der Meinung, dass Golden State aktuell von einer schwächeren Liga profitiert?

Harper: So würde ich das nicht direkt sagen. Es ist nur einfach eine ganz andere Liga, eine andere Ära als damals. Nur ein Beispiel: In den 90ern war es außergewöhnlich, wenn ein Team mal 15 Dreier in einer Partie versuchte. Bei den Warriors sind es aktuell eher 35 Versuche pro Spiel, und das entspricht eben der aktuellen Zeit. Inside-Game gibt es nur noch selten, alle Teams wollen werfen, werfen, werfen. Aber kein anderes Team hat diese Qualität beim Shooting wie Golden State, damit stechen sie sehr heraus. Wie gesagt: Die NBA ist deswegen nicht unbedingt schlechter, nur eben sehr anders als zu unserer Zeit.

Die Warriors vor dem Saisonende: "Jetzt holt euch die 73!"

SPOX: Ist es dann fair zu sagen, dass die Warriors Ihrer Meinung nach mit der Umstellung auf 90er-Jahre-Basketball größere Probleme hätten als die Bulls auf den heutigen Stil?

Warriors: Die Rekord-Saison in Bildern
Die Warriors spielen eine historisch gute Saison und stellen Rekord um Rekord auf: Stephen Curry ist in puncto PER bislang der beste Spieler aller Zeiten. Sein Player Efficiency Rating liegt bei 31,3 - der alte Bestwert von Michael Jordan liegt bei 27,9
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Die Warriors spielen eine historisch gute Saison und stellen Rekord um Rekord auf: Stephen Curry ist in puncto PER bislang der beste Spieler aller Zeiten. Sein Player Efficiency Rating liegt bei 31,3 - der alte Bestwert von Michael Jordan liegt bei 27,9
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Zum Start der Saison gelangen Curry und Co. 24 Siege - der beste Start der NBA-Geschichte. Gestoppt wurden sie erst am 12. Dezember von den Milwaukee Bucks
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In den ersten vier Spielen erzielten die Dubs 100 Punkte mehr als ihre Gegner - das gelang bisher noch keinem Team. Den Rekord hielten zuvor die Celtics (1961/1962) mit einem Net Rating von +99
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In den ersten vier Spielen erzielten die Dubs 100 Punkte mehr als ihre Gegner - das gelang bisher noch keinem Team. Den Rekord hielten zuvor die Celtics (1961/1962) mit einem Net Rating von +99
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Als schnellstes Team in der Geschichte der NBA sicherte sich Golden State diese Saison einen Playoff-Platz. Sie benötigten dafür nur 58 Spiele
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Als schnellstes Team in der Geschichte der NBA sicherte sich Golden State diese Saison einen Playoff-Platz. Sie benötigten dafür nur 58 Spiele
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Mit einer Serie von 28 Partien ohne Niederlage sind die Warriors allerdings nicht einsame Spitze. Die 33er-Streak der Lakers (1971/1972) konnten sie nicht knacken. Aber es muss ja auch noch Ziele geben...
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Mit einer Serie von 28 Partien ohne Niederlage sind die Warriors allerdings nicht einsame Spitze. Die 33er-Streak der Lakers (1971/1972) konnten sie nicht knacken. Aber es muss ja auch noch Ziele geben...
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Da kann man nur noch tanzen: Im Spiel gegen die Thunder traf Chef Curry sagenhafte 12 Dreier (bei 16 Versuchen) und stellte damit den Rekord von Kobe Bryant (2003) und Donyell Marshall (2005) ein
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Da kann man nur noch tanzen: Im Spiel gegen die Thunder traf Chef Curry sagenhafte 12 Dreier (bei 16 Versuchen) und stellte damit den Rekord von Kobe Bryant (2003) und Donyell Marshall (2005) ein
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Als erster Spieler verwandelte Stephen Curry in einer Saison 300 Dreier und pulverisierte damit schon Anfang März seinen alten Rekord. Der stand zuvor bei 286 erfolgreichen Longballs. Trifft er im letzten Spiel 8 Dreier, hätte er die 400 vollgemacht
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Als erster Spieler verwandelte Stephen Curry in einer Saison 300 Dreier und pulverisierte damit schon Anfang März seinen alten Rekord. Der stand zuvor bei 286 erfolgreichen Longballs. Trifft er im letzten Spiel 8 Dreier, hätte er die 400 vollgemacht
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Curry trifft und trifft von Downtown. Sein Rekord von Spielen mit einem getroffenen Dreier steht nun bei 151 Partien in Serie
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Curry trifft und trifft von Downtown. Sein Rekord von Spielen mit einem getroffenen Dreier steht nun bei 151 Partien in Serie
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Zu Hause geht ja alles - selbst der Pregame-Shot aus dem Kabinengang. Saisonübergreifend blieben die Dubs 54 Spiele in Serie in der Oracle Arena ungeschlagen - bis zur Pleite gegen die Celtics
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Am 3. April fiel die nächste Bestmarke. Klay Thompson versenkte gegen Portland den 1.000 Warriors-Dreier der Saison. Das gelang keinem Team zuvor
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Am 3. April fiel die nächste Bestmarke. Klay Thompson versenkte gegen Portland den 1.000 Warriors-Dreier der Saison. Das gelang keinem Team zuvor
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Die Jagd nach dem Bulls-Rekord von 72 Siegen erregt aber die größte Aufmerksamkeit. Die Warriors waren diese Saison das schnellste Team mit 50 Siegen (in 55 Spielen)
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Die Jagd nach dem Bulls-Rekord von 72 Siegen erregt aber die größte Aufmerksamkeit. Die Warriors waren diese Saison das schnellste Team mit 50 Siegen (in 55 Spielen)
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Im vorletzten Saisonspiel gegen die Spurs wurde dann der 72. Sieg eingefahren und damit die Bestmarke der Bulls aus dem Jahr 1996 eingestellt. Gibt es Sieg 73 gegen Memphis (Do., ab 4.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE)?
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Im vorletzten Saisonspiel gegen die Spurs wurde dann der 72. Sieg eingefahren und damit die Bestmarke der Bulls aus dem Jahr 1996 eingestellt. Gibt es Sieg 73 gegen Memphis (Do., ab 4.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE)?
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Harper: Unser Bulls-Team hätte in jeder Ära funktioniert! Da würde ich mir überhaupt keine Gedanken machen, da wir wie gesagt so ausgeglichen und vielseitig besetzt waren. Da hätte ich bei den Warriors so meine Zweifel.

SPOX: Sie halten die Dubs nicht für ausgeglichen und vielseitig?

Harper: Lassen Sie es mich so sagen: Glauben Sie, dass diese Warriors die Suns mit Charles Barkley, Tom Chambers und Kevin Johnson stoppen könnten? Dass Sie eine Antwort auf Karl Malone hätten, auf MJ oder auf Magic Johnson?

SPOX: Ist nicht gleichzeitig die Frage fair, wie diese Teams mit dem Small-Ball der Warriors umgehen würden?

Harper: Ich würde mir da keine großen Gedanken machen. Es ist ja nicht so, dass wir Small-Ball damals nicht gekannt hätten oder dass wir nicht gelegentlich auch mal kleiner gespielt hätten. Small-Ball gab es durchaus, es war nur nicht so praktikabel gegen die dominanten Inside-Spieler unserer Zeit. Aber wir konnten uns auf verschiedene Gegner sehr gut einstellen. Ich glaube nicht, dass die Warriors das ebenso schaffen würden.

SPOX: Sehen Sie trotz allem Parallelen zwischen Ihrem Team und den Warriors? Immerhin besteht der Klub der 72-Siege-Teams nur aus Ihnen beiden.

Harper: Durchaus, ich schaue mir ihre Spiele auch gerne an. Sie spielen intelligenten Basketball und nutzen ihre eigenen Stärken sehr gut aus. Sie spielen als Team und was mich vielleicht am meisten an uns erinnert: Sie wirken dabei so, als hätten sie richtig viel Spaß am Spiel und umso mehr Spaß dabei, zu dominieren. In der Hinsicht erinnern sie mich wirklich an uns.

SPOX: Ich wollte als nächstes danach fragen, was der Schlüssel dabei ist, die ganze Saison über so fokussiert zu bleiben. Ist es wirklich dieser Spaß-Faktor? So eine 82-Spiele-Saison kann sich sonst doch extrem in die Länge ziehen, oder?

Harper: Absolut. Wir hatten damals ja kein bestimmtes Ziel im Kopf, wie viele Siege wir holen wollten. Wir sind einfach jeden Tag rausgegangen und wollten unser Bestes geben, wir hatten einfach diese Mentalität, dass wir jedes Spiel gewinnen wollten. Das darf man ja nicht vergessen: Wir haben 1996 72 Siege geholt, ein Jahr später waren es aber auch 69 - das war vorher der NBA-Rekord! Es war also nicht nur eine Saison, in der alles gepasst hat. Wir haben geliebt, was wir taten. Anders kannst du meiner Meinung nach nicht so viele Spiele gewinnen.

SPOX: Spielte es denn trotzdem auch eine Rolle, dass Sie 1995 in den Playoffs gegen Orlando verloren hatten? Das war in den 90ern ja eigentlich nicht mehr vorgesehen, wenn Michael Jordan beteiligt war...

Harper: Das ist richtig. MJ war während der Saison vom Baseball zurückgekehrt und wir hatten in den Playoffs noch nicht diesen Groove, den wir gebraucht hätten. Das hat unter uns allen noch ein zusätzliches Feuer entfacht. Wir mussten danach etwas richtig stellen. Wir mussten beweisen, dass wir eigentlich das beste Team waren.

Seite 1: Harper über Vergleiche mit den Warriors und den Schlüssel für 72 Siege

Seite 2: Harper über MJ als Leader, Shaq und den Abschied von Kobe

Interview: Ole Frekrs

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Ole Frerks(Redaktion)

Ole Frerks, Jahrgang 1990, ist seit 2013 bei SPOX.com. Nach dem Abitur im Jahre 2008 studierte er in Hamburg und sammelte verschiedene Arbeitserfahrungen in den Bereichen Journalismus und Online-Marketing. Bei SPOX.com Bestandteil der NBA-Redaktion, außerdem zuständig für Basketball, Tennis und Fußball.

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