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Der Hoffnungsträger

SID
Mittwoch, 15.04.2015 | 15:55 Uhr
Andrew Wiggins spielte eine starke erste Saison für die Minnesota Timberwolves
© getty
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Es sieht so aus, als würde Andrew Wiggins von den Minnesota Timberwolves zum Rookie des Jahres 2015 gewählt werden. Doch der kanadische Top-Pick, der aus einer echten Sportlerfamilie stammt, muss sich noch steigern, möchte er die immensen Erwartungen erfüllen!

Den Titelkampf muss Andrew Wiggins wohl oder übel vom Sofa aus verfolgen. Doch der Timberwolves-Swingman kann sich trösten, denn er wird höchstwahrscheinlich zum Rookie of the Year 2015 gewählt - nach der MVP-Trophy der Rising-Star-Challenge wäre das bereits seine zweite größere individuelle Auszeichnung des Jahres und damit seiner noch jungen NBA-Karriere.

Dass der sprungstarke 20-Jährige zum besten NBA-Debütanten 2015 gekürt werden würde, wäre auch ein absoluter No-Brainer. 15,9 Punkte, 4,3 Rebounds und 1,9 Assists sind verglichen mit vorherigen Award-Gewinnern zwar keineswegs überragende Werte, doch die Konkurrenz war 2014/15 entweder zu schwach oder durch Verletzungen zum Zuschauen verdammt. Andrew Wiggins konnte so trotz eines holprigen Starts in die Profikarriere ohne große Probleme in die Fußstapfen prominenter Vorgänger wie Kevin Durant, Blake Griffin und Derrick Rose treten - und wenn es nach den Wolves, den Fans und der NBA geht, wird sein Name auch in Zukunft neben ebendiesen stehen, denn der spektakuläre Kanadier soll eines der Gesichter der Liga werden. Eine Rolle, die ihm seine Mitspieler und Kontrahenten durchaus zutrauen. "Andrew ist einfach unfassbar. Für ihn gilt das Motto ,The sky is the limit!'", lobt etwa Magic-Guard Victor Oladipo.

Überragende Sportgene

Ein Grund, warum sich alle Experten sicher sind, dass der gehypte 2,03-Meter-Mann ein ganz Großer werden kann, ist seine überragende Athletik. "Für seine Sprungkraft gibt's nur ein Wort: unglaublich!", sagt Wolves-Guard Shabazz Muhammad. "Aber Andrew verlässt sich nicht nur darauf, sondern er arbeitet auch fokussiert an den anderen Bereichen seines Games." Das bestätigt auch sein Coach Flip Saunders: "Andrew ist ein großartiger Junge. Er versucht, alles aufzusaugen und sich immer und überall zu verbessern."

Die einzigartigen Anlagen und die professionelle Einstellung werden dem Youngster in die Wiege gelegt. Andrew Christian Wiggins kommt am 23. Februar 1995 als echtes Sportler-Kind zur Welt: Vater Mitchell misst 1,93 Meter, spielte von 1983 bis 1992 in der NBA, danach in Europa. Mutter Marita Payne-Wiggins ist zwar "nur" 1,73 Meter groß, war in den 80er-Jahren aber eine der besten Sprinterinnen Kanadas und gewann bei den Olympischen Spielen 1984 zwei Silbermedaillen. Die beiden lernten sich an der Florida State University kennen und haben sechs Kinder: Stephanie, Angelica und Taya sowie Andrew und dessen ältere Brüder Mitchell Jr. und Nick, die auch Basketball spielen. Nach soliden College-Karrieren wurden beide 2014 von den Harlem Globetrotters gepickt.

Der Ausnahmeathlet ist aber Andrew, der an der Highschool als Supertalent gehypt und bereits als neuer LeBron James bezeichnet wird. In seinem Freshman-Year an der University of Kansas (17,1 PPS, 5,9 REB, 1,5 AST) überzeugt er und wird ins First-Team-All-Big-12 sowie zum "Big 12 Freshman of the Year" gewählt.

Seine kurze Stippvisite am College ist zwar nicht so überragend wie bei Kevin Durant, dennoch sind die NBA-Scouts von Wiggins überzeugt. So ist es keine Überraschung, dass er im selben Jahr wie seine Brüder gepickt wird, nur beim NBA-Draft - als Top-Pick von den Cavaliers! Der 90-Kilo-Mann ist nach Anthony Bennett (2013) erst der zweite Kanadier, der als Nr.-1-Pick in die Liga kommt.

Gleichzeitig ist er auch der zweite Top-Pick nach Chris Webber 1993, der vor seinem Liga-Debüt getradet wird, denn die Cavs schicken ihn in einem Blockbuster-Deal für Kevin Love nach Minnesota.

Holpriger NBA-Start

Wiggins kann die enormen Erwartungen zunächst nur selten erfüllen, kommt aber von Monat zu Monat besser in Fahrt. "Ich glaube, dass viele Menschen seine Leistungen nicht gebührend anerkennen. Was Andrew macht, ist wirklich beeindruckend, auch wenn seine Stats nicht so überragend waren", nimmt Lakers-Guard und Landsmann Steve Nash den Youngster in Schutz.

Andrew selbst beschäftigt sich erst gar nicht mit dem Rummel und Hype. Er versucht, sich nur auf die Aufgabe in Minnesota und seine sportliche Entwicklung zu konzentrieren. "Der Trade war gut für mich, weil ich mich hier schneller entwickeln kann, da ich kein Rollenspieler bin, der ich in Cleveland sicherlich nur gewesen wäre", sagt der 20-Jährige, der ein ruhiger Typ ist und deshalb von seinen Teamkollegen "Sleepy" genannt wird. Während Interviews spricht er leise, kurz und knapp - und verschwindet gerne schnell wieder aus dem Licht der Kameras. Er sei zum Basketballspielen in der NBA und (noch) nicht, um hochtrabende Sätze in Mikrofone zu diktieren. Das ist typisch Wiggins, wie Shabazz Muhammad bestätigt: "Wenn er jemanden nicht kennt, ist er still und hält sich zurück. Bekannten gegenüber ist er jedoch ein redseliger, lustiger Mensch."

Vom Vater gelernt

Es ist aber nicht nur sein Naturell, sondern auch sein Fokus: Der Swingman will sich speziell in den ersten NBA-Jahren von nichts ablenken lassen. Er befolgt damit den Rat seines Vaters, der während seiner NBA-Karriere wegen Kokainmissbrauchs zwischenzeitlich suspendiert wurde. Dinge dieser Art sollen ihm nicht passieren, weshalb Andrew sich gerne zurückzieht, um potenziellen Ablenkmechanismen auszuweichen. Dass das nicht überall gut ankommt, ist dem Rookie dabei bewusst: "Entweder hassen dich die Leute, oder sie lieben dich, so ist das nun mal. Ich fokussiere mich nur auf den Sport, denn mein Dad sagte immer, dass Basketball ein Geschäft ist und die Leistungen stimmen müssen, damit man respektiert wird."

Dass Andrew Wiggins schon respektiert wird, zeigt der Award des MVP der Rising-Star-Challenge. Doch sie sollen nur der Anfang sein, denn der junge Kanadier will seine Trophäensammlung kontinuierlich vergrößern und die zuletzt so miesen Wolves in die Erfolgsspur führen. Um das zu schaffen, das Gesicht der Franchise und einer der besten Spieler der Welt zu werden, muss sich das Sprungwunder zwar noch deutlich steigern, doch das Zeug dazu hat er. Zumal er auch im Sommer nur selten auf der Couch sitzt, sondern akribisch an seinem Game feilt!

Der Artikel erscheint in der BASKET 05/2015

Andrew Wiggins im Steckbrief

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