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Legenden-Serie: Dan Majerle

Basketball meets Boygroup

Von Sebastian Hahn
Samstag, 09.09.2017 | 14:36 Uhr
Dan Majerle wurde in Phoenix trotz aller Skepsis zur Legende
© getty
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Dan Majerle war in den 90ern ein absoluter Fan-Liebling, der Prototyp eines Glue Guys und ein Frauenschwarm. Bei den Phoenix Suns ist Thunder Dan mittlerweile eine echte Legende auch, wenn dass zu Beginn seiner Karriere niemand in Arizona gedacht hätte - außer seinem Coach. Heute wird er 52 Jahre alt.

Cotton Fitzsimmons konnte einfach nicht anders. Die Coaching-Legende der Phoenix Suns musste im Frühjahr 2002 einfach lächeln, als er auf den Court des American West Centers schritt. "Ich habe es euch allen gesagt. Ihr werdet eure Buhrufe noch bereuen", erklärte der 73-Jährige den klatschenden Zuschauern.

Was war passiert? Gerade eben hatte Dan Majerle sein letztes NBA-Spiel bestritten. Der Fan-Liebling war im Herbst noch einmal für eine letzte Saison nach Arizona zurückgekehrt, gegen die Mavericks ging seine Karriere jetzt zu Ende. 25 Sekunden vor Schluss hatte er nochmal seinen Dreier ausgepackt und die 800 Treffer voll gemacht.

Bei seiner letzten Auswechslung bekommt der Forward mit der Nummer neun Standing Ovations, 14 Jahre zuvor wäre das noch undenkbar gewesen. Als Commissioner David Stern am Draft-Abend 1988 seinen Namen ausruft, erntet er nur Buhrufe der Suns-Fans. Coach Fitzsimmons Kommentar: "Ihr werdet diesen jungen Mann nie wieder ausbuhen, das schwöre ich euch." Er sollte Recht behalten.

Die Geburt von Thunder Dan

Majerle darf in seiner Rookie-Saison nur 54 Spiele auf das Parkett, die Suns sind dennoch äußerst erfolgreich und erreichen nach nur 28 Siegen im Vorjahr wieder die Playoffs. Vor allem Kevin Johnson, der im Tausch für Larry Nance nach Phoenix wechselt, bringt die Franchise weiter voran und gibt ihnen einen neuen Leader.

Der Pick der Cavs, der in diesem Zug ebenfalls in die Wüste Arizonas geschickt wird, wird von den Verantwortlichen übrigens für Majerle genutzt. Wer als Sieger aus diesem Trade hervorgeht, ist also schwer zu übersehen.

Trotz Johnsons Qualitäten als Floor General, Tom Chambers unter dem Korb und Schütze Jeff Hornacek ist in den Conference Finals aber gegen die Lakers und Magic Johnson Feierabend. Majerle feiert in den Playoffs seine persönliche Coming-Out-Party und steigert seinen Punkteschnitt um fünf Zähler auf 14,3. Seine krachenden Dunks werden von den Fans gefeiert - Thunder Dan ist geboren.

"Es ist egal, von wo er wirft"

In den kommenden beiden Jahren nimmt Majerle seine Rolle als Sixth Man in Phoenix immer besser an, bei Hornacek nimmt er Übungsstunden in Sachen Dreier. Der Vorteil des damals 25-Jährigen: Aufgrund seiner muskelbepackten Oberarme kann er auch von weit hinter der Dreierlinie treffen, nicht selten lässt er einen Wurf von der Mittellinie los - und trifft. Gegen die Charlotte Hornets legt er daher direkt sein Career-High von 37 Punkten auf.

"Wenn er erstmal heiß läuft, dann kann ihn niemand mehr stoppen. Dann ist es auch egal, von wo er wirft. Heute hat er einen von vier Metern hinter der Linie reingemacht", erklärt sein Coach Paul Westphal, der Fitzsimmons im Sommer 1992 ablöst und eine neue Ära in der Wüste von Arizona einleitet.

Neben Westphal kommt mit Charles Barkley nämlich nach Jahren wieder ein Superstar nach Phoenix, "The Round Mound of Rebound" verändert alles.

Finals-Trip mit Sir Charles

Mit Majerle, Johnson, Slam-Dunk-Champ Cedric Ceballos und eben Barkley sind die Suns reif für einen tiefen Playoff-Run. Thunder Dan startet nun auf der Zwei, da Jeff Hornacek im Rahmen des Barkley-Trades die Franchise verlassen musste. Mit 16,9 Punkten ist er nicht nur der zweitbeste Scorer seines Teams, er wird auch zum zweiten Mal in Folge zum All-Star-Game eingeladen.

Gegen die Lakers beißt man sich in der ersten Runde nach fünf Spielen durch, auch die Spurs sind in den Semifinals nach sechs Spielen bezwungen. Dann warten die Sonics - und Majerle tritt erstmals richtig ins Rampenlicht.

Nach einer starken Serie, in der er 17,3 Punkte, 6,7 Rebounds, 4,9 Assists, 1,4 Steals und einen Block abliefert, explodiert Majerle in Spiel fünf. 34 Punkte stehen am Ende hinter seinem Namen. Shawn Kemp und Co. schnappen sich zwar die nächste Partie, am Ende stehen die Suns aber in den Finals gegen die Bulls.

No Jordan, No Problem

In den ersten beiden Spielen läuft es für Thunder Dan absolut nicht nach Plan, nur einer von elf Würfen sitzt, die Suns reisen trotz ihres Heimvorteils mit zwei Niederlagen im Gepäck nach Chicago. Westphal zerbricht sich am Tag vor Spiel drei den Kopf über eine neue Taktik. Das Problem: Majerle ist in der Defense zu sehr mit Michael Jordan beschäftigt, in der Offense geht ihm dabei meist die Puste aus, der starke Wurf ist nahezu komplet verschwunden.

Im United Center übernimmt dann Kevin Johnson Majerles Aufgabe, Thunder Dan kann fortan auch in der Offense glänzen. Sechs Würfe von Downtown schenkt er den Bulls ein, erst Ray Allen bricht diesen Rekord 2010 wieder. Am Ende stehen 28 Punkte im Spielberichtsbogen, Phoenix kann Spiel drei aus Chicago entführen. Für viel mehr reicht es nicht, Spiel fünf geht noch an die Suns, dann schießt John Paxson die Bulls zum ersten Threepeat in den Neunzigern.

Taking my talents to South Beach

Die Finals 1993 sollten für Majerle das Höchste der Gefühle mit den Suns sein. Auch in den kommenden beiden Jahren erreicht man die Playoffs, die Finals bleiben aber das Maximum. Majerle wird nach den Verpflichtungen von A.C. Green und Wesley Person wieder zum Sixth Man "degradiert", die Fans lieben ihn trotzdem noch.

Vor allem bei den weiblichen Zuschauern ist Phoenix' Nummer neun sehr beliebt, reglmäßig rasten sie aus, wenn Majerle das American West Center betritt. Wäre Majerle kein Basketball-Profi geworden, er hätte auch Teil einer Boygroup sein können. Seine Popularität bringt ihm 1995 sogar den Starter-Platz beim All-Star-Game in Phoenix ein - als erstem Reservisten überhaupt.

Dennoch sind seine Tage in Phoenix gezählt, im Sommer wird er für John "Hot Rod" Williams nach Cleveland getradet. Bei den Cavs fühlt er sich nie richtig wohl, daher steigt er im Sommer aus seinem Vertrag aus und unterschreibt in Miami. Dort hat Pat Riley mit Alonzo Mourning und Tim Hardaway bereits zwei Puzzlestücke für sein neues Meisterteam, Majerle soll als Glue Guy den hochkarätigen Kader abrunden.

Rivalität mit den Knicks

Am South Beach läuft es für den Neuankömmling wie am Schnürchen. Mit 61 Siegen stellen die Heat einen neuen Franchise-Rekord auf, ausgerechnet Majerle ist es, der mit einem Dreier den Bulls die erste Heim-Niederlage seit 44 Spielen zufügt.

In den Eastern Conference Finals kommt es zum Wiedersehen mit Chicago, diesmal machen die Champs aber kurzen Prozess mit Miami und siegen in fünf Spielen.

In den kommenden Jahren sind Majerle und Co. dann Stammgäste in New York. Drei Jahre in Folge trifft man auf die Knicks, drei Mal geht man als Verlierer vom Feld. Besonders bitter verläuft die Lockout-Saison 1999: Die Heat treffen als bestes Team der Eastern Conference auf die an acht gesetzten Underdogs aus dem Big Apple, scheiden allerdings in fünf Spielen aus.

Majerle, eigentlich nur noch als Dreierschütze eingesetzt, muss aufgrund der Verletzung von Voshon Leonard größtenteils als Starter auf's Parkett. 2000 reicht es mit ihm nochmal für die zweite Playoff-Runde, dort ist erneut gegen die Knicks Endstation. Im Anschluss zerfällt die Franchise aufgrund der Nierenerkrankung von Mourning, auch der nicht mehr ganz so fitte Thunder Dan verlässt Florida - und kommt wieder nach Hause.

Home, Sweet Home

Eine Saison zockt der Forward noch in Arizona, die Franchise hat ohne echten Leader keine Chance auf die Playoffs. Der mittlerweile 37-Jährige führt sein Team noch einmal bei den getroffenen Dreiern an, bevor er endgültig abtritt.

"Ich konnte die Fans verstehen. Schließlich war ich nur ein kleiner, weißer Junge aus Michigan, denn eigentlich niemand kannte. Ich musste mir ihren Respekt erst verdienen", erklärt er nach seiner Karriere.

Die kommenden Jahre verdingt er sich als TV-Experte für die Suns und sitzt für TNT sogar in den Playoffs am Mikrofon. 2008 vollzieht er dann den Wechsel ins Coaching-Geschäft und wird Assistant Coach bei den Suns. Nebenher betreibt Thunder Dan wie schon zu seiner aktiven Zeit ein Restaurant in Phoenix, mittlerweile gibt es "Majerle's Sports Grill" vier Mal im Umkreis der Stadt. "Ich wollte einfach einen Ort schaffen, wo sich Sport-Fans zum Essen treffen können und die Suns verfolgen können", erklärt er der "Arizona Republic".

Ab in den Grand Canyon

Ansonsten ist er des Öfteren bei Spielen der MLB-Franchise der Arizona Diamondbacks zu Gast. Highlight ist dabei sicherlich das Spiel 2012 gegen die San Francisco Giants, als er sich lässig den Ball mit einer Hand aus der Luft schnappt.

Mit den Suns überwirft er sich dagegen im vergangenen Jahr, als er nicht unter den Kandidaten für die Nachfolge von Alvin Gentry steht. Stattdessen nimmt er ein Angebot der Grand Canyon University an. Die ansässigen Antilopes führt er in seinem ersten Jahr zu einer ausgeglichenen Bilanz (15-15).

Seinen Spielern impft er dabei genau das ein, was ihn als Profi auszeichnete: Harte Arbeit, Defense und den unbedingten Willen, zu gewinnen. Die Suns vergeben daher auch seit einigen Jahren den "Dan Majerle Hustle Award".

Die Franchise, die seine Nummer neun bereits retired hat, erklärt dies auf ihrer Website wie folgt: "Dan ist ein Musterbeispiel für all das, was man mit viel Ehrgeiz und Einsatz erreichen kann. Er hat immer alles auf dem Feld gegeben und war der perfekte Glue Guy für unser Team. Daher ist dieser Award auch nach ihm benannt. Seine Leistungen werden immer ein Vorbild für andere bleiben."

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