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Vom Verstoßenen zum Kobe-Stopper

Von Max Marbeiter
Dienstag, 16.04.2013 | 18:03 Uhr
Jimmy Butler spielt derzeit seine zweite Saison bei den Chicago Bulls
© getty
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Mit 13 wurde Jimmy Butler von seiner Mutter vor die Tür gesetzt. Drei Jahre war er obdachlos. Auch sportlich taten sich immer wieder Herausforderungen auf. Doch Butler arbeitete hart und gehört inzwischen zu den besten Flügel-Verteidigern der Liga. Das weiß auch Kobe Bryant.

Spricht man über Jimmy Butler, so kommt man nicht umhin, an diesen einen Moment zur erinnern. Diesen einen Moment, der aus Jimmy Butler, dem Schüler, Jimmy Butler, den faktisch Obdachlosen machte.

Damals, Butler war gerade 13 Jahre alt, entschloss sich seine Mutter, nicht länger mit ihrem Sohn unter einem Dach leben zu wollen. Sie setzte ihn auf die Straße. "Ich kann dich nicht mehr sehen", sind die letzten Worte seiner Mutter, an die sich Butler erinnert.

Fortan tingelte er zwischen den Häusern verschiedener Freunde umher. Volle drei Jahre lang, bis er bei den Eltern seines Freundes Jordan Leslie schließlich ein neues zu Hause fand. Bei der Familie Lambert verbrachte Butler sein letztes Highschool-Jahr, Mutter Michelle und Vater Michael nennt er heute "Mom" und "Dad".

Butler: "Kein Grund für Mitleid"

Die Geschichte klingt rührselig, so rührselig, dass Butler sie lange verschwieg. Er wollte weder Mitleid noch anders behandelt werden. Noch heute spricht er ungern über seine Vergangenheit.

"Es gibt keinen Grund, Mitleid mit mir zu haben", sagt er. "Ich bin froh über das, was mir passiert ist. Es hat mich zu dem gemacht, der ich bin. Ich bin dankbar für die Herausforderungen, die mir gestellt wurden."

Und Herausforderungen bekam Butler wahrlich eine Menge gestellt. Ob der Mangel an Stipendien, der ihn im ersten College-Jahr am Tyler Junior College auflaufen ließ, oder die problematische erste Saison in Marquette, die für ihn lediglich 19 Minuten Spielzeit bereithielt - geschenkt wurde dem Swingman nichts. Doch Butler steigerte sich, legte in der Folgesaison in jeder Kategorie bessere Zahlen auf und erspielte sich so einen festen Platz in der Rotation.

"Er ist vielleicht der intelligenteste Spieler, den ich je trainiert habe", erzählt Marquette-Headcoach Buzz Williams. "Ich war zu keinem Spieler unerbittlicher, als zu Jimmy. Ich war rücksichtslos, weil er einfach nicht wusste, wie gut er sein konnte. Schließlich wurde ihm sein ganze Leben lang gesagt, er sei nicht gut genug. Ich habe allerdings einen Jungen gesehen, der unser Team auf so viele Arten positiv beeinflussen konnte."

Perfekter Arbeitsplatz Chicago?

Einen solchen Jungen sahen offenbar auch die Chicago Bulls, die Butler 2010 schließlich an 30. Stelle drafteten. Und mit dem sechsmaligen Champion scheint der optimale Arbeitsplatz für ihn gefunden zu sein. Der Grund: Tom Thibodeau.

Wohl kaum ein Trainer der Liga ist so sehr von defensivem Denken geprägt, wie der Headcoach der Bulls. Thibodeaus Mannschaften definieren sich beinahe ausschließlich durch die Arbeit unter dem eigenen Korb. Ein Konzept, wie gemacht für Jimmy Butler.

Dank seiner herausragenden Athletik und Länge verteidigt er beide Flügel-Positionen äußerst effektiv. Seine Arbeitseinstellung tut ihr Übriges. Das bekam nicht zuletzt Kobe Bryant zu spüren, der in zwei Duellen, in denen er größtenteils von Butler verteidigt wurde, mit 17,5 Punkten bei 36,8 Prozent aus dem Feld deutlich unter seinem Saisonschnitt blieb. Zahlen, die Butler das Attribut des Kobe-Stoppers verliehen.

"Sein Auftreten ist hervorragend", sagt Thibodeau über Butler. "Er kämpft einfach. Das ist Wahnsinn. Wenn er einen Fehler macht, arbeitet er extrem hart, um ihn wiedergutzumachen. Und er bringt jede Menge Energie."

Verletzungen bringen Spielzeit

Dennoch bedurfte es einiger Verletzungen bei den Bulls, ehe der Coach die Spielanteile seines Sophomores, der in seiner ersten Saison im Schnitt lediglich gut 8 Minuten auf dem Court gestanden hatte, deutlich erhöhte. Und Butler rechtfertigte das Vertrauen mit Leistung. In 19 Auftritten als Starter legte er 14,5 Punkte und 7,1 Rebounds auf.

Ganz nebenbei beweist "Jimmy Buckets" immer wieder ein unglaubliches Gespür für das richtige Play zur richtigen Zeit. Ob Highlightplay, Steal oder Block - benötigen die Bulls einen besonderen Moment, ist Butler häufig zur Stelle.

Dunk über Bosh als Initialzündung

So gesehen gegen Miami. Gerade waren die Heat in Führung gegangen, das Spiel drohte zu kippen, da bekam Butler Luol Dengs Lob-Anspiel weit über Ringniveau zu fassen und übersprang ganz nebenbei Chris Bosh.

Angestachelt von der kollektiven Ekstase im United Center starteten die Bulls einen Run und beendeten die 27 Spiele andauernde Siegesserie der Heat.

Es ist diese Explosivität, die Butler auch für Chicagos Offense so wertvoll macht. Mit seinem schnellen ersten Schritt findet er immer wieder einen Weg am Ring zu scoren, marschiert er an die Linie, trifft er den Freiwurf hochprozentig (80,6 Prozent).

Paradedisziplin Defense

Butlers Paradedisziplin ist und bleibt jedoch das hintere Ende des Courts. Gegnerische Shooting Guards hält er bei einem Player Efficiency Rating von 10,4 und entlastet so auch Luol Deng, Chicagos eigentlichen Premium-Verteidiger, der so wiederum Kräfte für die Offensive sparen kann.

Nicht wenige fordern deshalb, Butler auch in Anwesenheit von Marco Belinelli und Richard Hamilton zum Starting Shooting Guard der Bulls zu ernennen. Schließlich böte ein Flügelduo Deng/Butler vorne wie hinten diverse Optionen. "Mit Lu und Jimmy auf dem Court haben wir immer das Gefühl, dass das Spiel defensiv in die richtige Richtung geht", erklärt Tom Thibodeau. "Für andere Teams ist es dann einfach schwerer, ihre beste Scoringoption zu finden."

Dazu legt der Swingman als Starter sowohl beim Scoring als auch bei den Rebounds sowie Assists bessere Zahlen auf, als seine beiden Konkurrenten. Gleichzeitig steigt Chicagos Offensive Rating mit Butler auf der Zwei von 97,6 auf 102,7 an. Angesichts der teils frappierenden Offensivallergie der Bulls kein zu vernachlässigender Fakt.

Kann Rose profitieren?

Auch Derrick Rose könnte nach seinem Comeback von den Qualitäten Butlers profitieren. Schließlich penetriert der 23-Jährige ähnlich explosiv zum Korb, wie der MVP von 2011. Attackiert Butler die Zone, könnte sich Rose also zurückhalten, seinen Körper nach seiner schweren Knieverletzung etwas weniger häufig in den Luftkampf mit gleich mehreren Big Men werfen.

All das mag ein wenig zu perfekt klingen. Und perfekt ist Butlers Spiel tatsächlich nicht. Noch mangelt es an Konstanz. Gerade in den letzten drei Spielen war Butler der Kräfteverschleiß deutlich anzumerken. Nur 30 Prozent seiner Würfe fanden schlussendlich ihren Weg durch die Reuse.

Generell ist der Wurf wohl eine der größten Schwachstellen in Butlers Spiel. Zwar hat er seine Quoten in dieser Saison erheblich gesteigert (46,6 Prozent FG, 37,5 Prozent 3er gegenüber 40,5 und 18,2), einen verlässlichen Distanzwurf nennt Butler allerdings noch immer nicht sein Eigen.

Doch Tom Thibodeau ist optimistisch: "Jimmy hat seinen Wurf verbessert. Und er wird weiter daran arbeiten. Alles, was erreicht hat, hat er sich verdient. Ich denke, er wird noch besser werden." Es sieht ganz danach aus, als hätte Butler nun auch seine sportliche Heimat gefunden.

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