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Legenden der NBA: Gary Payton

Die Stimme in Jordans Kopf

Von Jan Zesewitz
Sonntag, 23.07.2017 | 13:18 Uhr
Gary Payton (l.) unterlag mit den Seattle Sonics in den Finals 1996 Michael Jordans Chicago Bulls
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Wenn es um die besten Point Guards aller Zeiten in der NBA geht, fallen häufig die Namen Magic Johnson und John Stockton. Oscar Robertson fällt den älteren Semestern noch ein. Der Name Gary Payton fällt dabei seltener. Dabei zählt er nicht nur wegen seiner Defensive absolut zu dieser illustren Liste. Heute wird er 49 Jahre alt.

George Karl sitzt in seinem Büro. Er ist verzweifelt und seine Verzweiflung hat den gleichen Grund wie die Verzweiflung aller anderen NBA-Coaches im Jahr 1996: Michael Jordan. Aber die Rahmenbedingungen sind keineswegs alltäglich und schon gar nicht allen anderen NBA-Coaches vergönnt.

Es sind die NBA-Finals. Es sieht schlecht aus für Karls Seattle SuperSonics; 0:3 steht es in der Serie gegen die Chicago Bulls. Zuletzt setzte es zuhause eine 22-Punkte-Klatsche. Michael Jordan dominiert die Finals, 31 Punkte im Schnitt, 36 im letzten Spiel in Seattle. George Karl muss sich etwas einfallen lassen.

Er beschließt, Gary Payton auf Jordan anzusetzen - ein Risiko! Payton ist ein Stück kleiner als der Shooting Guard der Bulls, dazu locker zehn Kilo leichter. Aber Payton ist auch vor kurzem zum Defensive Player of the Year gekürt worden. Als einziger Point Guard in der Geschichte der NBA. Wenn einer Jordan stoppen kann, dann er. "The Glove" wird er genannt, weil er den Gegner in der Verteidigung einschließt wie ein Baseballhandschuh den Ball.

Jordan macht in den letzten drei Spielen 26, 23 und 22 Punkte. Allesamt Negativ-Rekorde für His Airness. Die Defensive von Payton sorgte dafür, dass das wohl beste Team aller Zeiten zumindest kurzfristig um den Titel bangen musste. Es bleibt beim Bangen. Die Bulls holen sich Titel Nummer 4 in der Jordan-Ära.

"Wenn du groß bist, wirst du Drogendealer, mein Junge"

Als Payton in einer schwierigen Gegend in Oakland, Kalifornien aufwuchs, sagte seine Mutter immer zu ihm, dass er Drogendealer werden würde. Wie alle anderen damals. Sie wusste, dass sie mit solchen Aussagen an ihn herankommen würde. Dass er es ihr und den Anderen zeigen würde. Dass er nicht so sein würde wie seine Freunde. Payton zeichnet sich schon früh durch einen starken Willen aus, er braucht den Wettbewerb.

Auf den Basketballplätzen seiner Heimat macht er sich schnell einen Namen. An der Highschool bereits ein Star, entscheidet er sich bei der College-Wahl für die Oregon State University. Auch dort gehen die Erfolge weiter, Payton wird 1987 Freshman of the Year, in diverse All-Star-Teams berufen und verlässt 1990 das College als All-American. Einen kleinen Dämpfer erhält diese Geschichte in seinem zweiten College-Jahr: Seine Noten gehen in den Keller, es droht der Ausschluss vom Basketball-Programm. Eine Gehirnwäsche des Vaters bringt den jungen Gary wieder in die Spur. Er spielt weiter für die Beavers.

The Original Lob City

1990 wählen ihn die Seattle SuperSonics mit dem zweiten Pick der Draft nach Big Man Derrick Coleman aus. Für die nächsten zwölfeinhalb Jahre bestimmt Payton gemeinsam mit Shawn Kemp den Basketball in Seattle. "Wir waren das echte Lob City", sagt Payton. Ein weiteres Puzzle-Stück, das diese Sonics-Ära prägt, ist die Ankunft von George Karl als Head Coach 1992.

Jahr für Jahr ist ein weiterer Entwicklungsschritt zu erkennen - bei Payton und Kemp individuell und bei der gesamten Mannschaft. 1993 geht es erstmals in die Western Conference Finals. Gegen Charles Barkley und die Phoenix Suns ist nach sieben Spielen Schluss. Im Jahr darauf sind die Sonics das beste Team der NBA, scheiden in der ersten Runde aber sensationell gegen die an acht gesetzten Denver Nuggets aus. 1995 ist in Runde eins gegen die Lakers die Saison beendet, doch dann passt alles zusammen.

Payton und Kemp sind am Zenit ihrer Leistung angekommen, Detlef Schrempf mehr als nur ein Rollenspieler. Dazu kommt mit Nate McMillan neben Payton ein weiterer Defensivspezialist, unter dem Korb steht Sam Perkins seinen Mann. Das Team gewinnt 64 Spiele und scheitert erst in den Finals an den übermächtigen Bulls.

Payton ist der verbale Anführer dieses Teams - auf und neben dem Feld. Wann immer man ihn in Nahaufnahme im Fernsehen sieht, bewegen sich seine Lippen. The Glove ist vor Reggie Miller der gefürchtetste Trash Talker der Liga. Noch vor Rasheed Wallace sammelt er die meisten technischen Fouls der NBA-Geschichte.

Bis heute sorgt er für Aufsehen mit seinen Sprüchen. "John Stockton war schwerer zu verteidigen als Michael Jordan", sagt er zum Beispiel. Eine Aussage, die suggeriert, dass irgendetwas schwieriger zu kontrollieren ist als Michael Jordan selbst, ist immer provokativ. Die Erklärung leuchtet aus seiner Sicht jedoch ein. "Stockton war immer gleich, immer ruhig. In Jordans Kopf kam ich viel leichter rein, konnte ihn ablenken." Das erklärt auch die für Jordans Verhältnisse schwache Performance in den Finals 1996.

Der beste Scoring-PG seiner Zeit

Payton auf seine Defensive und sein loses Mundwerk zu reduzieren, wäre allerdings grob falsch. Im Finals-Jahr legt er als Defensive Player of the Year 19 Punkte, vier Rebounds, 7,5 Assists und drei Steals pro Spiel auf. In seiner statistisch gesehen besten Saison 1999/2000 steigen diese Werte auf 24 Punkte, 6,5 Rebounds und neun Assists. Weder John Stockton, noch Jason Kidd, Chris Paul oder Magic Johnson haben jemals in einer Saison so viele Punkte gemacht.

Letztlich ist es aber weder seine Fähigkeit zu scoren, noch seine Defensive, die Payton zu einer Legende machen, die in dieser Reihe würdig vertreten ist. Es ist sein Wille und seine Intensität. George Karl, sechs Jahre lang sein Trainer, kann das am besten in Worte fassen: "Er verlangte den Sieg. Er verlangte den Sieg immer zuerst sich selbst ab. Dann seinen Teammates. Er war außerhalb jeder Norm. Seine Passion war es, dir den Arsch zu versohlen." Auch seine Art beschreibt Coach Karl treffend: "Wir wollen immer über Spieler reden, die alles still aushalten. Gary hat nichts still ausgehalten. Gary hat alles wütend ausgehalten."

Heute lacht Payton über solche Sätze. Gleichzeitig ärgert er sich, dass er kein besseres Verhältnis zu vielen seiner Gegenspieler hatte. Sein Wesen und sein Spielstil ließen das nicht zu. Und doch sagt er über seinen Trash Talk, dass vieles aufgebläht ist: "Manchmal habe ich mich einfach nach ihrem Befinden erkundigt, wie es so zuhause läuft."

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