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Unaufhaltsam, aber unvollendet

Von Jan Dafeld
Montag, 24.07.2017 | 10:57 Uhr
Karl Malone (vorne rechts) konnte Michael Jordan und die Chicago Bulls in den Finals nie bezwingen
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Zwei Jahrzehnte lang prägte Karl Malone die NBA. Mit John Stockton bildete er eines der besten und populärsten Duos aller Zeiten und führte die Utah Jazz zu den größten Erfolgen ihrer Teamgeschichte. Die große Krönung seiner einzigartigen Karriere blieb Karl Malone jedoch immer verwehrt - was auch immer er zu versuchen bereit war.

"Stockton inside to Karl Malone. They double him. Jordan knocks it away from him. Jordan's got it. The Bulls can win it right here!" Es ist der Kommentar zu den letzten Sekunden der NBA Finals 1998. Michael Jordan klaut Malone in der Verteidigung den Ball, trifft sechs Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Game-Winner und baut seinen Legendenstatus weiter aus. Die Chicago Bulls gewinnen ihren sechsten Titel in acht Jahren. Karl Malone, John Stockton und die Utah Jazz stehen erneut mit leeren Händen da.

Karl Malone spielte in fast 1.500 NBA-Spielen, erzielte fast 37.000 Punkte, schnappte sich fast 15.000 Rebounds, verwandelte fast 10.000 Freiwürfe. Und dennoch ist seine vielleicht bekannteste Szene ein Ballverlust. In seiner zweiten und letzten Finalteilnahme unterlag Karl Malone erneut Michael Jordan und blieb somit ein unvollendeter Basketballer.

Der Inbegriff von Arbeit und Härte

Am 24. Juli 1963 wird Malone als jüngster Junge von neun Kindern in Summerfield, Louisiana geboren. Er wächst ohne Vater auf, bereits früh beginnt er, auf der Farm seiner Familie zu arbeiten, und er muss parallel zu seiner Schullaufbahn seine Familie miternähren.

Nachdem Malone an der High School dominiert und von keinem Gegenspieler zu stoppen ist, kriegt er Angebote von Hochschulen aus dem ganzen Land, doch Malone entscheidet sich für das kleine College von Louisiana Tech, um so nah wie möglich bei seiner Familie bleiben zu können.

Bereits dort fällt Malone durch sein extrem hartes Training und unermüdlichen Arbeitseifer auf. Eine Einstellung, die er von zu Hause nicht anders kennt. So kann sich Karl Malone schnell zu einem der besten Spieler des Landes entwickeln und erhält dank seiner Konstanz den Spitznamen verpasst, der sich bis ans Ende seiner NBA-Karriere hält: The Mailman.

Verlässlich wie ein Postbote liefert Malone ab - nur eben Punkte und Rebounds statt der Post.

Mangelndes Ansehen in der NBA

Trotz des fehlenden Erfolgs auf nationaler Ebene ist der Power Forward davon überzeugt, einer der besten Nachwuchsspieler des Landes zu sein. In der Vorbereitung auf den Draft 1985 erklärt Karl Malone gegenüber den Dallas Mavericks, gerne für die Franchise spielen zu wollen, um in der Nähe seiner Heimatstadt bleiben zu können. In felsenfester Überzeugung, auch in den Augen der Mavericks der perfekte Mann für das Team zu sein, kauft er sich daraufhin direkt ein Apartment in Texas.

Dallas entscheidet sich an der 8. Stelle des Drafts allerdings für den Deutschen Detlef Schrempf. Malone wird erst fünf Picks später von den Utah Jazz ausgewählt. So kommt Karl Malone in dem Glauben in die Liga, nicht die Anerkennung zu erhalten, die er verdient hätte, ohne überhaupt ein Spiel in der NBA absolviert zu haben. Eine Überzeugung, die ihn seine gesamte Karriere lang begleiten soll.

Die Geburt eines legendären Duos

In Salt Lake City kann der Mailman einen nahezu perfekten Einstand in die NBA feiern. Selbst auf dem Niveau der Profis ist Malones Kombination aus Größe, Athletik und Power nur schwer zu verteidigen. Bereits in seiner Rookie-Saison entwickelt sich Malone zu einem der Starter und Leistungsträger der Utah Jazz und erreicht im Schnitt fast 15 Punkte und neun Rebounds. Direkt zu Beginn seiner Karriere wird er als neuer Führungsspieler der Franchise ausgemacht.

In den nächsten zehn Jahren sind die Utah Jazz der Inbegriff von Konstanz. Karl Malone und John Stockton (der ein Jahr vor Malone zum Team gestoßen war) zelebrieren das Pick'n'Roll in einer Perfektion, die bis heute unerreicht ist. Malone wird achtmal in Folge All-Star, sieben Mal in Folge wird er ins All-NBA First Team gewählt. Was allerdings ausbleibt, ist der richtig große Wurf.

Kein einziges Mal erreichen die Utah Jazz in diesen Jahren die NBA Finals. Malone erklärt konsterniert: "Ich verstehe nicht, wieso wir es versuchen, während die anderen es tun. Ich hasse versuchen!" Die gesamte Franchise entwickelt eine Angst vor dem Verlierer-Image. Ihren Höhepunkt erreicht diese 1994 in den Conference Semifinals gegen die Denver Nuggets.

Eklat zwischen Malone und Larry Miller

Nachdem die Jazz die ersten drei Spiele allesamt für sich entscheiden können und sich bereits in der nächsten Runde wähnen, brechen sie plötzlich ein. Nach einer Niederlage in Denver erwischt Utah auch im heimischen Delta Center einen schwachen Start in die Partie.

Karl Malone wirkt wie ein Fremdkörper auf dem Spielfeld. So kommt es zu einem Eklat, den es bis heute in der NBA so nicht gegeben hat. Jazz-Owner Larry Miller stürmt auf die Trainerbank zu und fordert von Coach Jerry Sloan lautstark die Auswechslung seines Stars.

Vor allem da Miller und Malone eigentlich ein Verhältnis haben, das im professionellen US-Sport seinesgleichen sucht, ist der mediale Aufschrei groß.

Die Entschuldigung von Miller folgt kurz darauf, doch es ist kein Geheimnis, dass Malone von dem mangelnden Vertrauen in seine Person und dem offenbar fehlenden Glauben, dass er sein Team im entscheidenden Spiel zum Sieg führen könne, tief enttäuscht ist.

Nice or bad Guy?

Es sind nicht die ersten Schlagzeilen, die über Karl Malone geschrieben werden. Neben seiner vorbildlichen Arbeitseinstellung, die ihn eigentlich zum Vorbild machen sollte, bringen ihn auch immer wieder Verfehlungen auf und nebem dem Platz in die Medien. Bereits während seiner College-Zeit schwängert er eine 13-jährige. Dass er der Vater ist, wird erst Jahre später öffentlich.

Es folgen zwei weitere uneheliche Kinder, 1991 verpasst er Isiah Thomas einen so heftigen Ellbogencheck, dass dieser mit vierzig Stichen genäht werden muss und ein Jahr später ist es Malone, der die Comeback-Kampagne für Magic Johnson nach dessen HIV-Erkrankung nicht mittragen will und sich öffentlich gegen eine Rückkehr des Point Guards ausspricht.

Kritik als Motivation

"Karl Malone reagierte wahrscheinlich sensibler auf Kritik als jeder andere Spieler, den ich jemals beobachtet habe" stellt Tom Nissalke von "Jazz Radio" fest. Malone blieb nicht immer so kühl und unabhängig, wie er es vielleicht gern getan hätte: "Es wird immer nur berichtet, was andere über mich denken und sagen, dass sie sauer auf mich sind und all so etwas. Wenn du etwas Gutes machst, dann wird darüber nie geredet."

Wer denkt, dass die negativen Stimmen aus der Liga und den Medien Malone hemmen konnten, der irrt sich jedoch. "Hast du Karl vor dem Spiel erzählt, dass er großartig ist, konntest du sehen, wie der Druck in ihm anstieg. Hast du ihm erzählt, dass er ein Niemand ist, zerstörte er dich und dein gesamtes Team" erklärt Reporter David James.

Als in der Saison 1989/1990 A.C. Green und nicht Karl Malone zum Starting Power Forward der Western Conference gewählt wird, stellt dieser im nächsten Spiel Utahs mit 61 Punkten einen neuen Teamrekord auf.

Tragische Finals-Niederlagen

Die Saison 1996/1997 schien die Komplettierung der Karriere von Karl Malone werden zu können. Nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1996 führt er seine Jazz zum Franchise-Rekord von 64 Siegen, wird zum ersten Mal auch in das All-NBA Defensive First Team gewählt und gewinnt nach zwölf Jahren in der NBA seinen ersten MVP-Titel.

In den Playoffs führt Malone seine Jazz sogar zum ersten Conference Title und dem ersten Finals-Einzug der Geschichte.

Doch Karl Malone bleibt unvollendet. Sowohl 1997 als auch 1998 verliert er mit seinen Jazz gegen Michael Jordan und die Chicago Bulls, nimmt in den kritischen Momenten des entscheidenden Spiels sogar jeweils tragische Rollen ein.

In seiner ersten Finals-Teilnahme vergibt er die entscheidenden Freiwürfe am Ende des sechsten Spiels. Ein Jahr später besiegelt sein Ballverlust gegen Michael Jordan das Schicksal der Utah Jazz.

Das Ende einer Ära

Trotz schwindender Athletik bleibt Karl Malone einer der dominantesten Spieler der Liga. Er kann sein Shooting und sein Passing weiter verbessern, sein Spiel gewinnt zudem an Finesse hinzu. Er gewinnt noch einen MVP-Titel und wird weitere viermal All-Star, echte Chancen auf den Titel haben die Jazz trotz allem in all den folgenden Jahren nicht mehr.

Nach 19 gemeinsamen Jahren, in denen die Jazz 19 Mal die Playoffs erreichen können, wird das konstanteste Duo der NBA-Geschichte gesprengt. John Stockton beendet seine Karriere, Karl Malone wechselt nach Los Angeles.

Sean Deveney ist sich sicher: "Karl Malone hätte Kareem Abdul-Jabbars NBA-Scoring-Rekord jagen können. Er hätte in Utah bleiben und ihn sich schnappen können. Aber er wollte den NBA-Titel gewinnen."

Letzter Versuch in Los Angeles

So schließt sich Malone den Superstars Kobe Bryant und Shaquille O'Neal bei den Lakers an. Das Team geht als Topfavorit in die Saison, doch dieses Kapitel in Malones Geschichte steht unter schlechten Vorzeichen. Drei Tage nach seinem Wechsel wird Kobe Bryant wegen Vergewaltigung angezeigt.

Kurz darauf stirbt Malones Mutter. Darüber hinaus kommen Kobe und Shaq nicht gut miteinander aus, Malone muss die Rolle als Leader des Teams einnehmen und zwischen den beiden Hitzköpfen vermitteln.

All der Umstände zum Trotz reicht das Talent der Lakers aus, um der Favoritenrolle zunächst gerecht zu werden. Nach 18 Siegen in 21 Regular-Season-Spielen verletzt sich Malone jedoch schwer. Ausgerechnet in Los Angeles trifft es ihn hart, nachdem er in Utah vorher in 19 Jahren nur sechs Spiele verletzungsbedingt aussetzen musste.

Der Rücktritt von der NBA-Bühne

Malone zeigt in den Playoffs seine Qualität, vor allem defensiv ist er mehr als nur ein Mitläufer und trägt einen großen Teil dazu bei, dass Los Angeles in die Finals einziehen kann. Noch vor dem ersten Spiel gegen Detroit verletzt sich Malone jedoch erneut.

Vier Spiele lang beißt er mehr schlecht als recht auf die Zähne, bei der endgültigen Niederlage im fünften Spiel setzt er bereits komplett aus und kehrt nie wieder aufs NBA-Parkett zurück.

Seine Rückennummer, die 32, wird von den Utah Jazz nicht mehr vergeben werden, er zieht in die Hall of Fame ein und seit sieben Jahren steht eine große Bronzestatue von ihm, zusammen mit seinem kongenialen Partner John Stockton, in Salt Lake City vor der EnergySolutions Arena.

Es gibt genug Positives, auf das Karl Malone heute zurückblicken kann. Die große Krönung des vielleicht besten Power Forwards in der Geschichte der NBA blieb aber aus. Wie im Kampf um die Meisterschaft mit seinen Teams reichte es auch für ihn persönlich in der Scoring-Liste der NBA am Ende nur zu Rang zwei.

Der Spielplan der Saison 2013/14

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