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Legenden-Serie: Oscar Robertson

Der Superstar, den niemand wollte

Von Jan Dafeld
Freitag, 24.11.2017 | 11:42 Uhr
Mit den Milwaukee Bucks gewann Oscar Robertson seinen einzigen Titel in der NBA
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Oscar Robertson gehört zu den größten Legenden in der Geschichte der NBA. Seine Triple-Double-Saison ist bis heute unvergessen. Dabei waren die Voraussetzungen für seine Karriere denkbar schlecht: Sein ganzes Leben lang kämpfte er gegen Rassismus und seine kritische Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Doch er sollte die Liga entscheidend verändern. Heute wird Robertson 79 Jahre alt.

"Oscar Robertson ist der beste Basketballer, gegen den ich jemals gespielt habe." John Havlicek macht eine kurze Pause. Dann fügt er hinzu: "Er hatte keine Schwächen." The Big O gilt als komplettester Spieler seiner Generation. NBA-Experten vergleichen ihn mit den größten Legenden aller Zeiten. "Er war der Michael Jordan seiner Zeit", erklärt Red Auerbach, neunmaliger Meistertrainer mit den Boston Celtics. "In vielerlei Hinsicht."

Tatsächlich steht Oscar Robertson heute zusammen mit Superstars wie Michael Jordan, Magic Johnson oder Larry Bird in der Hall of Fame der NBA. Doch Robertsons Karriere verlief anders als die späterer NBA-Koryphäen. "Der größte Basketballer der Welt zu sein bedeutete überhaupt nichts für Oscar", meint sein langjähriger Teamkollege Wayne Embry. "Er durfte trotzdem nicht in einem Restaurant essen. Er musste trotzdem in der letzten Kinoreihe sitzen, wenn er sich einen Film ansehen wollte. Er musste trotzdem in dem ihm zugewiesenen Bereich im Bus Platz nehmen."

Keine Schwarzen als Vorbilder

Robertsons Stern am Basketballhimmel steht am höchsten, als ihn dort eigentlich überhaupt niemand sehen will. Zu Beginn der 1960er Jahre wird das Gesellschaftsbild in den USA nach wie vor vom Rassismus beherrscht. Es ist der Beginn der Protestbewegungen der afroamerikanischen Bevölkerung und dem Wirken von Martin Luther King in den Vereinigten Staaten, doch Farbige werden weiterhin als Menschen zweiter Klasse angesehen. Zujubeln möchte ihnen keiner.

"Die Medien, die Werbeindustrie, das Publikum, sie alle wollten Weiße als Helden haben. Doch Oscar war dummerweise einfach ein überragender Spieler", erklärt George Vecsey von der "New York Times". Robertsons Dominanz und Unaufhaltsamkeit will so gar nicht in das über Jahrhunderte kreierte Bild der niederen Rasse passen. Mit Bill Russell und Wilt Chamberlain wurden zwar bereits zwei Farbige zu MVPs in der NBA gewählt, doch vor allem Robertsons Position und Spielstil sind der Öffentlichkeit ein Dorn im Auge.

Kindheit in Armut

"Die Annahme war, dass Schwarze nicht klug sind. Sie sind dumm", erklärt Robertson. "Es wurde gesagt, sie könnten nicht dribbeln, könnten den Ball nicht im Backcourt kontrollieren. Sie konnten zwar spielen, aber angeblich nicht denken." Für den Point Guard ist diese öffentliche Wahrnehmung nichts Neues. Geboren wird er in Tennessee, seine Familie zieht jedoch später um, sodass er eine High School in Indianapolis besucht. So lernt er bereits im Kindesalter zwei Arten von Rassismus kennen: den südlichen und den nördlichen.

Robertsons Mutter übt drei Jobs gleichzeitig aus, um ihre drei Söhne zu ernähren. Als sich der kleine Oscar zum Geburtstag einen Basketball wünscht, reicht das Geld der Familie nicht aus. Bis er in der Schulmannschaft spielen kann, trainiert Robertson seinen Distanzwurf, indem er mit Kordel zusammengebundene Lumpen in einen Flechtkorb vor dem Haus wirft.

Erfolgreich, aber nicht gefeiert

Das Training scheint sich auszuzahlen: 1955 gewinnt er mit seiner High School Crispus Attucks überlegen die Meisterschaft - als erste rein schwarze Schule in der Geschichte Indianas. Im Jahr darauf wiederholt das Team dieses Kunststück und verliert dabei kein einziges Spiel in der gesamten Saison. Ebenfalls eine Premiere in Indiana. Trotzdem sind Robertson und seine Teamkollegen in Indianapolis keine gefeierten Idole. Ihre Titel müssen sie außerhalb der Stadt feiern. "Man sagte uns, die Schwarzen würden ansonsten in der Innenstadt randalieren", so Robertson.

Dass er in Spielen gegen andere Schulen von Fans und Gegenspielern beleidigt wird, blendet Robertson aus: "Es hat mich nicht gekümmert", behauptet er. "Es hat mich nur noch härter spielen lassen." Der damals 18-Jährige ist nicht schüchtern oder ängstlich. Beobachter beschreiben ihn als zu stolz, als dass er sich von seinen Gegnern hätte provozieren lassen.

Dominanz am College

Als er als amtierender "Indiana Mr. Basketball" 1957 zum College von Indiana fährt, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen und für die Hoosiers aufzulaufen, wird allerdings auch bei Robertson eine Grenze erreicht. Beim Treffen auf dem Campus tritt ihm der Hoosiers-Coach respektlos gegenüber, soll Robertson sogar beleidigen. "Ich wäre niemals dorthin gewechselt", blickt The Big O heute zurück. "Für Nichts auf der Welt".

Robertson entscheidet sich stattdessen für das College von Cincinnati und dominiert dort die meisten Gegenspieler. In drei Jahren wird er dreimal zum College Player of the Year gewählt, ist dreimal bester Scorer und zieht zweimal ins Final Four ein. Der ganz große Wurf bleibt ihm aber ebenso verwehrt wie der Respekt der weißen Gesellschaft.

"Ein Wunder, dass ich niemanden umgebracht habe"

Häufig muss er getrennt von der Mannschaft übernachten, da ihm die Hotels keinen Einlass gewähren. Als er mit seinen Bearcats in North Carolina gegen Wake Forest antreten soll, erhält er einen Brief des Ku Klux Klans, in dem damit gedroht wird ihn zu erschießen, sobald er über die Grenze fährt.

"Ich war ein junger Mann, spielte in einer rein schwarzen Schule Basketball, kam auf die Universität als erster Schwarzer in ihrer Geschichte und wurde vom Klan bedroht. Mir wurde immer wieder gesagt, ich dürfte bestimmte Sachen nicht tun. Es ist ein Wunder, dass ich niemanden umgebracht habe", meint Robertson. Der Guard bewahrt die Kontrolle, so gut er kann. Doch in seinem Innern rumort es.

Seite 1: Kindheit voller Armut, Rassismus und Schikanen

Seite 2: Die Triple-Double-Saison, späte Erfolge und der Kampf nach der Karriere

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